|
Jahresprogramm 2009 Bessie Nager hrönir 17. Januar bis 13. April Parterre Ost Die in Zürich lebende Künstlerin Bessie Nager (*1962) beschäftigt sich konsequent mit dem Raum. Oft wird dabei das Publikum sehr direkt in ihre Arbeiten einbezogen: Wer Nagers Installationen erlebt hat, ihre riesigen weichen Kissen (Clouds, seit 1996) betreten, sich zwischen ihren Flaschen-Ansammlungen (Sammelplatz, 1994) bewegt hat, wird sie nicht mehr vergessen. Mit grosser Einfühlung geht die Künstlerin auf die spezifischen Räume ein, verstärkt ihre Atmosphäre, fragt nach ihrer Geschichte. Dabei interessieren sie auch existentielle Überlegungen zum zeit-räumlichen Erleben und zu gesellschaftlichen Fragen. Nach mehreren Ausstellungen in Galerien und unabhängigen Kunsträumen zeigt Bessie Nager mit ihrer jetzigen Solothurner Präsentation ihr Schaffen zum ersten Mal anhand einer breit angelegten Einzelausstellung in einem Schweizer Museum. Ausgehend von den aktuellsten Skulpturen, den Voyageurs Immobiles, für welche die Künstlerin Bestandteile von Zürcher Trams verwendet hat, schliesst die Ausstellung auch einzelne ältere Arbeiten mit ein, die von Nagers Interesse an einer Erweiterung und Aktualisierung des herkömmlichen Skulpturbegriffs zeugen. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf einen Begriff von Jorge Luis Borges, der damit „Sekundärobjekte“ bezeichnet, die sich modellhaft auf die Realität beziehen. Oft machen Nagers Objekte und raumgreifende Installationen denn auch Zeit und Bewegung visuell erfahrbar, indem die Werke die Besucherinnen und Besucher zum unmittelbaren Handeln und Betreten anregen. Detailinformationen Bewegter Stillstand Skulpturen und Bildhauerzeichnungen aus der zeitgenössischen Sammlung des Kunstmuseums Solothurn Mit Werken von Heinz Brand, Reto Emch, Gunter Frentzel, Rolf Graf, Jürg Hugentobler, Daniela Keiser, San Keller, Isabelle Krieg, Bernhard Luginbühl, Željka Marušić/Andreas Helbling, Jean Mauboulès, Robert Müller, Victorine Müller, Markus Raetz, Dieter Roth, Roman Signer, Anselm Stalder, Jean Tinguely, Oscar Wiggli und Werner Witschi 17. Januar bis 13. April Parterre West und Graphisches Kabinett Der paradoxe Ausstellungstitel Bewegter Stillstand lässt an das Buch Rasender Stillstand (1992) von Paul Virilio denken. Im Unterschied zur pessimistischen Weltsicht des französischen Philosophen, der eine Gesellschaft beschrieb, die Zeit und Raum hochtechnologisch beherrscht, aber damit an der Auslöschung ihrer selbst arbeitet, steht der Ausstellungstitel für einen wertfreien Aspekt der zeitgenössischen Skulptur zwischen Statik und Dynamik, Dauer und Vergänglichkeit. Die Bildhauer der Nachkriegszeit, allen voran Jean Tinguely, haben in ihren dynamischen Werken auf die urbane und maschinelle Realität Bezug genommen. In der Auswahl von modernen und zeitgenössischen Skulpturen und Bildhauerzeichnungen aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn steht die Frage der wirklichen, visualisierten oder suggerierten Bewegung im Zentrum. Während sich nur wenige Skulpturen tatsächlich bewegen oder bewegen lassen, wie einige von Tinguely, Werner Witschi oder Roman Signer, können viele andere Werke Entstehungsprozesse oder Bewegungsformen darstellen. In der zeitgenössischen Skulptur häufen sich zudem Arbeiten, die von den Besucherinnen und Besuchern aktiv genutzt werden können wie die Sitzskulptur von Željka Marušić/Andreas Helbling oder das Lesetischchen von San Keller. Die Ausstellung antwortet auf die gleichzeitige Präsentation dreidimensionaler Werke von Bessie Nager, die sich derselben Paradoxie des bewegten Stillstandes widmet. Detailinformationen Mario Sala Die Haltlosigkeit des Raumpflegers Antonio Gracia Alberto 2. Mai bis 2. August Ganzes Parterre Der Winterthurer Künstler Mario Sala (*1965) hat sich mit seinem eigenwilligen und rätselhaften Schaffen einen festen Platz unter den anerkannten Schweizer Kunstschaffenden seiner Generation erworben. Sein multimediales Werk zwischen Zeichnung, Malerei, Fotografie, Objektkunst und Installation verweigert sich schnellen Zugriffen. Sala sucht Übergangsbereiche, deren Offenheit und suggestive Wirkung das Publikum als Spieler, Wanderer oder Leser einbezieht. Nach seinen Einzelausstellungen im Kunstmuseum Winterthur (2001) und im Helmhaus Zürich (2004/05) unternimmt die Präsentation im Kunstmuseum Solothurn anhand thematischer Schwerpunkte erstmals den Versuch, das aktuelle Schaffen auf ausgesuchte Werkgruppen früherer Jahre zu beziehen. Der seltsame Ausstellungstitel Die Haltlosigkeit des Raumpflegers Antonio Gracia Alberto kann die Suchbewegungen und Irrgänge beschreiben, die das Publikum in Salas installativ angelegter Ausstellung erlebt. Dabei werden zwei- und dreidimensionale Werke, Zeichnungen in Vitrinen, Bilder und Objekte räumlich miteinander verbunden. Zum Thema wird der reale Raum des klassizistischen Museumsbaus selbst, seine machtvolle Symmetrie, die Ordnung der Raumfolgen, die Sala mit vielfachen Blockierungen verunklärt. Der verwirrende Wechsel der Ebenen und Perspektiven kann darum nicht nur geistig, sondern auch physisch erlebt werden, wirkt doch die ausufernde Ausstellung, die selbst Treppenhaus und Foyer noch einbezieht, als eine einzige Installation. Detailinformationen ![]() 1. Kulturnacht Solothurn 2. Mai 2009 Programm Kunstmuseum 1415 Uhr und 15.1516.15 Uhr Cécile Hummel Streiflichter 16. Mai bis 9. August 2009 Graphisches Kabinett Häuserfassaden, die skulptural anmuten; eine römische Pasticceria, eine Vitrine mit Süssigkeiten, die man zum ersten Mal zu sehen meint; ineinander verschachtelte Räume, Wäscheleinen, Konzertsäle, Kinosäle, Bibliotheken; Interieurs mit Spiegeln und Sesseln, die Erinnerungen aus einer anderen Zeit wecken. Cécile Hummel (*1962 im Thurgau, lebt in Basel) interessiert sich nicht für das Aussergewöhnliche, das Ferne, sondern nähert sich in ihren Bildern vielmehr dem, was uns täglich umgibt. Seit den 90er Jahren arbeitet die Künstlerin in den Medien der Zeichnung und Fotografie, seit einiger Zeit ist auch das Videobild dazugekommen. Sie hält mit der Kamera fest, was sich der flüchtigen Wahrnehmung entzieht und schafft zeichnend Bildräume, in denen sich Gesehenes mit Erinnertem mischt, die Linie sich auch vom Gegenstand löst und eigenständig wird. Um die Grenzen und Übergänge der einzelnen Medien auszuloten, kombiniert sie ihre Bilder immer wieder zu installativen Anordnungen: Gouachen, Tuschezeichnungen, Inkjet-Drucke und Fotografien fügt sie zu assoziativen Bildfeldern an der Wand. Die aus einem grossen Fundus ausgewählten Bilder verbinden sich so zu möglichen Geschichten, die sich einmal angedeutet wieder verflüchtigen. So fragt die Künstlerin einerseits nach dem Wesen der Dinge, nach ihrer Form und ihrer Erscheinung; immer jedoch geht es ihr auch um ein Nachdenken über die Möglichkeiten des Bildes an sich. Nach Einzelausstellungen in der Schweiz und im Ausland ist das Werk von Cécile Hummel nun erstmals in Solothurn zu sehen. Während hier Zeichnung, Fotografie und Videoarbeiten im Vordergrund stehen, zeigt das Kunstmuseum des Kantons Thurgau gleichzeitig fotografische und installative Arbeiten der Künstlerin. Detailinformationen Kunstverein Solothurn SAMMELN VERPFLICHTET Der Kunstverein Solothurn im Spiegel seiner Sammlung Mit Werken von Cuno Amiet, Frank Buchser, Roman Candio, Otto Frölicher, Rolf Spinnler, Anselm Stalder, René Zäch und vielen anderen mehr Kuratiert von Roswitha Schild 29. August bis 8. November Ganzes Parterre und Graphisches Kabinett Nachdem sich der Kunstverein Solothurn in den letzten Jahren vornehmlich auf zeitgenössisches Kunstschaffen konzentriert hat, richtet sich der Fokus nun auf seine eigene reiche Sammlung. Deponiert im Kunstmuseum Solothurn leistet diese dank der starken Gewichtung des Solothurner Kunstschaffens einen wesentlichen Beitrag zur Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Museum. Kern der Sammlung ist das Buchser-Legat, welches in der Ausstellung ebenfalls Dreh- und Angelpunkt sein soll. Dazu gesellen sich weitere Legate vornehmlich aus der Zeit um die Erbauung des Kunstmuseums sowie Ankäufe seit 1879, als der Kunstverein wegen der Holbein-Madonna-Finanzkrise gezwungen gewesen war, seine bisherige Sammlung der Stadt Solothurn abzutreten. Während Schlaglichter auf die historische Sammeltätigkeit des Kunstvereins Solothurn geworfen werden, soll diese zugleich kritisch nach Zweck, Strategie, Repräsentativität, Ausstrahlung und Möglichkeiten für die Zukunft hinterfragt und virtuell ergänzt werden wo immer möglich im Dialog mit Werken aus privaten Sammlungen. Keine behäbig-nostalgische Ausstellung ist das Ziel, sondern eine bezugsreiche Verortung der Sammlung im Hier und Jetzt. Die aktive Mitwirkung von Sammlerinnen und Sammlern ist erwünscht! Detailinformationen Farblichtfluss Aquarelle und Sepien aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn Mit Werken von Cuno Amiet, Albert Anker, Max Brunner, Roman Candio, Paul Demmé, Giovanni Giacometti, Franz Graff, Paul Klee, Laurent Louis Midart, Adrian Schiess, Anselm Stalder, André Thomkins, Albert Trachsel, Uwe Wittwer u.a. 21. November 2009 bis 3. Januar 2010 Graphisches Kabinett Anlass der Ausstellung ist eine grosse Schenkung aus dem Nachlass des Solothurner Künstlers Max Brunner (19102007), der sich vor allem einen Namen als Glasmaler geschaffen hat. Die Verbindung von Licht und Farbe, von denen seine leuchtenden Kirchenfenster leben, findet sich auch in seinen Aquarellen, die bereits in seinem Frühwerk der 1920er und 1930er Jahre auftreten. Auf der Suche nach weiteren Beispielen der Aquarellkunst sind wir in unserer Sammlung auf bedeutende Künstler verschiedenster Epochen gestossen, vom späten 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bei der Sepia, die aufgrund ihres flüssigen Auftrags eng mit dem Aquarell verwandt ist, handelt es sich um ein unfarbiges, doch für die Darstellung von Lichtwirkungen ebenso geeignetes Medium. Die beiden Techniken werden im Verlaufe der Epochen aus ganz unterschiedlichen Gründen gewählt. Bieten sie zum einen eine ideale Form, Motive in der freien Natur oder auf Reisen im kleinen Format zu erfassen, eignen sie sich zum andern aufgrund ihrer Transparenz und Weichheit für das Erfassen von Stimmungen. Während manche Maler das Aquarell einfach zum farbigen Fassen von Zeichnungen nutzen, wird es bei andern Künstlern wie Roman Candio (*1935), Paul Demmé (18661953), Paul Klee (18791940) oder Uwe Wittwer (*1954) zur hauptsächlichen und virtuos beherrschten Parade-Technik. Detailinformationen Max Matter: Werke 19672009 28. November 2009 bis 21. Februar 2010 Ganzes Parterre Der Aargauer Künstler Max Matter (*1941) hat in der Solothurner Ausstellung Bunt ist meine Lieblingsfarbe (2004) einen Saal mit Adolf Wölfli geteilt. Matters riesige, in ihrer Klein- und Vielteiligkeit obsessiv anmutende Zeichnungen konnten dabei der Intensität des Art Brut-Künstlers durchaus standhalten. 14 Jahre nach Matters letzter grosser Übersichtsausstellung im Aargauer Kunsthaus Aarau zeigt das Kunstmuseum Solothurn eine mit den neuesten Werken ergänzte neue Präsentation dieses bedeutenden Schweizer Künstlers. Der Bogen der Exponate reicht dabei von den frühen Pendelzeichnungen der 70er Jahre bis zu den aktuellen Arbeiten, den seit 1996 entstehenden Injektions-Bildern und den in Leuchtkästen präsentierten „Fotografien“. Die Ausstellung folgt nicht einer chronologischen, sondern einer thematischen Ordnung. Als wichtigste Pole lassen sich die Themen Körper und Licht erkennen. Darin begegnen sich physische und psychische Selbsterfahrung, Raum und Zeit. Machte sich Matter für seine Pendelzeichnungen gleich selbst zum Pendel, indem er, an den Füssen von der Decke hängend, seine Papierbogen bezeichnete, betupfte er für eine andere Arbeit mit dem eigenen Blut und im Rhythmus seines Herzschlages ein grosses Format bis zur Erschöpfung. Mit dem Körper hat indirekt auch das Werkzeug der Spritze zu tun, die er für seine neuen Injektionsbilder verwendet. In vielfach gefaltete Japanpapiere spritzt er Farbe; mit dem Entfalten werden leuchtende Werke von zufälliger Schönheit sichtbar. Mit der Spritze sticht er aber auch in Filmspulen, lässt Licht ins Dunkle treten und findet damit fotografische Bilder, die unsere Fantasie anregen. Detailinformationen |
||