| 14. September bis 3. November Von Holbein bis Oppenheim. Meisterwerke aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn. |
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| Die Veranstaltungen zum 100-Jahr-Jubiläum des Kunstmuseums Solothurn finden mit der Neupräsentation unserer Gemälde- und Skulpturensammlung ihren Abschluss. Trotz einer grundsätzlichen Respektierung der Chronologie wurde der Versuch unternommen, den traditionellen Gänsemarsch der Kunstgeschichte anhand wiederkehrender Themen oder vergleichbarer Stilhaltungen punktuell zu durchbrechen. Dieses Prinzip zeigt sich schon im ersten Saal des Ersten Stockes, wo die Christus-Darstellungen des Mittelalters und der Renaissance denjenigen von Georges Rouault begegnen. Im nächsten Raum spiegelt die Dialektik der Hängung dagegen unterschiedliche Haltungen in derselben Zeit- und Stilperiode, also sozusagen die Gleichzeitigkeit des Anderen: Frank Buchsers strahlende Bilder aus Amerika und Marokko treffen dabei auf Frölichers verhaltene Alpen-Landschaften und melancholische Paysages intimes. Am krassen Nebeneinander zeigt sich die Bedeutung des Künstlercharakters, der das Schaffen ebenso nachhaltig prägt wie der jeweilige Zeitstil. Die beiden Meisterwerke von Ferdinand Hodler und Gustav Klimt, die im dritten Saal nebeneinanderhängen, beziehen sich zwar auf ganz unterschiedliche Welten, hier auf die mondäne Dekadenz der Grossstadt Wien, dort auf den nüchternen Geist des Schweizer Bürgertums, doch sind beide Bilder von derselben Ästhetik des Jugenstils bestimmt, mit seiner Eleganz der Linien und den raffinierten Kompositionen. Wie sehr der Schweizer Jugendstil ansonsten vom Lob des Bauernstandes und der nationalen Mythen lebt, zeigen Cuno Amiets Richesse du soir und Hodlers Wilhelm Tell. Die anschliessende Salle carée widmet sich mit Hodlers berührenden Darstellungen von Valentine Godé-Darel und seiner ersten Frau Augustine Dupin dem zentralen Thema von Werden und Vergehen. Unter dieses können auch die späten Landschaften von Hodler und Félix Vallotton sowie das Vanitas-Bild von Paul Cézanne gestellt werden. Der Kopf von Markus Raetz, der die genaue Mitte des Raumes hält, thematisiert wie die Bilder des Saales den steten Wandel. Beim Umschreiten der Skulptur kommt es zur kontinuierlichen Umkehr des jeweils sichtbaren Profils. Während Giacomettis Femme à lépaule cassé an die allgemeine Fragilität des Menschen erinnert, öffnet Hodlers Monumentalbild Blick in die Unendlichkeit eine transzendentale Perspektive. In gewisser Weise kann Michael Bibersteins mehrteiliger Large 4-Step Attractor, der den folgenden grössten Oberlichtsaal fast kulissenhaft abschliesst, als Entgegnung auf den Themenkreis von Existenz und Transzendenz verstanden werden. Die vorangehenden Jugendstil-Landschaften von Albert Trachsel und Alexandre Perrier, von Vallotton und Giovanni Giacometti zeigen eine vergleichbare Nähe zur Esoterik oder in der Übernahme der Flächenformen des Japonismus zu fernöstlicher Ästhetik. Während damit die Jugendstil-Klammer zwischen Klimts Symbolismus und Trachsels geistigen Abstraktionen gleichsam geschlossen wird, ist der restliche Raum des Oberlichtsaals verschiedenen expressiven Tendenzen vorbehalten. Es begegnen sich nähere und entferntere Verwandte wie Vincent Van Gogh und Amiet, Hans Berger und Max Gubler. Der kleine Eckraum beschränkt sich weitgehend auf Beispiele des Kubismus. Die Bilder des Solothurner Malers Otto Morach können sich dabei problemlos neben denjenigen seiner internationalen Vorbilder Fernand Léger, Georges Braque oder Juan Gris behaupten. In dieser Umgebung zeigt sich selbst der späte Rote Kopf von Meret Oppenheim von seiner kubistischen Seite. Mit zwei Bildern sowie der berühmten Ur-Venus bestimmt Meret Oppenheim auch den letzten Raum des Ersten Stockes. Und mit Meisterwerken von René Magritte, Otto Tschumi und Friedrich Kuhn sind weitere Künstler des Surrealismus vertreten. Als Gegengewicht treten zwei Hauptwerke von Daniel Spoerri auf. Der nouveau réaliste, der die Gegenstände seines Alltags fixiert und damit in verblüffender Weise an die Tradition der Vanitas-Bilder anknüpft, begegnet dem grossen Realisten des Existentialismus, Alberto Giacometti. Seine zwei Figurenbilder zeugen von der Intensität, mit der er die menschliche Existenz zu ergründen suchte. Zwei weitere Skulpturen, ein konstruktivistisches Frühwerk von Dieter Roth, und eine organische Eisenskulptur von Robert Müller, betonen nochmals die Spannung, mit der sich die Exponate dieser Neuhängung gegenseitig beleben sollen: Während sich Müllers sinnlicher Lockvogel mit Oppenheims Ur-Venus verschwistert, ist Roths frühe Geometrie von einer fast klassisch-schönen Reinheit, wie sie in unserer Sammlung nur selten auftritt. Bleibt die Hängung im Ersten Stock auch nach Ausstellungsende als permanente Sammlung bestehen, werden die Parterre-Säle wieder für Wechselausstellungen genutzt. Für die sieben Wochen unserer Jubiläumsausstellung aber ist hier zur Hauptsache unsere reiche und wohl beste Sammlung von Schweizer Skulpturen nach 1945 zu sehen, mit Meisterwerken von Jean Tinguely und Bernhard Luginbühl, Robert Müller, Oscar Wiggli und Jean Mauboulès, René Zäch und Roman Signer. Zeitgenössische Positionen der Malerei werden mit Werken von Peter Wüthrich und Albrecht Schnyder vermittelt. Und mit Silvie Defraouis Video-Installation Bruits de surface sind auch die neuen Medien vertreten. Wie in den Sälen des Ersten Stockes wird zudem der Versuch unternommen, übergreifende inhaltliche und stilistische Bezüge zu zeigen. In einem der Nordsäle finden sich schliesslich Pläne und Modelle, die in den letzten Monaten von einer Studentengruppe der Hochschule für Technik und Architektur Burgdorf für einen möglichen Annexbau des Kunstmuseums Solothurn erstellt wurden. Bei den vier verschiedenen Projekten handelt es sich um Machbarkeitsstudien, die eine öffentliche Diskussion anregen sollen. Die Ausstellung Von Holbein bis Oppenheim. Meisterwerke aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn wird begleitet von einem reichen Veranstaltungsprogramm: Dazu gehören zwei Podiumsdiskussionen zum geplanten Annexbau (18. September, 19 Uhr) sowie zum privaten und öffentlichen Sammeln (28. Oktober, 19 Uhr). Der Kunstverein Solothurn schenkt dem Kunstmuseum Solothurn zum 100. Geburtstag zudem eine ungewöhnliche, von Christoph Lichtin organisierte fünfteilige Vortragsreihe, in der für einmal nicht Kunsthistoriker, sondern Wissenschaftler anderer Disziplinen zu ausgesuchten Werken der Sammlung sprechen werden (19./ 26.September, 24./ 1. Oktober, 7. November, jeweils um 19 30 Uhr). Zu den verschiedenen Veranstaltungen sind detaillierte Programme erschienen. Last but not least: Für unsere Gäste der Altersgruppe 5 bis 10 Jahre ist soeben der Kinderkatalog Der violette Hut über die Sammlung des Kunstmuseums Solothurn erschienen (Fr. 8.). Er wurde von unserer Museumspädagogin Barbara Küng konzipiert und von Domo Löw illustriert. Das Mal-, Schreib- und Leseheft begleitet die Kinder auf ihren Gängen durchs Museum und ermöglicht vielerlei spielerische Aktivitäten. Christoph Vögele |
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| Gustav Klimt. Goldfische (An meine Kritiker). 1901-1902 |
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