29. November 2003 bis 29. Februar 2004

Sigismund Righini
Ein Maler zwischen Jugendstil und Moderne

Im Vergleich mit Werken von Cuno Amiet, Ernest Biéler, Fritz Boscovits, Max Buri, Hans Emmenegger, Giovanni Giacometti, Ferdinand Hodler, Giovanni Segantini, Oskar Tröndle, Félix Vallotton, Abert Welti und Ernst Würtenberger
Sigismund Righini, Kirschen auf Rot. 1909
Öl auf Karton, 39 x 53 cm, Kunstmuseum Solothurn

Der Zürcher Maler, Zeichner und Kunstpolitiker Sigismund Righini (1870-1937) ist eine der einflussreichsten Figuren der Schweizer Kunst um 1900. Das Kunstmuseum Solothurn besitzt zwei bedeutende Bilder des Künstlers und widmete ihm 1992 bereits eine Zeichnungs-Ausstellung. Righinis Farbstift-Zeichnungen standen auch im Zentrum von zwei Ausstellungen im Kunsthaus Zürich (1987/88) und im Museo Cantonale d'Arte Lugano (1989).

Nun wird – nach der letzten Übersichtsausstellung im Kunsthaus Zürich von 1962 – erstmals wieder ein Blick auf das Gesamtwerk mit Ölbildern und Arbeiten auf Papier ermöglicht. Dabei werden Righinis Werke im Kontext des gleichzeitigen Schaffens von Ferdinand Hodler, Max Buri, Hans Emmenegger, Cuno Amiet, Giovanni Giacometti, Félix Vallotton, Ernest Bièler u.a. gezeigt, um neben der Verwandtschaft mit seinen Weggefährten auch die Eigenart und herausragende Qualität von Righinis Kunst zu betonen. Mit vielen dieser Künstler stellte er kurz nach der Jahrhundertwende gemeinsam aus und engagierte sich für ihr Schaffen auch als Kunstpolitiker: ab 1899 in der Ausstellungskommission der Zürcher Kunstgesellschaft, ab 1904 als Präsident in der Zürcher Sektion der Gesellschaft für Maler, Bildhauer und Architekten (GSMBA), ab 1916 in der Eidgenössischen Kunstkommission, ab 1921 schliesslich als Zentralpräsident der GSMBA.

Dieselbe Energie, mit der sich Righini als Kunstpolitiker für die Schweizer Malerei einsetzte, wird auch in seinem künstlerischen Schaffen spürbar. Mutig und entschieden baute er seit Anbeginn seines Schaffens in den 1890er Jahren auf die Kraft einfacher Kompositionen und leuchtender Farben. Verstärken diese vorerst – im Zeitalter des Symbolismus – inhaltliche und emotionale Belange, werden sie später in ihrem Eigenwert erkannt. Am reinen, leuchtenden Kolorit, nicht selten in zusammenhängenden einfarbigen Flächen aufgetragen, zeichnet sich Righinis Schritt in die Moderne ab. Er gehört neben Amiet und Giovanni Giacometti zu ihren eigentlichen Wegbereitern in der Schweiz. Seine bis heute unterschätzten Verdienste sollen mit unserer Ausstellung unterstrichen werden.

Sigismund Righini beschränkte sich in seinem Schaffen auf wenige Motive, die er im Verlaufe seines Schaffens konsequent ausschöpfte. In der Ausstellung werden die betreffenden Bilder zu spezifischen Gruppen zusammengeführt und mit Beispielen seiner Schweizer Künstlerkollegen ergänzt.
Ungewöhnlich gross ist die Zahl der Selbstporträts und Gruppenbildnisse. Seine sehr häufig auftretenden Familienbildnisse bilden innerhalb der Schweizer Malerei um 1900 einen Solitär. Mehrfigurenbilder treten bei Righini in verschiedenen Schaffensphasen auf; interessant sind diesbezügliche Vergleiche mit Max Buri.
Bei Righins Interesse für rein künstlerische, sprich abstrakte Fragen der Farbe und Komposition erstaunt die Häufung der Stillleben nicht. Früchte, Blumen, Objekte sind nicht mehr als Sinn- , sondern als Farbträger gefragt. Das leuchtende Rot von Erdbeeren oder Kirschen, das strahlende Gelb von Ranunkeln, die differenzierten Weisstöne einer gedeckten Tafel sind der eigentliche und einzige Malanlass. Die zuweilen fast monochromen Darstellungen finden punktuelle Entsprechungen bei Cuno Amiet.

Bei Righinis Landschaften, die auf seinen Reisen oder in seiner nächsten Umgebung entstehen, geht der Maler von der Farbe als Stimmungsträger aus und schenkt Licht und Atmosphäre besondere Aufmerksamkeit. Die zumeist kleinformatigen Bilder sind trotz ihrer Frische verhaltener als die Stilleben. Bevorzugt werden Zwielicht, Dämmerung und Nacht.
Diese Ölskizzen werden mit Righinis bedeutenden Farbstiftzeichnungen kombiniert, von denen auch für diese Ausstellung nochmals die schönsten Blätter aus Museumsbesitz sowie einige nie gezeigte aus dem Nachlass ausgebreitet werden. Hier wie dort fasziniert die Farbe als Trägerin von Licht und Stimmung. Righinis Zeichnungen, die der Künstler ohne Unterlass in seine Skizzenbücher setzte, sind weit mehr als virtuose Fingerübungen oder Erinnerungsstützen, sie bilden als in sich geschlossene Gruppe auch ein eigentliches Alterswerk.

Mit Sigismund Righinis Schaffen und seinem Kontext lässt sich die enge Verbindung von Jugendstil und Moderne exemplarisch aufzeigen. Damit wird zugleich eines der spannendsten und fruchtbarsten Kapitel der Schweizer Kunstgeschichte aufgeschlagen.
Die Ausstellung wird rund 100 Werke umfassen und neben Kunstwerken auch Dokumentationsmaterial zu Righinis Engagement als Kunstpolitiker und Ausstellungskurator einschliessen. Die Leihgaben stammen sowohl aus privaten wie öffentlichen Sammlungen. Hauptleihgeberin ist die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, Winterthur, deren Entgegenkommen diese Ausstellung erst ermöglichte.
Als Katalog wird die bis heute gültige Monografie von Rudolf Koella (Sigismund Righini. Maler, Zeichner, Kunstpolitiker, Zürich: Offizin: 1993) übernommen.


Christoph Vögele




Öffentliche Führungen:

Sonntag, 14. Dezember 2003, 11 Uhr
Sonntag; 11. Januar 2004, 11 Uhr


Spezialveranstaltung:
Mittwoch, 14. Januar 2004, 18.30 Uhr
Vortrag von Dr. Rudolf Koella:
«Sigismund Righini zwischen Kunst und Politik»
In Zuammenarbeit mit der Töpfergesellschaft Solothurn