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Ausgangspunkt der diesjährigen Accrochage aus der Graphischen Sammlung ist die Dauerleihgabe der Robert Bosch GmbH von 2005, in der sich auch wichtige Arbeiten auf Papier der Zürcher Konkreten Max Bill, Camille Graeser und Richard Paul Lohse befinden. Diese Blätter werden ergänzt mit konstruktivistischen Werken aus den reichen Beständen. Neben Arbeiten, die dem geometrischen Prinzip mit Ernsthaftigkeit folgen, finden sich Konstrukte, in denen Mass und Ordnung - wie bei Paul Klee, André Thomkins oder Markus Raetz - mit Witz unterlaufen werden.
Das Kunstmuseum Solothurn gilt nicht als Hochburg für die geometrische Kunst. Im Bereich der Malerei fanden eher fauvistische oder expressionistische Werke der frühen Moderne Eingang in die Sammlung. In der Graphischen Sammlung dagegen gibt es eine Vielzahl von geometrischen Blättern, die nun das Anlegen eines eigentlichen Panoramas von den Bauhaus-Künstlern Johannes Itten und Paul Klee über die konkrete Kunst von Sophie Taeuber Arp und Robert Strübin bis hin zu den zeitgenössischen Arbeiten von John M. Armleder und Ian Anüll ermöglichen.
Besonders reizvoll ist der Vergleich zwischen den verschiedenen Auffassungen des Konstruktivismus: Von den Zürcher Konkreten, die v.a. mit späten, leuchtend bunten Serigraphien der sechziger und siebziger Jahre vertreten sind, unterscheidet sich die frühe konstruktivistische Kunst von Dieter Roth der fünfziger Jahre wesentlich. Während sich bei Lohse, Bill und Graeser die Dynamik v.a. aus den Farbkontrasten ergibt, erreicht Roth in einer Druck-Folge von 12 Unikaten (Systematische Serie, 1957) die Lebendigkeit durch ein unbekümmertes Übereinanderdrucken mit verschiedenen Platten und Farben. Das Augenmerk wird auf den Prozess der Veränderung und nicht auf die Komposition gelenkt. Die im selben Saal ausgestellten Moiré-Arbeiten von Werner Witschi, der nicht nur mit seinen Objekten, sondern auch mit seinen Arbeiten auf Papier der Op Art und der kinetischen Kunst verpflichtet war (Strömungen, in denen es um optische Wirkungen rsp. um Bewegungsabläufe geht), unterstreicht Roths bewegte, ja subversive Seite des Konstruktivismus.
Gerade in der Schweiz, wo die konstruktivistische und konkrete Kunst nicht nur ihre Pioniere, sondern auch eine jahrzehntelange Gefolgschaft gefunden hat, konnten Mass und Ordnung nicht unwidersprochen bleiben. Schon Paul Klee, der Bauhaus-Künstler, scheint in seinen Werken der dreissiger Jahre (Berg-Gestalt, 1933, und Soloscene, 1934) Mensch und geometrische Ordnung als spannungsvolles Gegenüber zu sehen: Während sich die Berg-Gestalt ruhig in ihre kristalline Umgebung fügt, spannt der Tänzer der Soloscene lustvoll seinen bunten Rahmen. Dazu passen die Zeichnungen von Markus Raetz, u.a. das titelgebende Blatt Kopf in Kubus (1965), in schönster Weise.
Ein Zusammenbringen von Natur und Geometrie, hier witzig, dort poetisch gesehen, ermöglichen die Blätter von Roman Signer, Helmut Federle und Hugo Suter.
Wie sehr auch wichtige Vertreter der Solothurner Kunst sich mit dem Thema der Geometrie über mehrere Generationen befassten, verdeutlichen die eindrucksvollen Werkgruppen von Elsa von Tobel, Roman Candio, Jean Mauboulès, René Zäch, Otto Lehmann und Susan Hodel.
Christoph Vögele
Zusätzlich werden in einem Saal des Ersten Stockes weitere Werke, Bilder und Bildteppiche, aus der Dauerleihgabe der Robert Bosch GmbH gezeigt.
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