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Cécile Hummel (*1962 im Thurgau, lebt in Basel) gehört wie Silvia Bächli und Claudia und Julia Müller zu einer Generation von Schweizer Künstlerinnen, die seit den 1980er Jahren im Medium der Zeichnung arbeiten und darin eine ganz eigene künstlerische Sprache entwickelt haben. Hummel hat ihr zeichnerisches Spektrum von Anfang an in den Bereich der Medienkunst erweitert: Es ist vor allem die Fotografie, die in Form von Polaroids, Inkjet-Drucken oder Heliogravüren die zeichnerische Arbeit begleitet.
Cécile Hummel interessiert sich nicht für das Aussergewöhnliche oder das Ferne, sondern nähert sich in ihren Bildern vielmehr dem, was uns täglich umgibt. Sie fotografiert Häuserfassaden, die wie Skulpturen anmuten, Interieurs mit Spiegeln und Sesseln, die Erinnerungen aus einer anderen Zeit wecken, filmt sorgsam gestaltete Süssigkeiten in einer römischen Pasticceria, zeichnet ineinander verschachtelte Räume, Konzertsäle, Kinosäle, Bibliotheken. Die Künstlerin hält mit der Kamera fest, was sich der flüchtigen Wahrnehmung entzieht und schafft zeichnend Bildräume, in denen sich Gesehenes mit Erinnertem verbindet. Während ihre Fotografien aus dem Moment heraus entstehen und als atmosphärische Stimmungsbilder von bestimmten Orten und Objekten erzählen, lösen sich die Zeichnungen immer wieder vom realen Aussenbild und zeigen autonome Bildräume von grosser Schönheit. Gerade die neuesten Zeichnungen, die während eines Stipendienaufenthaltes in Berlin entstanden sind und die in der Ausstellung in Solothurn erstmals zu sehen sind, zeugen von Hummels Interesse für Figurationen, die sich vom Gegenstand lösen und eigenständige gestalterische Qualitäten entwickeln. Die Künstlerin hat sich in „Nachtbildern“ mit dem Phänomen des Lichtes auseinandergesetzt; dabei ist sie dem Thema nicht nur motivisch nachgegangen, sondern hat auch die Grenzen und Möglichkeiten des Mediums Zeichnung ausgelotet. Entstanden sind dabei zum Teil grossformatige Blätter, die die Gestaltungsmittel das weisse Blatt, die lasierend aufgetragene Gouache-Farbe reflektieren und für ganz eigenständige Bildfindungen fruchtbar machen.
Der Titel der Ausstellung kann programmatisch verstanden werden: Er fasst nicht nur Cécile Hummels Interesse für das, was im Alltag verborgen liegt und im wahrsten Sinne des Wortes ans Licht geholt werden kann, sondern er umschreibt die Künstlerin auch als Flaneurin, die ihre Bilder beim Durchwandern von Stadträumen findet. Dieses Interesse für den Blick, der die Dinge streift, sie jedoch nicht in einer festlegenden Eindeutigkeit festhält, zeigt sich nicht nur in den Gouachezeichnungen von Cécile Hummel, sondern auch in den installativen Hängungen, mit denen die Künstlerin bekannt geworden ist. Aus einem grossen Fundus wählt sie Gouachen, Tuschezeichnungen, Inkjet-Drucke und Fotografien und fügt sie zu assoziativen Bildfeldern an der Wand. Die einzelnen Arbeiten wachsen so über den Blattrand hinaus und verbinden sich zu möglichen Geschichten, die sich einmal angedeutet wieder verflüchtigen. So fragt die Künstlerin einerseits nach dem Wesen der Dinge, nach ihrer Form und ihrer Erscheinung; immer jedoch geht es ihr auch um ein Nachdenken über die Möglichkeiten des Bildes an sich.
Barbara von Flüe
Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Thurgau. Dort wird vom 5. Juni bis zum 12. Dezember die Ausstellung Cécile Hummel: Contrapunctum zu sehen sein, die neueste fotografische Arbeiten der Künstlerin vorstellt.
Zur Ausstellung erscheint die Publikation Cécile Hummel Streiflichter, mit einem Text (D/E) von Barbara von Flüe, Edizioni Periferia, Luzern/Poschiavo, 64 Seiten.
Vernissage
Samstag, 16. Mai, 17 Uhr
Öffentliche Führungen
Sonntag, 7. Juni, 11 Uhr (mit Cécile Hummel und Barbara von Flüe)
Sonntag, 26. Juli, 11 Uhr
Kunst-Lunch
Dienstag, 26. Mai, 12 Uhr
Lesung im Rahmen der Solothurner Literaturtage
Sonntag, 24. Mai, 11 Uhr
Die Engadiner Lyrikerin Leta Semadeni liest Gedichte in der Ausstellung von Cécile Hummel
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