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Mit Werken von Cuno Amiet, Albert Anker, Max Bäumli, Peter Birmann, Max Brunner, Roman Candio, Paul Demme, Friedrich Dietler, Martin Disler, Giovanni Giacometti, Franz Graff, Max Kessler, Paul Klee, Heinz-Peter Kohler, Laurent Louis Midart, Meret Oppenheim, Adrian Schiess, Rolf Spinnler, Anselm Stalder, André Thomkins, Elsa von Tobel, Albert Trachsel und Uwe Wittwer
Der Anlass der Ausstellung ist eine grosse Schenkung von Arbeiten auf Papier aus dem Nachlass von Max Brunner (19102007). Zugleich feiern wir damit den 100. Geburtstag des Solothurner Künstlers im Jahr 2010. Max Brunner hat sich vor allem einen Namen als Glasmaler geschaffen. Seine farbigen Fenster befinden sich in über vierzig öffentlichen Gebäuden, vor allem in Kirchen der Region Solothurn/Bern. Die Verbindung von Licht und Farbe prägt auch seine Aquarelle, die in allen Schaffensphasen auftreten. Bei den letzten grossformatigen Blumenstillleben handelt es sich um berührende Alterswerke, in denen sich Brunner nochmals mit der Schönheit der Welt, zugleich aber mit dem nahenden Tod auseinander setzt.
Weitere Beispiele der Aquarellkunst werden mit Werken vom späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart gezeigt. Neben grossen Namen der Kunstgeschichte wie Cuno Amiet, Albert Anker, Giovanni Giacometti, Paul Klee und Meret Oppenheim wartet die Ausstellung mit überraschenden Neu- oder Wiederentdeckungen auf. Unter den ausgesuchten Kunstschaffenden gibt es etliche, die sich mit besonderer Vorliebe dem Aquarell verschrieben haben wie Roman Candio (*1935), Heinz-Peter Kohler (*1935) oder Uwe Wittwer (*1954). Paul Demme (18661953) hat sogar ausschliesslich aquarelliert und in der anspruchsvollen Technik eine stupende Virtuosität erreicht. Der Künstler, der 1886 gemeinsam mit seinem fast gleichaltrigen Solothurner Kollegen Amiet zur Ausbildung nach München fährt, wagt sich in naturalistischem Stil auch an grosse Formate und lässt diese in ihren schweren Rahmen wie Ölbilder wirken.
Unter den ausgestellten Werken befinden sich vor allem Landschaften. Das erstaunt wenig, verwenden doch viele Kunstschaffende das Aquarell oder die Sepia auf Reisen oder beim Arbeiten im Aussenraum. Bei der Sepia handelt es sich um eine bräunliche oder grauschwarze Tuschzeichnung. Der Name bezieht sich auf das griechische Sepia (= Tintenfisch), da der Farbstoff ursprünglich aus dem Tintenbeutel von Meeresfischen gewonnen wurde. Die Transparenz der mit Wasser verdünnten Malschichten begünstigt die Darstellung von Lichtwirkungen, die die Erscheinung von Landschaften charakterisiert. Die unterschiedlichen Stimmungen, die unter dem Einfluss der deutschen Romantik ab 1800 die Bildwelt der Landschaftsmalerei prägen, werden vor allem bei Franz Graff (18031859) in meisterhaften Blättern wiedergegeben. Eine grosse Werkgruppe zeigt die Juralandschaft im wechselnden Licht, bei Sonnenaufgang, im Mondschein oder unter dunklen Gewitterwolken.
Zu den Exponaten gehören auch einige Bildnisse und Genrebilder von Friedrich Dietler (18041874) und Albert Anker (18311910). In der Porträtmalerei, bei der es sich zumeist um Auftragskunst handelt, bietet sich das Aquarell dem Kunden als eine günstigere Alternative zum Ölbild an. Während Dietler als einfühlsamer Porträtist der Solothurner, Berner und Basler Gesellschaft sein Gegenüber als Individuum erfasst, stellt Anker in seinen späten Aquarellen Der Bibelleser, Die Spinnerin oder Der Raucher den Menschen als Typus dar, mit dem sich ein breites Publikum identifizieren kann.
Die schnell fliessende Wasserfarbe mit ihrem Changieren, Vermischen und Ausblühen, den zufälligen Veränderungen und unerwarteten Erscheinungen, eignet sich in besonderer Weise für die Darstellung traumhaft-surrealer Bildwelten. Diese treffen wir vor allem bei Paul Klee (18791940), André Thomkins (19301985) und Heinz-Peter Kohler an. Die abstrakt anmutende Landschaftsserie von Adrian Schiess (*1959) dagegen bezieht sich auf präzise Naturbeobachtungen, etwa auf Lichtstimmungen in seiner Wahlheimat Südfrankreich.
Mit ihrem bewegten, leichten und lichten Charakter wirken viele Aquarelle sehr lebendig und direkt. Bei Uwe Wittwers grossformatigen Werken kann gerade solch sinnliche Präsenz die Grundthematik der Vergänglichkeit umso eindringlicher vor Augen führen. Nicht selten verbindet sich in den beiden Techniken Aquarell und Sepia ein hoher ästhetischer Reiz mit grosser Einfühlung und gedanklicher Tiefe.
Christoph Vögele
Öffentliche Führung
Sonntag, 29. November, 11 Uhr
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