| 13. April 9. Juni 2002 Ana Axpe I was made for lovin you Fotos, Videos und Installationen |
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| Ana Axpe (* 1968 in Buenos Aires, seit 1990 in Genf tätig) arbeitet hauptsächlich mit den Medien Video und Fotografie, die sie manchmal kombiniert und installativ verwendet. Die Künstlerin tritt in allen Arbeiten selber auf und agiert so als Regisseurin, Sprecherin und Schauspielerin. Obwohl oft persönliche Erinnerungen, Familienfotos und Dokumente die Grundlage ihrer Arbeit bilden, geht es bei Axpe weder um Selbstinszenierung noch Identitätssuche. Gerade die Verwendung stereotyper Bilder und fiktiver Figuren verweist auf einen allgemeingültigen Anspruch ihrer Arbeit. Seit 1996 nimmt die als 12-teilige Serie angekündigte Arbeit ¡No Firmo! einen besonderen Platz in Axpes Schaffen ein, wobei nicht die Realisation einer eigentlichen Telenovela (südamerikanische Soap Opera) das Ziel ist, sondern die dazu entstehenden Produkte rund um die Hauptfigur Adela Conti mit Plakaten, Starfotos und Videoausschnitten. In unzusammenhängenden Episoden begegnet uns Adela Conti, eine unbekannte Schauspielerin, die in die Rolle ihrer kranken Zwillingsschwester Olga einer berühmten Künstlerin schlüpft und so in deren glamouröse Welt eintaucht. Das Verwirrspiel der Identitäten ist perfekt, bis auf Adelas vergebliche Versuche, auch noch die Unterschrift der Künstlerin zu erhalten, die diese ihr verweigert (¡No Firmo! = Ich unterschreibe nicht). Die entstehenden Szenen und Situationen sind sattsam bekannt aus einschlägigen Fernsehserien aber auch aus Klatschreportagen über echte Stars. Diese Verstrickungen zwischen fiktiven und realen Momenten sind bezeichnend für das künstlerische Vorgehen von Ana Axpe. Die Ausstellung beginnt mit einer neuen Adela-Episode (I was made for lovin you, 2002). Der Raum wird beherrscht vom überlebensgrossen, erleuchteten Abbild Adelas mit erhobenen Armen und aufgerissenen Augen. Geht man um die Fotoskulptur herum, entdeckt man den Grund für das dramatische Gebaren: Ein Messer steckt in Adelas Rücken. Bedeutet dies das Ende von Adela und der Telenovela? Ein kurz davor entstandenes Video (The Last Dynasty, 2001) zeigt Adela, wie sie eine gesamte Büroeinrichtung zertrümmert. Ihre maskenhafte Manieriertheit steht im extremen Gegensatz dazu. Nicht etwa blinde Wut, sondern systematisch-berechnende Destruktion bestimmt ihr Verhalten. Diese Grossprojektion bildet den Übergang zum letzten Raum, wo wir uns unvermittelt im Besuchsraum einer Anstalt wiederfinden, auf der Seite der Internierten. So werden wir nach den bisherigen Verschiebungen von Realität und Fiktion selber zu Protagonisten dieser undurchschaubaren Geschichte. Gar als mögliche Mörder von Adela? Das Thema des Einsperrens schliesst an frühere Arbeiten Axpes an, in denen die Künstlerin Motive wie die des Freiheitskämpfers (ihres baskischen Vaters), der Diktaturvergangenheit Argentiniens sowie der Geisteskrankheit und Internierung ihrer Mutter behandelt hat. Diese biographischen Ansätze stehen nur scheinbar im Gegensatz zur gegenwärtigen Beschäftigung mit kollektiv akzeptierten Klischees und stereotypen Frauenbildern. Die Auseinandersetzung mit Macht und Berechnung, mit Persönlichkeitsspaltung und Verdoppelungen ist geblieben, wenn auch im Rahmen der scheinbar rein imaginären Glitzerwelt von ¡No Firmo!. Die mehrfachen Verflechtungen von Schauspielerin/Künstlerin und die damit einhergehenden Themen von Personenkult und Selbstinszenierung machen mögliche Parallelen zwischen Glamour- und Kunstwelt sichtbar. Hinter der Abgedroschenheit von Axpes Inszenierungen lassen sich pointierte gesellschaftspolitische Überlegungen entdecken. Die subversive Verwendung von Rollenmustern und Identitätswechseln verleiht ihrer Kunst zudem höchste Aktualität. Nie war es einfacher, sich verschiedenste Identitäten anzueignen als in unserem virtuellen Zeitalter. Katharina Ammann |
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