Jahresprogramm 2011



Die Natur des Menschen –
Weltanschauung und Lebensgefühl
Die Sammlung des Kunstmuseums Solothurn im Dialog mit Leihgaben aus elf Schweizer Kunstmuseen

Bis 30. Januar 2011
Obergeschoss


Unter dem Titel Die Natur des Menschen wird das Wechselverhältnis zwischen Weltanschauung und Lebensgefühl thematisiert. In einem inhaltlichen Parcours, der die Stationen des Lebens zwischen Geburt und Tod, Frühling und Winter verbildlicht, führt die Ausstellung durch alle sieben Säle des Obergeschosses. Sie geht von Meisterwerken der eigenen Sammlung aus und wird ergänzt mit hochkarätigen Leihgaben aus nicht weniger als elf Schweizer Kunstmuseen. Die Motive beziehen sich sowohl auf die Natur, wie der Mensch sie sich zum Bild macht, als auch auf die menschliche Natur, die sich in diesem spiegelt. Wie Künstlerinnen und Künstler ihre Welt darstellen, hat nicht nur mit der jeweiligen Epoche, sondern auch mit ihrem individuellen Wesen zu tun. So kann es über die Epochen hinweg zu Wahlverwandtschaften kommen, die prinzipielle Haltungen – Weltflucht oder Abenteuerlust, Melancholie oder Sinnenfreude, Leid oder Genuss – verdeutlichen. In vielen Bildern sind Figur und Natur direkt aufeinander bezogen: der Mensch im Garten oder als Wanderer, unterwegs in Sonnenlicht oder Sturm. Nur zuweilen verschwinden die Figuren ganz, machen der kosmischen Weite der Landschaft Platz. In den letzten beiden Sälen werden die dunklen Seiten der „menschlichen Natur“, ihre existentielle Dimension gezeigt. Die dort ausgestellten Werke sprechen in eindrucksvoller und berührender Weise von Leid, Sterben und Tod.

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Albrecht Schnider
Die Rückseite des Spiegels
Skulpturen und Arbeiten auf Papier

15. Januar bis 10. April
Parterre West


Das Kunstmuseum Solothurn hat dem in Berlin lebenden Schweizer Künstler Albrecht Schnider (*1958) bereits 1998 eine Einzelausstellung gewidmet. Waren damals seine Gemälde zu sehen, wird nun die erste Überblicksausstellung seiner Skulpturen und Arbeiten auf Papier präsentiert. Die Ausstellung mit Werken der letzten 25 Jahre unterstreicht die Bedeutung der Zeichnung für Schniders Gesamtschaffen. Der vom Künstler gewählte Ausstellungstitel Die Rückseite des Spiegels ist einem Buch des Verhaltensforschers Konrad Lorenz entliehen und unterstreicht Schniders Interesse für Erkenntnisprozesse. Diese sind in der Kunstgeschichte vor allem mit der Gattung des Bildnisses verbunden. Schniders gezeichnete „Köpfe“ bilden denn auch den Rahmen der Ausstellung. So kühl seine Gemälde wirken, so spontan und intuitiv entstehen seine Zeichnungen, von denen einige in Bilder oder Skulpturen „übersetzt“ wurden. Im Sinne einer „écriture automatique“ fliessen innere Bewegungen unbewusst aufs Blatt. Neben figurativen Allusionen finden sich in seinen Zeichnungen viele Vergitterungen, in denen sich Leere und Fülle dialektisch begegnen. Die um 2000 einsetzenden Klein-Skulpturen bilden dazu ein ideales Gegenüber. Auch sie können als Gitter verstanden werden, das mit Drähten oder gebrauchten Pinseln „gezeichnet“ ist.

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In erster Linie
Zeitgenössische Zeichnungen aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

15. Januar bis 25. April
Graphisches Kabinett



Das Kunstmuseum Solothurn engagiert sich konsequent für die Vermittlung und den Erwerb von Zeichnungen. Die gleichzeitige Einzelausstellung von Albrecht Schnider, die sich dem Wechselverhältnis von Zeichnung und Skulptur widmet, hat eine Accrochage unserer eigenen zeitgenössischen Blätter motiviert. Wird die Zeichnung von manchen Sammlern und Vermittlern noch immer als vermeintliches Nebenprodukt vernachlässigt, steht sie in Solothurn seit Jahrzehnten „in erster Linie“. Mit der Konzentration auf die Linie besinnen wir uns zudem auf das genuinste und direkteste Mittel der Zeichnung. Lag 2009/10 mit einer Accrochage der Aquarelle und Sepien das Augenmerk auf farbigen und malerischen Blättern, stehen nun weitgehend schwarz-weisse Linienzeichnungen im Vordergrund, die von der Ausdruckskraft des Striches und dem Hell-Dunkel ihrer Kompositionen leben. Gerade am spezifischen Strich lässt sich die Eigenart der verschiedenen Kunstschaffenden besonders gut erkennen. Die Ausstellung umfasst eine grosse Zahl von oft erstmals gezeigten Werk-Gruppen, die in den letzten Jahren durch Ankäufe oder Schenkungen in die Sammlungen des Kunstmuseums und des Kunstvereins Solothurn gekommen sind. Präsentiert werden u.a. Blätter von Marc Bauer, Renata Borer, Raffaella Chiara, Heinz Egger, Robert Estermann, Mariann Grunder, Jean Mauboulès, Boris Rebetez, Mario Sala und René Zäch

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Andrea Wolfensberger – Then listen again

30. April bis 1. August
Ganzes Parterre



Andrea Wolfensberger (*1961) arbeitet mit den verschiedensten Medien. So weit sie sich in der Wahl der Arbeitsmittel öffnet, so konsequent verfolgt sie ihre Themen. Unter dem Titel Then listen again, der sich auf Samuel Beckett bezieht, sind aktuelle und ältere Werke zu einem Gesamtklang verbunden. Ein tatsächliches oder verbildlichtes Klingen als Bewegung in Raum und Zeit ist auch Grundthema der Ausstellung. Sie geht von den neuen, an Schalltrichter erinnernden Skulpturen aus und verbindet im Bild der Welle landschaftliche und klangliche Vorstellungen. Hören und Sehen, Moment und Vergänglichkeit sind eng aufeinander bezogen: Die in den Wogen des Meeres (Niemands Frau, 2007) gefilmten Videobilder sind vom Auf und Ab eines Erzähl-Tones begleitet, einer „Odyssee“ der Lyrikerin Barbara Köhler. Während das Geigenspiel eines kleinen Mädchens in der Verlangsamung von Ton und Video-Film fast bedrohlich wirkt (Kinderlied, 2003), ist das schallende Lachen eines Knaben (Jusqu’à ce qu’il fasse rire, 2009) zu einem dreidimensionalen Klang-Kreisel verdinglicht, der als riesige Skulptur den Raum bestimmt. Das existentiell fundierte Schaffen gleicht einer musikalischen Interpretation, etwa wenn Andrea Wolfensberger die filmischen Bilder eines Gartens anhält und in Malerei umsetzt und bei solcher „Verewigung“ auch die Mittelbarkeit der Wiedergabe betont.

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Franz Eggenschwiler:
Präzises Wolkenbild
Von der Telefonzeichnung zur Skulptur

21. Mai bis 1. August
Graphisches Kabinett


Der gebürtige Solothurner Franz Eggenschwiler (1930–2000) hinterliess ein ausserordentlich reiches und vielgestaltiges Schaffen, in dem sich Objektkunst und Skulptur, Malerei, Zeichnung und Grafik, Glasmalerei und Schmuck gegenseitig ergänzten und befruchteten. Als Grundlage seiner ungewöhnlichen Schaffenskraft können die Zeichnungen gelten, aus denen er als seiner wichtigsten Quelle schöpfte. Viele dieser zumeist kleinen Blätter sind beiläufig und absichtslos, zuweilen gar unbewusst entstanden. Da manche während Telefonaten realisiert worden sind, wurden sie unter dem pauschalen Begriff „Telefonzeichnungen“ bekannt. Wie bei Albrecht Schniders Blättern wird auf ihnen eine „écriture automatique“ sichtbar, die Gefühle und Vorstellungen ungefiltert zum Ausdruck bringt. Der Ausstellungstitel Präzises Wolkenbild stammt von einer Telefonzeichnung aus dem Jahr 1969, die zwar winzig klein ist, doch eine fast monumentale Wirkung erreicht. So „präzis“ wie Eggenschwilers „Wolkenbild“, so klar und sprechend sind viele seiner Blätter, die zum einen geometrische Muster und Staffelungen, zum andern figurative, landschaftliche oder erotische Vorstellungen suggerieren. In der Ausstellung wird nicht nur der reiche Solothurner Zeichnungs-Fundus gezeigt, sondern auch eine Auswahl von Skulpturen, Bildern und Grafiken, die sich auf Eggenschwilers Telefonzeichnungen beziehen. Ausgewählte Leihgaben ergänzen die eigenen Bestände.

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Science & Fiction
Künstlerische Praxis im Dialog
mit den Wissenschaften

20. August bis 6. November 2011
Ganzes Parterre



Die Erkundung einer wechselseitigen Durchdringung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und künstlerischen Produktionsformen hat eine lange Tradition. Fand in der frühen Neuzeit mit dem Typus des Künstlers als Universalgelehrter und Ingenieur noch ein tatsächlicher Austausch zwischen den beiden Tätigkeitsbereichen statt, so haben Kunst und Wissenschaft im Laufe einer fortschreitenden Spezialisierung getrennte Wege beschritten. Diese Trennung scheint heute wieder durchlässiger zu werden: Immer häufiger bedient sich die Wissenschaft bildgebender Verfahren, die auch ästhetischen Kriterien folgen. Umgekehrt greifen Künstlerinnen und Künstler vermehrt auf Denk- und Arbeitsformen der Wissenschaft zurück, um diese für ihre eigene Arbeit fruchtbar zu machen. Vermeintlich statische Systeme des Wissens werden zum Ausgangspunkt für Arbeiten, die sich dieser Systeme bedienen, um sie – oft humorvoll und parodistisch – zu durchbrechen und in Frage zu stellen. Künstlerische Arbeit dreht sich nicht mehr länger nur um das Künstlersubjekt, um Parameter wie Werk, Objekt und Ausstellung, sondern wird in ihrer Verschränkung mit anderen Wissenssystemen und in ihrer Funktion untersucht.
Neben Arbeiten von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern wie u.a. Christian Ratti, Miriam Sturzenegger, Matteo Terzaghi & Marco Zürcher und Rolf Winnewisser sollen auch wichtige internationale Positionen gezeigt werden.

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Kunstverein Solothurn
Andrei Roiter

RUNAWAY
Zeichnungen, Aquarelle, Collagen und Objekte
Graphisches Kabinett


KOLOBOK
Installation im Park des Kunstmuseums Solothurn

20. August bis 13. November 2011

Kuratiert von Roswitha Schild


Seit 2001 ermöglicht der Kunstverein Solothurn regelmässig Aussen-Projekte mit internationalen Kunstschaffenden und leistet damit eine wertvolle Ergänzung zum Programm des Kunstmuseums Solothurn, das sich vorwiegend auf Schweizer Kunst konzentriert. Die Aussen-Installationen sind dem Kunstverein ein besonderes Anliegen, denn dank diesen können Hemmschwellen der Bevölkerung gegenüber Bildender Kunst abgebaut werden. Nach den vielbeachteten Installationen von Qin Yufen, Michael Beutler und Florian Slotawa wird nun Andrei Roiter im öffentlichen Raum Solothurns ein Zeichen setzen. Andrei Roiter wurde 1960 in Moskau geboren, wuchs dort auf und absolvierte eine Ausbildung zum Architekten. Er lebt heute in Amsterdam und New York. Seine Werke werden international ausgestellt und gesammelt. Er verwebt darin Gegenstände des Alltags zu vielschichtigen, poetischen und vielfach auch ironischen Allegorien. Da Andrei Roiter neben seiner installativen Tätigkeit auch ein grossartiger Zeichner ist, wird ihm im Graphischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn ein begleitender Auftritt ermöglicht. Aussenprojekt und Ausstellung werden von Roswitha Schild kuratiert, die sich damit zugleich als Präsidentin des Kunstvereins Solothurn verabschiedet.

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Ferdinand Hodler und Cuno Amiet
Eine Künstlerfreundschaft zwischen Jugendstil und Moderne

24. September 2011 bis 2. Januar 2012
Obergeschoss



Das Schaffen von Ferdinand Hodler (1853 –1918) und Cuno Amiet (1868 –1961), den Schweizer Hauptvertretern von Jugendstil und früher Moderne, ist in der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn reich vertreten. Aus Anlass des 50. Todesjahres von Cuno Amiet plant das Kunstmuseum Solothurn zusammen mit dem Bucerius Kunst Forum Hamburg eine Doppel-Ausstellung. Sie ist dem künstlerischen Austausch zwischen den beiden Freunden gewidmet, der in der einschlägigen Literatur zwar ansatzweise behandelt wurde, bislang jedoch noch nie in einer speziellen Ausstellung. Amiet und Hodler begegneten sich erstmals 1893; zu einer engeren Beziehung kam es 1898, als Amiet im Auftrag des gemeinsamen Sammlers Oscar Miller ein Bildnis von Hodler malte (Bildnis F. Hodler vor seinem Marignano-Bild, 1898). Im selben Jahr bot Hodler seinem jüngeren Kollegen eine Ateliergemeinschaft in Genf an, die dieser jedoch ablehnte. Beide Kollegen schätzten sich gegenseitig sehr: Während Amiet voller Bewunderung für Hodlers frühe symbolistische Werke war, faszinierte Hodler etwa Amiets Paradies (1894/95), das nach dessen Rückkehr aus dem bretonischen Pont-Aven entstanden war. Höhepunkt der Ausstellung ist die Gegenüberstellung der kurz nach 1900 entstandenen Bildfolgen Frühling von Ferdinand Hodler und Die gelben Mädchen von Cuno Amiet. Die Ausstellung zeigt eine Vielzahl von Bildpaaren, in denen sich die beiden Künstler als Gebende und Nehmende begegnen. Sie endet mit Amiets posthumen Hommagen an den 1918 verstorbenen Hodler.
Am 16. Februar 2011 findet im Bucerius Kunst Forum Hamburg ein Symposium zum Thema statt. Die Referate werden im Katalog abgedruckt.
Als parallele Ergänzung: Vom 3.12.2011 bis 2.1.2012 werden im Graphischen Kabinett Arbeiten von Kindern ausgestellt, die sich auf die ausgestellten Bilder von Ferdinand Hodler und Cuno Amiet beziehen.

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Gunter Frentzel

26. November 2011 bis 19. Februar 2012
Ganzes Parterre



Gunter Frentzel (*1935) hat mit seinen Skulpturen und Installationen einen wesentlichen Beitrag zur Diskussion über neue Formen dreidimensionaler Kunst geleistet. Mit seinem innovativen Schaffen hat der in Berlin geborene, seit Jahrzehnten in der Schweiz lebende Künstler die nationale Kunstszene nachhaltig geprägt. Rund zwanzig Jahre nach seiner ersten Einzelausstellung im Kunstmuseum Solothurn, 1990, widmen wir dem Künstler eine Übersichtsausstellung mit Werken aus den Jahren 1977 bis 2011. Das künstlerische Schaffen verblüfft schon im Frühwerk durch eine radikale Einfachheit, die ihn in das Umfeld der Minimal Art rückt. Besonderes Interesse zeigt er bereits in den siebziger Jahren für die Frage des Gleichgewichts. Er sucht es vorerst im dualen Bezug unterschiedlicher Materialien, kombiniert Stein und Holz, Stein und Metall. In einem weiteren Schritt verbindet er Metallplatten und Vierkantstäbe. Heute beschränkt er sich auf Metallstäbe, die er zu vielteiligen, mit Moiré-Effekten spielenden Skulpturen aufschichtet und dabei erneut die Grenzen der Stabilität auslotet. Obwohl Frentzels Werke eine skulpturale Präsenz ausstrahlen, sind sie in ihrem Charakter der Installation verbunden, können jederzeit auf- und wieder abgebaut werden. Von derselben Leichtigkeit ist seine Laser-Kunst. Während der Ausstellung wird der Künstler zwischen Museum und Stadt Licht-Linien in den nächtlichen Himmel „zeichnen“.

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