| 19. Juli bis 19. Oktober 2003 Graphisches Kabinett Vom Idyll zum Ornament Landschaftsdarstellungen vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert aus den Beständen der Graphischen Sammlung |
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| Oskar Tröndle, Landschaft, um 1910, Aquarell, 13 x 61 cm |
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| In der Graphischen Sammlung des Kunstmuseums Solothurn finden sich Meisterwerke der Landschaftsdarstellung vom Klassizismus des ausgehenden 18. Jahrhunderts über die Romantik und den malerischen Realismus des 19. Jahrhunderts bis hin zu Werken des Jugendstils und der frühen Moderne. Die Dichte des Sammlungs-Segments Landschaft erlaubt es, in einer thematischen Ausstellung mit rund 90 Exponaten Ölskizzen, Aquarellen, Zeichnungen und druckgraphischen Blättern den wechselnden Geist der Naturbetrachtung in der ganzen Bandbreite zu zeigen. Der Ausstellungstitel Vom Idyll zum Ornament unterstreicht die unterschiedlichen Haltungen, mit denen die Künstler der Landschaft begegnen. Oftmals sagen ihre Werke über die zeitspezifische Motivation der Naturbetrachtung denn auch ebensoviel aus wie über das eigentliche Motiv. Das Bild, das sich die Künstler von ihrer Landschaft machen, ist ein Spiegel der jeweiligen Epoche und ihrer Bedürfnisse: Aus der wechselnden Art, die Welt anzuschauen, kann die jeweilige Weltanschauung abgelesen werden. Wird die Natur im ausgehenden 18. Jahrhundert zur Idylle stilisiert, benutzen sie die Künstler des Jugendstils v.a. als Anregung für ihre ornamentalen Kompositionen. Auch innerhalb des 19. Jahrhunderts zeigen sich unterschiedliche Zugänge: Während sich manche Künstler bemühen, mit realistischer Redlichkeit das Gesehene so genau wie möglich wiederzugeben, erlauben sich andere, durch das Walten der Naturkräfte angeregt, ein expressiveres Gestalten. Die frühesten Exponate stammen von Laurent Louis Midart (1733?-1800). Der aus Lothringen stammende Maler, Kupferstecher und Kartograf kam 1772 in die Ambassadorenstadt Solothurn, wo er insgesamt 28 Jahre verbrachte. Als Höhepunkt seines Schaffens können Midarts grossformatige Aquarelle der Solothurner Verena-Schlucht betrachtet werden. Die den Werken zugrunde liegenden Federzeichnungen verraten in ihrer stilisierenden Vereinfachung den geübten Stecher. Die Natur, die uns mit jedem einzelnen Blättlein ebenso liebvoll wie scharf vor Augen geführt wird, ist gleichsam gezähmt, zur Idylle kultiviert. Das Schaffen des Zeichners und Aquarellisten Franz Graff (1803-1859), einem Schüler des Berner Kleinmeisters Gabriel Lory (père), vertritt dagegen bereits ein romantisches Naturbild, das sich in der Kunst des frühen 19. Jahrhunderts in ganz Europa, v.a. aber in Deutschland, etwa in den Landschaften von Caspar David Friedrich, ausdrückt. Die Betrachtung der Natur verbindet sich mit pantheistischen Vorstellungen. Mit dem Erleben natürlicher Erscheinungen geht das Erfahren des Göttlichen einher. Die besonders beliebten Gipfelsichten, die bei Graff etwa auf Darstellungen vom Weissenstein vorkommen, spiegeln darum nicht nur die damaligen Bedürfnisse des frühen Tourismus, sondern zugleich den weitverbreiteten Wunsch nach romantischer Wanderschaft und himmlischer Erhabenheit. Die Werke von Otto Frölicher (1840-1890), der als einer der Schweizer Hauptvertreter der paysage intime gilt, sind zwar noch von ähnlichen Stimmungen getragen, doch zeigt sich beim Realisten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun vermehrt auch ein Interesse für das Malen an sich, das in erstaunlich abstrakten Darstellungen sichtbar wird. Der gebürtige Solothurner verbrachte fast sein ganzes Leben in München; die unspektakulären Motive der bayerischen Hochebene bestimmten seine Bildwelt. Im Vergleich zu vielen seiner sorgfältig erarbeiteten Grossformaten finden sich unter seinen Ölskizzen eigentliche Würfe. Auffallend ist die Vorliebe für Licht- und Wolkenstimmungen. Nicht von ungefähr wurde der Maler von seinen Kollegen Himmel-Frölicher genannt. Mit den Landschaften von Albert Trachsel (1863-1929) und Oskar Tröndle (1883-1945) ist das frühe 20. Jahrhundert vertreten. Trachsels Bergmotive beziehen sich zwar auf die gesehene Alpenheit, doch wird in ihnen der esoterische Geist der Jahrhundertwende spürbar. Wie sein Freund Ferdinand Hodler ist Trachsel ein Vertreter des Symbolismus, der die äussere Form der Erscheinungen auf eine innere Gedankenwelt bezieht. Das Motiv wird zur Metapher. Tröndle dagegen ein typischer Vertreter der Linienkunst des Jugendstils markiert bereits den Übergang zur Moderne. Mit seiner formalen und inhaltlichen Verdichtung, einer Erfassung des inneren Wesens durch die Beschränkung auf das Wesentliche, gelangt er bis hin zur abstrakten Form des Ornaments. Christoph Vögele |
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