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Seit den achtziger Jahren hat der Solothurner Künstler Reto Emch (*1961) in den Bereichen Installation und Skulptur, Fotografie und Malerei gearbeitet. So vielfältig die medialen Zugänge, so wiederkehrend sind die Motive und Themen seiner Werke. Seit Anbeginn interessiert sich Emch für Raum und Bewegung, für das Element Wasser, das in seinen Arbeiten in verschiedensten Formen auftritt. Damit verbinden sich oftmals existentielle Überlegungen und eine zu meditativer Konzentration und Dichte neigende Ausdrucksweise. Zuweilen sind aber auch Witz und Ironie zu spüren, die von der Distanznahme und Leichtigkeit eines Beobachters und Reisenden zeugen. Obwohl einzelne Werke von Gewalt, Aggression und Zwang sprechen, überwiegen Poesie und Schönheit, die der Künstler in alltäglichen Motiven entdeckt. Der Wunsch, Kunst und Alltag zu verbinden und hierzu anstelle von Galerie- und Museumssälen den Aussenraum zu nutzen zeigt sich früh: Die ersten Auftritte, die ihm das Kunstmuseum Solothurn bereits 1986 und 1992 ermöglicht, finden bezeichnenderweise im Museumspark statt, den er für seine Installationen Altar rsp. La Piazza Reale mit riesigen Fototafeln und Malereien bestückt. Mit seinem Meermobil 3 (1989), einem Bilderwagen mit grossformatigen Meer-Ansichten, den er auf dem öffentlichen Schienennetz zur Skulpturenausstellung in Môtiers fahren liess, bringt er dem Binnenland Schweiz den Ozean ins Land und verleiht seinem Lieblingsmotiv die ihm entsprechende Bewegung. In der Zwischenzeit war Emch an vielen weiteren Ausstellungen in ganz Europa beteiligt; die beiden wichtigsten Einzelausstellungen der letzten Jahre richteten ihm die international renommierte Galerie Giorgio Persano, Turin (2007) und der Kunstverein Ludwigsburg (2003) ein.
Nun widmet das Kunstmuseum Solothurn Reto Emch eine grosse Übersichtsausstellung unter dem Titel Intonare, der auf die Bedeutung von Klang und Farbe in seinem Schaffen anspielt. Neben einer kleinen Auswahl von Arbeiten der neunziger Jahre sind vor allem aktuelle, oft speziell für die Museumssäle realisierte Werke zu sehen. Gezeigt werden Installationen, Objekte, Fotos und Arbeiten auf Papier, die sich zu einem spannungsvollen Ganzen schliessen. Anfang- und Endpunkte der Ausstellung bilden die zwei neuen raumgreifenden Installationen Das Fest und Intonare: Während hier mit einer Vorrichtung von Brausen das Waschen des Körpers thematisiert wird, findet sich dort das Schwitzen, verbildlicht in feuchten, über einem Becken austropfenden Festtags-Kleidern. Der Klang, der über das leise Tropfen ein wesentlicher Teil der Installation wird, tritt auch bei anderen Werken auf, u.a. bei Konzert (1994), einer Installation mit laufenden Waschmaschinen, oder bei der interaktiven Skulptur Pas-de-deux (1994), zwei Dampfbügeleisen, die über Mikrofone zum Zischen gebracht werden können. Beide Arbeiten sind mit dem Solothurner Komponisten Pedro Haldemann entstanden. Die zur Werkgruppe Klangmasse gehörenden Arbeiten vertreten mit den Zeichnungen von 1996, bei denen der Künstler einen ausgebauten Scheibenwischer mit Tusche auf Planpapier zeichnen liess, die Schaffensphase der neunziger Jahre.
Die Zusammenschau von Werken aus einem Zeitraum von 14 Jahren verdeutlicht die inhaltliche Konsequenz des Schaffens. Die unterschiedlichen Zustände des Wassers sind auf Daseinsformen bezogen. Das Dampfen, Spritzen, Schleudern oder Gefrieren, das Schwitzen, Waschen und Aufputzen sind alltägliche Handlungen, denen zugleich sinnbildhafte Bedeutung beigemessen werden kann. Neben der gedanklichen Ebene interessieren Reto Emch aber auch malerische Wirkungen, die zumeist dem (kalkulierten) Zufall überlassen werden: Die tropfenden Kleider erzeugen auf dem Bleibecken ein Gemälde in Weiss- und Grautönen; die Wasserspuren der Brausen verwandeln die Museumswände in eine fernöstlich anmutende Malerei auf Zeit.
Seit wenigen Jahren entstehen neben Objekten aus Abfall- oder Gebrauchsmaterialien auch grossformatige Farbfotografien. Reto Emch begegnet auf seinen Streifzügen im städtischen Innenraum den Prinzipien des Meeres: Ein verlassener Marktplatz mit liegen gebliebenem Unrat und den im Abendlicht aufleuchtenden Pfützen erinnert an die Zeit der Ebbe, an die Weite von Meerlandschaften. Auch in den Fotografien zeigt sich sein Interesse für das Malerische. Die räumlich eng gefassten, horizontlosen Ausschnitte betonen die abstrakte Schönheit des Gesehenen. Sie lassen den Massstab offen und regen die Fantasie in besonderer Weise an. Der Prozess der Einbildung liegt Reto Emchs ganzem Schaffen zugrunde.
Die Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Katalog (D/E/I, Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg) mit Texten von Agnes Kohlmeyer und Christoph Vögele (160 Seiten, Fr. 44.) |
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