27. Mai bis 6. August 2006
Parterre West und Graphisches Kabinett

Retrospektive Rolf Spinnler

Dem Maler und Zeichner Rolf Spinnler (1927-2000) wird sechs Jahre nach seinem Tod eine retrospektive Ausstellung mit 120 Werken gewidmet. Waren noch zu Lebzeiten zwei grosse Präsentationen im Palais Besenval, Solothurn (1997) und der Abbatiale de Bellelay (1998) zu sehen, ist es nun an der Zeit, im Museum seines Geburtsortes Solothurn auf die nationale Bedeutung des Schaffens hinzuweisen. Zwar wurde Spinnlers Talent früh erkannt – 1960, 1962 und 1963 erhielt er das Eidgenössische Stipendium – doch blieb seine Bekanntheit v.a. auf Solothurn und seinen späteren Wohnort Biel beschränkt. Mit seinem Frühwerk der 50er und 60er Jahre aber leistet er einen gewichtigen Beitrag zur gegenständlichen Kunst der Nachkriegszeit. In seinen eindrucksvollen Landschaften und einfühlsamen Porträts überwiegt der expressive Ausdruck, der dem damaligen existentialistischen Weltbild entspricht. Als Vorbilder sind in manchen Werken Georges Rouault und Chaim Soutine, in andern Alberto Giacometti spürbar. Auf diesen lassen sich vor allem die Bleistiftzeichnungen beziehen. Manche seiner Malereien, v.a. einige Porträts, lassen an die Kunst von Varlin denken, einige der frühen monochromen Stillleben an Giorgio Morandi.

Die grosse Ausstellung erstreckt sich über sieben Säle und umfasst Werke von den 50er bis zu den 90er Jahren. Obwohl das Schwergewicht beim bedeutenden Frühwerk liegt, lässt sich die künstlerische Entwicklung bis hin zum nahezu abstrakten Spätwerk verfolgen. Rolf Spinnler gehört zweifellos zu den grossen Zeichnern unseres Landes. Was er auf Papier, mit Kohle und Bleistift, zuweilen mit Farbstift und Tusche geschaffen hat, ist von eindrucksvoller Qualität und berührender Tiefe. Es gelingt ihm, Mensch und Landschaft in einem feinnervigen Netz von Linien, Schraffuren und Gespinsten zu umkreisen und letztlich ganz präzis zu erfassen. Damit geht eine Beseelung einher, die von einem intensiven Austausch spricht, der sowohl dem Künstler wie seinem Motiv gerecht wird. Immer ist es die besondere Energie, die sich über die Linie auf das Kunstwerk, letztlich aber auch auf die Betrachterinnen und Betrachter überträgt. Ein unbeteiligtes Abseitsstehen ist bei Spinnlers Kunst nicht möglich.
Dem Prinzip des Zeichnerischen begegnen wir nicht nur bei seinen Blättern, sondern auch bei seiner Malerei. Hier aber kommt noch ein untrüglicher Sinn für eine differenzierte Farbpalette dazu, die seiner Kunst viel Stimmung und Atmosphäre verleiht. Bemerkenswert sind etwa seine Aquarelle, in denen er Blumen und Landschaften meisterhaft verdichtet. Rolf Spinnler, der ein grosser Kenner der Kunstgeschichte (aber auch der Literatur und Musik) war, widmete sich in seinem Schaffen den klassischen Gattungen der Malerei – Porträt, Landschaft, Stillleben – und führte sie, auch in einer Zeit als sich andere längst der Ungegenständlichkeit verschrieben, in glaubwürdiger Form fort. Da er seinem Gegenüber innerlich verpflichtet blieb und daraus Energie und Anregung schöpfte, wäre für Spinnler eine Hinwendung zur reinen Ungegenständlichkeit unmöglich gewesen.

Nach ausgedehnten Recherchen wurde aus dem Nachlass, aus verschiedenen privaten und öffentlichen Sammlungen das Beste ausgesucht, um dem bedeutenden Schaffen die lang verdiente Anerkennung nun auch über die Region hinaus zu ermöglichen.
Die Ausstellung wird begleitet von einem reich illustrierten Buch (Kehrer-Verlag Heidelberg) mit Texten von Peter Bichsel, Annelise Zwez und Christoph Vögele.

Christoph Vögele



Öffentliche Führungen
Sonntag, 11. Juni und Sonntag, 25. Juni,
jeweils um 11 Uhr


Spezialveranstaltung
Mittwoch, 7. Juni, 19 Uhr,
«Versuche über Rolf».
Ein Gespräch über Rolf Spinnler mit Peter Bichsel, Dorothe Freiburghaus, Roswitha Schild und Katrin Spinnler


Kunstkontakt
Sonntag, 2. Juli, 10.30-12.30
mit Regula Straumann, Museumspädagogin