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Mit Werken von Ian Anüll, Silvie Defraoui, Annatina Graf, Rolf Graf, Zeljka Marusic/ Andreas Helbling, Victorine Müller/ Franticek Klossner, Shahryar Nashat, Monica Studer/ Christoph van den Berg und Alexia Walther
Das Kunstmuseum Solothurn engagiert sich seit mehreren Jahren mit zahlreichen Ausstellungen und Ankäufen für Schweizer Videokunst und Neue Medien. Erstmals wird nun ein Überblick dieses wichtigen Sammlungs-Segmentes gezeigt.
Die Videokunst arbeitet seit ihren Anfängen in den sechziger Jahren mit der Suggestionskraft des bewegten Bildes. Licht und Ton bestimmen ihre wesentliche Ausstrahlung. Die Videopioniere orientierten sich weniger an der traditionellen bildenden Kunst, sondern bezogen sich eher auf die musikalische Avantgarde und die Performance. Das Moment der Inszenierung ist denn auch für die zeitgenössische Videokunst zentral. Einen wichtigen Referenzpunkt stellte die zunehmende Bilderflut des Fernsehens dar, deren Wirkungskraft auch kritisch wahrgenommen wurde. Videokünstler zielten auf subjektive Interpretationen der konventionellen TV-Bilder, die sie mit verschiedenen Mitteln störten und rezyklierten. In dieser Weise provozierten sie innovative Bildaussagen und entwickelten mit der Zeit eigene Bildsprachen. In Experimenten wurden die elektronischen Möglichkeiten ausgetestet. Daraus entstand eine grosse Vielfalt an Präsentationsformen (Videoinstallation, -skulptur, -projektion), die die heutigen Erscheinungsformen der Videokunst prägen und in ihrer Breite in der Sammlung des Kunstmuseums zum Ausdruck kommen.
Videoarbeiten besitzen aufgrund ihrer wechselnden Präsentationsformen eine unterschiedliche Präsenz im Raum. Grossformatige Projektionen wie die von Rolf Graf oder Shahryar Nashat haben kinematographische Wirkungskraft. Seit ihren Anfängen wurde die Videokunst vom Kino beeinflusst. Inzwischen scheint sie ihrerseits vermehrt im Kinofilm auf. Näher an der bildenden Kunst als beim Film liegt die Videoskulptur von Zeljka Marusic/ Andreas Helbling, in welcher der Monitor in eine Skulptur einbebaut ist. Auch bei Ian Anüll wird der Monitor als Bildmittel gleichzeitig zum Bildgegenstand und erhält dadurch eine skulpturale Präsenz im Raum.
Die Solothurner Videosammlung hat verschiedene thematische Schwerpunkte: Mehrere Arbeiten beschäftigen sich mit gesellschaftskritischen und politischen Inhalten, insbesondere die Werke von Ian Anüll, Sharyar Nashat und Silvie Defraoui. Ian Anüll deckt gesellschaftliche Zusammenhänge in der dritten Welt auf, indem er in einer Kartonschachtel ein Video einer Strassenkinderszene in Bangkok zeigt. Shahryar Nashat spürt seinen kulturellen Wurzeln im Iran nach und wendet dabei alle Mittel der künstlerischen Inszenierung an. Silvie Defraouis Arbeit Plis et replis schliesslich beschäftigt sich anhand von Zeitungsfotos mit der Frage, wie Gesellschaft und Individuum mit Bildern der kollektiven Erinnerung umgehen.
Dokumentarische Recherchen zu gesellschaftlichen Fragen finden sich in der Koproduktion von Victorine Müller und Franticek Klossner und der interaktiven Installation von Annatina Graf. Beide Arbeiten zeigen Interviews mit Menschen aus Solothurn, die ihre persönlichen Meinungen über ihre Stadt rsp. deren Kunstszene äussern. Die Befragungen sind quasi sozialwissenschaftlich angelegt, offenbaren jedoch auf den zweiten Blick ausgesprochen subjektive und atmosphärische Momente.
Natur und Künstlichkeit sind weitere Themen, die in den Videoarbeiten des Kunstmuseums Solothurn behandelt werden. Sie treten bei Alexia Walther, Rolf Graf, Monica Studer/ Christoph van den Berg und auch bei Zeljka Marusic/Andreas Helbling auf. In allen Arbeiten wird die Sinnlichkeit des Natürlichen durch die offensichtliche Illusion des Künstlichen gebrochen. Bei der interaktiven Computerarbeit Wiese von Studer/ van den Berg etwa zeigen sich die Fallmaschen der Illusion in der computergenerierten Konstruktion einer natürlichen Blumenwiese. Bei Marusic/ Helbling wird das Sehnsuchtsmotiv einer romantisch anmutenden Figur, die einsam auf das Meer hinausschaut, durch das krude Wegwerfmaterial der Skulptur unterlaufen, in die der Monitor eingebettet ist. Die in den Arbeiten von Studer/ van den Berg und Marusic/ Helbling angelegte existentielle Dimension kommt bei Alexia Walthers Totentanz am deutlichsten zum Ausdruck: Zu den triumphalen Klängen eines barocken Trauermarsches tanzt ein Hund neben seinem toten Meister.
Sabine Rusterholz
Anlässlich der Ausstellung erscheint zu Annatina Grafs Video-Installation die Publikation "Die Erinnerung als Lieblingsbild Videoinstallation Porträts (2005)". Mit einem Text von Christoph Vögele, www.edition.ch Edition Hirschkuh, Kleinlützel, 2006, Fr. 15.-
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