18. Januar bis 16. März 2003
Parterre Ost
Marie-Theres Amici
Wasserfall. 2002
Oel auf Baumwolle, 200 x 186 cm
Im Zentrum der Ausstellung von Marie-Theres Amici (* 1943) stehen Bilder und Zeichnungen der letzten sechs Jahre. Die seltene Konsequenz und die Aktualität ihres malerischen Schaffens haben diese erste Einzelausstellung in einem Museum motiviert. Gleichzeitig trägt das Kunstmuseum Solothurn damit zur Förderung von Kunstschaffenden aus der eigenen Region bei, hat Marie-Theres Amici, die seit vielen Jahren in Luzern lebt und eng mit der dortigen Kunstszene verbunden ist, doch ihre Jugendjahre in Solothurn verbracht.

Innerhalb der zeitgenössischen Malerei der Schweiz leistet Marie-Theres Amici einen ebenso wichtigen wie mutigen Beitrag. Bei den fortgesetzten Diskussionen über das Ende der Malerei widmet sie sich nicht nur mit Leidenschaft ihrem Medium, sondern erlaubt sich zudem ein gegenstandsgebundes Arbeiten, bei dem sie landschaftliche Eindrücke umsetzt. Es entstehen dabei alles andere als konventionelle Landschaften, denn es gelingt der Künstlerin, das direkte Erleben der Natur in einer ungemein sinnlichen und lebendigen Malerei auszudrücken. Dabei wird Marie-Theres Amici sowohl dem Bildgegenstand wie den künstlerischen Ansprüchen vollauf gerecht. Dieser scheinbare Widerspruch, sowohl der reflektierten Welt wie der Malerei an sich zu dienen, macht die Faszination ihres Schaffens aus. Es gründet in einer – heute als „veraltet“ empfundenen – Fähig-keit der Künstlerin zur Einfühlung, die nichts mit Sentimentalität, viel jedoch mit dem Erfassen des Wesenhaften und Wesentlichen zu tun hat.

Wenn Marie-Theres Amici ihre Bilder zum Motiv des fliessenden Wassers malt, so kann dies nur darum gelingen, weil sie über den Prozess der Einfühlung Formen und Mittel (er)findet, die dieses schwierige Sujet überhaupt erfassen können. Denn es scheint ein paradoxes Unterfangen, das Fliessen des Wassers mit der Form des in sich abgeschlossenen, statischen Einzelbildes darstellen zu wollen. Es sind die unzähligen Malschichten, das dichte Gefüge unterschiedlichster Strichlagen, die den unaufhörlichen Fluss der Wasserfälle suggerieren. Die Darstellungsweise des „all over“, das allseitige Beschneiden des Bildgegenstandes, unterstützt den Eindruck des Fliessens und Fallens, das unser Auge immer nur ausschnitthaft wahrnehmen kann. Die Kraft der Natur wird uns dadurch in nächste Nähe gerückt, und wir scheinen gleichsam mit allen Sinnen in das Geschehen einbezogen. Die Gestik des Malens entspricht der Kraft der Natur; in der Betrachtung von Marie-Theres Amicis Bildern ist beider Wirkung untrennbar miteinander verbunden: Die Malerei erinnert an Natur, die Natur an Malerei.

Im ersten Saal der Ausstellung werden die Wasserfallbilder der letzten Jahre aufeinander bezogen, zu einem einzigen mächtigen Rauschen. Der anschliessende zweite Saal fasst die zuvor entstandenen Landschaften zusammen, die sowohl inhaltlich wie stilistisch die neuesten Werke vorbereitet haben. Im letzten Saal schliesslich werden Marie-Theres Amicis gleichzeitigen Zeichnungen gezeigt. Dabei wird nicht nur sichtbar, wie sehr die Malerei vom Zeichnen geprägt ist, unterstrichen wird damit zugleich eine weitere Paradoxie: das zeichnende Malen. Selbst für ihre grössten Formate verwendet die Künstlerin kleine Pinsel. So erinnern ihre Ölbilder denn nicht selten an die Unmittelbarkeit und Frische von Kreidezeichnungen. Mit dem vielfachen Brechen konventioneller Mal-Vorstellungen gelangt Marie-Theres Amici zu einer überzeugenden Form zeitgenössischer Malerei.


Das Buch zur Ausstellung:
Marie-Theres Amici
Mit Aufsätzen von Peter Fischer und Christoph Vögele
56 Seiten, 26 Farbabbildungen
Fr. 30.-


Öffentliche Führungen
in Anwesenheit der Künstlerin:
Sonntag, 16. Februar, 11 Uhr
Sonntag, 9. März, 11 Uhr