12. Mai bis 29. Juli 2007

Schang Hutter

Das Kunstmuseum Solothurn hat 1989 eine grosse Übersichtsausstellung des Bildhauers und Zeichners Schang Hutter (*1934) gezeigt, die vorher in Berlin (DDR), später auch im Centre Culturel Suisse Paris präsentiert wurde. Wenn Hutter im Museum seiner Heimatstadt Solothurn nach 18 Jahren erneut eine Ausstellung gewidmet ist, so soll damit vorerst ein Einblick in sein jüngstes Schaffen gegeben werden. Daneben bietet sich aber auch die reizvolle Möglichkeit, das heutige Schaffen mit dem Frühwerk der sechziger und siebziger Jahre zu vergleichen. Denn die ab 2002 entstehenden Köpfe in Gips und Holz lassen sich in mancher Hinsicht auf frühe Arbeiten des Künstlers beziehen, die seine Auseinandersetzung mit der klassischen Bildhauerei, v.a. mit Karl Geiser, reflektieren. So begegnen sich frühe Hauptwerke wie Benjamin (1964) und aktuelle Skulpturen. Neben ausgesuchten Arbeiten auf Papier aus dem Früh- und Spätwerk sind auch grössere Installationen der neunziger Jahre zu sehen wie Veitstanz (1992) oder Die Schlachtfeldbühne (1991). Das Nebeneinander von Werken, die über einen Zeitraum von 40 Jahren entstanden sind, zeigt die eindrucksvolle Konsequenz und Ausschliesslichkeit, mit der sich Hutter dem Thema des Menschen, seiner Fragilität und Gefährdung, aber auch seiner Würde zugewendet hat.

Die Ausstellung erstreckt sich über drei grosse Säle. Mit der Konzentration auf einen Parterre-Flügel wird bewusst auf einen retrospektiven Anspruch verzichtet, um sich stattdessen zwei anderen Anliegen zu widmen: der erhellenden Zusammenschau von Früh- und Spätwerk zum einen, der schwerpunktmässigen Präsentation von Arbeiten der letzten 15 Jahre zum andern. Schang Hutter möchte für seine jetzige Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn gleichsam dort fortfahren, wo seine letzte aufgehört hat. Mit Bezug auf seine heutigen Skulpturen gilt das besondere Augenmerk den Werken aus Holz.

Bei vielen von Hutters skulpturalen Werken fällt die Farbgebung auf. Von besonderer Bedeutung sind Rot- und Weisstöne, die mit viel Sorgfalt gesucht werden. Oftmals wendet der Künstler für die Bemalung seiner Figuren ebenso viel Zeit auf, wie für die Bearbeitung des Holzes. Diesem malerischen Aspekt, den es in unserer Ausstellung zu entdecken gilt, wurde bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Auch viele von Hutters Zeichnungen leben vom bewussten Einsatz der Farbe. In mancher Hinsicht ist das farbige Fassen von Figuren, das Kolorieren schwarzweisser Zeichnungen eine Form der «Behandlung», die an ein liebevolles Berühren erinnert. Spürbar ist dies etwa bei der liegenden Figur des ermordeten südafrikanischen Freiheitskämpfers Steve Biko (1978). Auf dem weiss bemalten Linden- und Tannenholz zeichnen sich die rot gestrichelten Gesichtszüge und der Name des Toten fast zärtlich ab – als gälte es, den Toten zum Leben zu erwecken.
Hutters spürbares gesellschaftliches Engagement weitet sich in den fragileren, zuweilen auch weicheren Figuren in Holz zu einem generellen existentiellen Interesse für den Menschen. Dieses findet sich auch in den Köpfen des Frühwerks, in denen uns träumende, seltsam lächelnde Gesichter begegnen. Trotz ihrer am Vorbild von Karl Geiser geschulten Formung, sind sie nie im klassischen Sinne schön. Sie sind aber so innig erfasst, dass sie trotzdem zu berühren vermögen. In den Köpfen der letzten Jahre sind solch äusserliche «Mängel» – offensichtlich etwa an Flügelohren, Glatzen oder mächtigen Kinnladen – noch auffallender. Die Köpfe sind jedoch so fein bemalt, dass sie ihre Würde behalten und nie der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Bei allem kämpferischen Zorn bleibt Hutter gerade dem schwachen und hinfälligen Menschen spürbar verbunden.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog (144 Seiten). Der erste Teil widmet sich den spezifischen Inhalten der Ausstellung, der zweite Teil dient als Dokumentation zum Schaffen der Jahre 1990-2007, in der v. Hutters Werke im öffentlichen Raum vorgestellt werden. Bemerkenswert ist auch der Abdruck eines umfangreichen Briefwechsels zur Debatte über Hutters provokative Platzierung seiner Shoah- Figur vor dem Bundeshaus in Bern und auf dem Zürcher Paradeplatz. Der Katalog enthält Texte von Peter Bichsel, Schang Hutter, Konrad Tobler und Christoph Vögele.      

Christoph Vögele




Vernissage

Samstag, 12. Mai, 17 Uhr
Es sprechen Christoph Vögele, Ernst Leuenberger
Musikalische Interventionen:
Ben Jeger, Akkordeon


Öffentliche Führungen

Sonntag, 13. Mai, 11 Uhr, mit Schang Hutter
Anschliessend Konzert mit Graziela Fierro-Valceva, Gesang und André Fischer, Gitarre
Jost Meier: 3 poèmes
Text: Federico Garcia Lorca

Sonntag, 10. Juni, 11 Uhr


Kunst-Lunch

Dienstag, 15. Mai und 12. Juni, jeweils 12 bis 13 Uhr
Ausgewählte Werke aus der Sammlung
oder den Wechselausstellungen kennen lernen.


Kinderclub

(Für Kinder von 7 bis 12 Jahren)
Mittwoch, 13. Juni, 14 bis 17 Uhr
Menschen
Ein Workshop zum Schaffen von Schang Hutter.
Gestalten eigener Holzskulpturen


Publikation

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (144 Seiten) mit Texten von Peter Bichsel, Schang Hutter, Konrad Tobler und Christoph Vögele