20. Mai bis 15. Juli 2001, im Graphischen Kabinett
Hansruedi Riesen:
150 Jahre und ein Moment
Fotografien zum Jubiläum des Kunstvereins Solothurn.
Im Sommer 2000 feierte der Kunstverein Solothurn sein 150-Jahr-Jubiläum mit einem großen Fest. Die Vorbereitungen und die zweitägige Feier wurden vom Solothurner Fotografen Hansruedi Riesen (*1954) vom 9. bis 15. August 2000 festgehalten. Obwohl es sich bei der umfangreichen Fotoserie um eine Auftragsarbeit handelt, wird darin der künstlerische Anspruch und die Eigenart des Fotografen sichtbar. Eine Auswahl von farbigen und schwarzweißen Aufnahmen ruft das Fest der Künste nochmals in Erinnerung: Festarchitektur, Installationen, Performances, Atmosphäre und Stimmung. Als Chronist und Künstler hat Hansruedi Riesen Momente fotografiert, die als Bilder fortdauern und nicht nur die Geschichte eines Vereins, sondern einer ganzen Stadt fortschreiben.
Die Selektion der gezeigten Bilder vermittelt Impressionen mit einer Ausstrahlungskraft die über die gestellte Aufgabe der Reportage von Personen und Ereignissen in einem bestimmten Umfeld hinausgehen. Naturgemäss müssen, durch diese Auswahl bedingt, «Schnappschüsse» der damals greifbaren Personen, wie wir alle sie gerne im Fotoalbum einsortieren, hintanstehen.

Abgesehen von Auftragsarbeiten im Bereiche der Architektur-, Industrie- und Gewerbefotografie, nebst Reportagen, entstehen freie Arbeiten manchmal aus diesen Umfeldern heraus. In Arbeit ist eine Studie über Architektur, Natur und Körper. Dabei will Riesen in einer Art Triptychon Bilder vorstellen, die sich von ihrer darstellenden Aufgabe – vom Abbild – lösen um sich bis hin zur Abstraktion zu reduzieren. Die Bilder erhalten über das illustrieren hinaus eine immanente Spannung durch ihre Strukturen und Lichtspiele die sie entdecken und Gemütslagen die sie vermitteln.
Im Juni 2001 wird Riesen in Interlaken eine zweiteilige Arbeit präsentieren, die sich der Restaurie-rung des 1914 erbauten Dampfers «Lötschberg» widmet. Einerseits werden dabei die Erneuerungsarbeiten am Schiff in der Werft dokumentiert und andererseits begleitet Hansruedi Riesen den solothurner Künstler Heiko Schütz bei seiner Arbeit. Dieser hat sich die Aufgabe gestellt, mit ausrangierten Bestandteilen der «Lötschberg» neue Skulpturen zu erbauen. So dokumentiert der Fotograf in zwiefacher Hinsicht wie ein «toter» Dinosaurier zu neuem «Leben» erweckt wird (Dampfschiff/Objekt).

Oft beschäftigt sich Hansruedi Riesen in seinen freien Arbeiten mit Polaritäten, beispielsweise mit Leben und Tod. Wie sieht ein verlassenes, verschlissenes und damit funktionslos gewordenes Industrie- und Produktionsgelände aus und welche Art neuen Lebens kann sich daraus entwickeln? Eine ganze Reihe weiterer Arbeiten widmen sich diesem Thema, wie die Bilder über die Arbeitersiedlung «Elsässli» in Derendingen, die Stimmungen auf Friedhöfen in England, Frankreich und Italien, die italienischen
und englischen Engel aufzeigen.
Riesen will in seiner Fotografie Situationen auseinanderlegen (analysieren). Dabei zerlegt, strukturiert und reduziert er, um zur eigentlichen Form zu gelangen.

Jürg Thommen