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20. März bis 24. Mai 2004
Jürg Hugentobler. Arbeiten 1998-2004 |
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| Der in Solothurn lebende Künstler Jürg Hugentobler (*1955) beschäftigt sich konsequent mit Fragen des Raumes, mit Fiktion und Realität, Konstruktion und Dekonstruktion. Sein Schaffen wurde u.a. 1996 in der Konsumbäckerei Solothurn, 1999 im Kaskadenkondensator Basel und 2003 im Kunstraum Kreuzlingen präsentiert. Nachdem Hugentobler 2001 in der Ausstellung Analog/Dialog. Plan, Modell und Bühne in der zeitgenössischen Kunst in Moutier und Solothurn vertreten war, widmet ihm das Kunstmuseum Solothurn nun die erste Einzelausstellung in einem Museum. Gezeigt werden Arbeiten der Jahre 1998-2004, eine Auswahl seiner Fotografien und Objekte sowie zwei eigens für die Ausstellung konzipierte neue Installationen. Bei Hugentoblers Interesse für Raum und Architektur ist es nicht erstaunlich, dass er seine Exponate zu einer stimmungsvollen Gesamtschau zusammenzieht, in der sich die spezifischen Raumverhältnisse der Museumssäle mit den gleitenden Dimensionen seiner Werke zwischen Bild, Relief und Objekt verbinden. Trotz einer durchwegs klaren architektonischen Formensprache herrscht der Eindruck des Fragilen vor, der auch von den häufig verwendeten Materialien Styropor, Karton und Sperrholz ausgeht. Die Ausstellung erstreckt sich über drei Säle. Im ersten Saal hat Hugentobler die raumgreifende Installation Architektur mit acht Häusern (2004) aufgebaut, die aus Sperrholzwänden und halbhohen Holzobjekten besteht. Sie teilen und strukturieren den vorhandenen Raum in allen Dimensionen. Die sich wie ein Labyrinth öffnende und schliessende Installation erinnert zum einen an eine Stadtlandschaft, zum andern an eine Abfolge von Innenräumen und Möbeln. Diese Perspektiven-Wechsel sind bewusst angelegt: Können wir manche Elemente als Modelle verstehen, fassen wir andere als betretbare Behausungen im Massstab 1:1 auf. Dadurch werden unsere Vorstellungen von Innen- und Aussenräumen in einem labilen Gleichgewicht gehalten und Gefühle der Ort- und Haltlosigkeit evoziert. Aus welcher Perspektive wir Hugentoblers Welten auch betrachten, wir können uns nur kurz in ihnen einrichten: Die Illusion wird kontinuierlich gebrochen, fliessend, fast traumhaft gelangen wir vom einen zum andern. Vorherrschend ist der Eindruck des Vorläufigen; der Museumssaal wird zur Werkstatt oder Lagerhalle. Motiviert wird ein dynamischer und assoziativer Umgang mit dem Gegebenen, der das Publikum seine eigenen, erinnerten Räume realisieren lässt. Als stimmige Ergänzung zeigt Hugentobler im selben Saal Schwarz-Weiss-Fotografien von Innenräumen, die der Künstler aus Styropor-Elementen gebildet hat. Wesentlich ist ihre bühnenhafte Beleuchtung, die den erfundenen Orten eine ungemeine Präsenz und Intensität verleiht. Im zweiten Saal werden u.a. eine Auswahl von Hugentoblers Objekten sowie zwei seiner neuesten Farbfotografien ausgestellt, die sich aufgrund der Leuchtkraft der Farben zunehmend der Malerei annähern. In der Installation Zwei gleiche Räume (2004) zeigen wir nochmals Hugentoblers Super 8-Film Raumerweiterung, der 2001 zu den Glanzpunkten der Ausstellung Analog-Dialog gehörte. In einem Endlos-Loop wird das fortgesetzte Konstruieren und Dekonstruieren eines Modellraums vorgeführt. Dabei weicht die anfängliche Mitspiel-Freude einem beklemmenden Gefühl der Boden- und Ausweglosigkeit. Der dritte Saal ist schliesslich einer einzigen Arbeit gewidmet. Als Licht-Skulpturen begegnen uns zwei Wohnblöcke. Dabei handelt es sich um Filmprojektionen einfacher Fassaden, die der Künstler auf dreidimensionale Sperrholz-Gehäuse wirft. Die seltsame Formung der dreidimensionalen Modelle folgt den perspektivischen Verkürzungen der zweidimensionalen Projektion. Durch die unauflösbare Spannung zwischen illusionistischem und realem Körper stellt sich eine anhaltende Irritation ein. Ebenso bemerkenswert wie Hugentoblers Umgang mit Fragen des Raumes ist sein Thematisieren der Zeit. Glauben wir die Projektion vorerst als Standbild wahrzunehmen, realisieren wir erst etwas später, dass ein filmischer Ablauf gezeigt wird. Unser Sehen wird dadurch als zeitliche Handlung fassbar. Zur Ausstellung erscheint im Zürcher Kunstverlag edition fink eine reich bebilderte Publikation (Fr. 36.), in der Jürg Hugentoblers Schaffen dokumentiert und in zwei Aufsätzen kommentiert wird. Christoph Vögele |
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