17. Januar bis 12. April 2004

Wahre Freude ist eine ernste Sache
Ankäufe und Schenkungen 1998 bis 2003:
Eine Auswahl
Die Sammlung des Kunstmuseums Solothurn ist in den vergangenen Jahren markant gewachsen. Von 1998 bis 2003 sind über 500 Neueingänge zu verzeichnen. Dies ist neben regelmässigen Ankäufen, die mit dem ordentlichen Budget und dank den Mitgliederbeiträgen der „Freunde des Kunstmuseums Solothurn“ möglich waren, vor allem grosszügigen Donationen zu verdanken. Herausragend ist eine 2001 erfolgte Schenkung, u.a. mit Meisterwerken von Alberto Giacometti, Meret Oppenheim und Otto Tschumi. Sie stammen aus der Sammlung einer nicht genannt sein wollenden Persönlichkeit, deren Wahlspruch – ein Ovid-Zitat – als Titel unserer Accrochage dient. Die Ausstellung möchte zugleich ein Bild der Sammeltätigkeit seit dem Konservatorenwechsel von 1998 vermitteln, in der die Bereiche der Videokunst, der Fotografie und Installation neu hinzugekommen sind. Mit dem Erwerb dreidimensionaler Arbeiten wurde in den letzten Jahren aber auch das seit langem gepflegte Sammlungsfeld der Schweizer Skulptur mit Werken von Hugo Suter, Felix Stephan Huber, Roman Signer oder René Zäch kontinuierlich erweitert. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums übergaben uns der Kunstverein Solothurn zudem ein Objekt von Roman Signer, der Kanton Solothurn eine grosse Skulptur von Jean Mauboulès.
Zu unseren grosszügigsten Donatoren gehörte der kürzlich verstorbene Künstler Robert Müller (1920-2003), der uns in den Jahren 1998 und 1999 noch zwei grosse Konvolute von 131 Zeichnungen und 68 Druckgrafiken übergeben hat. Als Hommage an Robert Müller zeigen wir im Nordwestsaal des Ersten Stockes eine Accrochage mit Skulpturen und Zeichnungen.
Die Ausstellung Wahre Freude ist eine ernste Sache erstreckt sich über vier Parterre-Säle sowie das ganze Graphische Kabinett. Obwohl es unmöglich war, sämtliche Eingänge zu zeigen, wurden doch alle Epochen und Medien gebührend berücksichtigt, um einen breiten Einblick vermitteln zu können. Sinnliche Direktheit, Melancholie und Nachdenklichkeit bestimmen sowohl den Surrealismus von Meret Oppenheim und Otto Tschumi als auch die existentielle Bildwelt von Louis Soutter, Gian Pedretti und Alberto Giacometti, der mit der eindrucksvollen Skulptur Femme à l’épaule cassée (1958/59), zwei Bildern und drei Zeichnungen neu in unserer Sammlung vertreten ist.
Die Verbindung von Ernst und Freude, welche die erwähnte Donation ausmacht, charakterisiert in vieler Hinsicht auch die Neuankäufe zeitgenössischer Kunst: Die Videoinstallation Bruits de surface (1995) der Genfer Videokünstlerin Silvie Defraoui befasst sich mit Erinnerung und Abschied; die grosse Skulptur Verdunsten (1975/2003) von Roman Signer – eine Sandbahn, auf der ein Behälter mit verdunstendem Wasser durch den Zug eines Gummibands sukzessive vorwärts rückt und eine «Lebensspur» hinterlässt – ist eine Metapher für den Lauf des Lebens; die vierteilige Werkgruppe von Ian Anüll schliesslich, in der menschliche und materielle Werte pointiert aufeinander bezogen werden, steht für eine kritische und engagierte Haltung.
Als zusammenhängende Gruppe sind zudem verschiedene Positionen der zeitgenössischen Malerei erkennbar. Neben Werken von Albrecht Schnyder, Uwe Wittwer und Jean Pfaff sind die Arbeiten von Peter Wüthrich zu nennen, vor allem sein Literarisches Aquarell (2000), eine raumgreifende Bodenarbeit von leuchtend roten Büchern. Auch hier bleibt es nicht beim sinnlichen Reiz, unterstreicht die additive Aufreihung der Bücher aus dem Brockenhaus doch Zeit und Zeitlichkeit.
Der Ankauf älterer Kunst ist nur noch in Ausnahmefällen möglich. Mit einer Landschaft von Alexandre Perrier und Max Buris Meisterwerk Siesta (1907-1910), das dank der Mithilfe der Gottfried-Keller-Stiftung gekauft werden konnte, hat unser Sammlungsschwerpunkt Jugendstil zwei neue Glanzpunkte erhalten. Alle anderen Eingänge sind Schenkungen aus Privatbesitz: Ein Bild der Ribera-Schule sowie ein Werk von Léon Spilliaert wurden uns von der Rolf und Margit Weinberg Stiftung übergeben, Ferdinand Hodlers Hofstatt mit Apfelbäumen (1897) schenkte uns Prof. Dr. Urs W. Schnyder. Weitere Donationen betreffen u.a. Werke von Frank Buchser, Cuno Amiet und Ernst Morgenthaler.
Besonders umfangreich sind schliesslich die Neueingänge von Arbeiten auf Papier: Grössere Gruppen stammen u.a. von Oskar Tröndle, Rosa Wiggli, Ruth Kruysse, Franz Eggenschwiler, Martin Disler, Markus Raetz, André Thomkins, Roman Signer, Jean Mauboulès, René Zäch und Mario Sala.


Christoph Vögele






Vernissage
Samstag, 17. Januar, 17 Uhr
Einführung: Christoph Vögele

Öffentliche Führungen
Sonntag, 22. Februar, 11 Uhr
Sonntag, 14. März, 11 Uhr