2. März bis 21. April 2002
Im Sucher
Zeitgenössische Fotografie in Solothurner Sammlungen

Eine Ausstellung des Kunstvereins Solothurn
Teresa Hubbard | Alexander Birchler, Low Tide
Der Kunstverein Solothurn veranstaltete 1950 wie 1975 Ausstellungen, welche die Öffentlichkeit über die private Kunstsammeltätigkeit in der Region Solothurn orientierten. Nun, zum 100. Geburtstag des Kunstmuseums Solothurn, soll gezeigt werden, was damals gänzlich ausgespart wurde: Fotografie.
Obwohl zahlreiche bedeutende Fotografen sowie Kunstschaffende, die mit Fotografie arbeiten, aus der Region stammen und seit Jahrzehnten in Solothurn regelmässig Fotoausstellungen stattfinden, ist die allgemeine Wertschätzung dieses Mediums hier noch vergleichsweise gering, während es auf nationalem wie internationalem Kunst-Parkett seit Jahren boomt.
Bei der Bestandesaufnahme des Vorhandenen zeigte sich schnell einmal, dass hier - mit Ausnahme derjenigen des Kantons - keine eigentliche Fotosammlung auszumachen ist. Was es hingegen gibt, sind Kunstsammler, die neben Werken der bildenden Kunst auch Fotografien besitzen, sei es aus inhaltlichen oder formalen Interessen, sei es auch, um persönliche Beziehungen zu Kunstschaffenden mittels Fotografien zu dokumentieren. Freundschaften spielen beim Aufbau von Kunstsammlungen in Solothurn traditionell eine wichtige Rolle. Im Bereich der Fotografie ist es nicht anders, weshalb Werke von Künstlern und Fotografen, die einen Bezug zu Solothurn haben, in der Ausstellung einen verhältnismässig breiten Raum einnehmen. Es sei aber betont, dass es sich bei dieser Ausstellung nicht um eine Ausstellung über Solothurner Fotografie handelt, sondern um eine Ausstellung, die einen Überblick über Fotobestände in Solothurner Privatsammlungen gibt.
Hier gibt es den Privat-Mäzen, der von befreundeten Fotografen über Jahre hinweg Bilder ankauft ebenso wie den Kunstvermittler, bei dem sich Fotografien als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung äufnen. Es gibt die Kunstsammlerin, die grundsätzlich hiesige Kunstinstitutionen durch Ankäufe unterstützt wie diejenige, die ausschwärmt, um sich aus den Zentren innovativ - junge, aber auch internationale Kunst sowie Anregungen aus den Beziehungen zu deren SchöpferInnen in die kleinstädtischen vier Wände zu holen.
Worauf man bei der Suche nach Fotografien ebenfalls stösst, sind die umfangreichen Archive renommierter Fotografen, für welche in Solothurn noch ein Ort zur Aufbewahrung und Aufarbeitung gefunden werden muss, damit sie der Gesellschaft nicht dereinst verloren gehen. Da der Charakter der Ausstellung sich ausschliesslich aus in Privatbesitz befindlichen Fotografien ergeben sollte - mit allen Schwerpunkten und Lücken - wurde darauf verzichtet, FotografInnen persönlich um eigenes Bildmaterial anzufragen. Das Konzept musste während der Suche somit fortdauernd dem sich mehrenden Material angepasst werden. Dass sich schliesslich ein Konzept ergab, das zeitgenössische Fotoarbeiten von Kunstschaffenden wie Heinz Brand oder Hubbard & Birchler sowie Fotografien von eigentlichen Fotografen wie Balthasar Burkhard oder Nobuyoshi Araki der zum Teil schon älteren Dokumentarfotografie eines Roland Schneider oder Daniel Schwartz teils vergleichend, teils abgrenzend gegenüberstellt, hängt damit zusammen.
Künstlerische Gegenwartsfotografie wird gerne gleichgesetzt mit subjektiv, inszeniert, lifestyleorientiert, während man der Schwarzweiss-Fotografie in der Tradition der «Human Photography» traditionell Objektivität, Ehrlichkeit und Realitätstreue attestiert. Das eine nennt man Kunst, das andere Fotografie. Doch sind solche Abgrenzungen zu rechtfertigen? Kann Reportage durch formale Mittel erzielte Eindringlichkeit nicht zur Kunst werden, die Inszenierung nicht wahrer erscheinen als die Wirklichkeit?
Die Ausstellung zeigt eindringlich, dass das Verhältnis von Abbild und Realität, das heisst u.a. auch von objektiver und subjektiver Weltsicht, in der Fotografie immer noch einen viel zentraleren Aspekt bildet als in allen anderen Bildmedien. Die heute mehr und mehr hinzukommenden virtuellen Welten erweitern den Bereich der Bildmöglichkeiten enorm, verlangen aber vom Betrachter eine verschärfte Wahrnehmung. Vom Digitalprint der Fotografie einer zwar noch realen, doch mit verschiedenen Wirklichkeiten spielenden Situation (z.B. Corina Bezzola) über digital bearbeitete, d.h nach Belieben veränderte Fotografien (z.B. Sabina Baumann) bis zu den rein computergenerierten, die Wirklichkeit quasi übertreffenden Bildern von Studer/van den Berg sind es heute nur noch kleine Schritte.

Roswitha Schild


Alle Bilder stammen aus Privatbesitz und sind unverkäuflich.