continuo: Judith Albert und Anne Sauser-Hall

27.01.2018 – 08.04.2018

Unter dem gemeinsamen Thema der künstlerischen Aneignung zeigt das Kunstmuseum Solothurn zwei Künstlerinnen, die hauptsächlich mit dem Medium Video arbeiten. Die in Zürich lebende Judith Albert (*1969), die dem Solothurner Publikum vor allem durch die eindrucksvolle Arbeit L’ultima cena (2012) im Chorraum der St.-Ursen Kirche bekannt ist, trifft auf die Genferin Anne Sauser-Hall (*1953). Auffallend sind bei beiden Künstlerinnen Zitate aus der Kunstgeschichte. Während Judith Albert oft auf Félix Vallotton (1865-1925) rekurriert und so gar Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn zitiert, hat sich Anne Sauser-Hall vermehrt auf den französischen Frühimpressionisten Edouard Manet (1832-1883) bezogen. Neben Zitaten aus der Kunstgeschichte finden sich bei beiden auch Bezüge zu Politik und Religion, zu Tanz und Populärkultur. Tritt Judith Albert in ihren Videos oft selbst auf, arbeitet Anne Sauser-Hall für ihre choreografischen Inszenierungen mit Schauspielern. Die berühmten Bilder und Figuren werden jedoch nie nur kopiert, sondern vielmehr durch die künstlerische Umsetzung neu erschaffen und gesehen. Die zwei Vertreterinnen der Appropriation werden zwar bewusst aufeinander bezogen, die beiden Parterreflügel des Museums bilden jedoch zwei separate, räumlich abgegrenzte Seiten derselben thematischen Medaille.

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Ian Anüll: Untitled®. Arbeiten auf Papier

24.02.2018 – 13.05.2018

2003 hat das Kunstmuseum Solothurn Ian Anüll (*1948) eine grosse Überblicksausstellung gewidmet. Waren damals Gemälde, Objekte und Installationen zu sehen, erhält der Künstler im Graphischen Kabinett nun einen Auftritt mit Arbeiten auf Papier. Das Werk des Künstlers zeichnet sich sowohl durch poetische Leichtigkeit wie ein spürbares inhaltliches Gewicht aus. In einer breiten Auswahl mit Exponaten aus verschiedenen Schaffensphasen von den 1970er Jahren bis heute wird deutlich, wie humorvoll und tiefgründig seine Werke sind. Die Dichte von inhaltlichen, medialen und materiellen Aspekten ist verblüffend. So zaubert Anüll aus gefundenen Schnipseln mit dezenten Ergänzungen etwas Neues und gibt blossen Abfällen einen Wert zurück. Oder er durchlöchert und zerschneidet reale Geldscheine, um sie gleichsam umzuwerten. Neben der Vielfalt von Techniken wie Collage, Aquarell oder Zeichnung fällt der Reichtum von Stilen auf. Der Verzicht auf eine eigene, schnell erkennbare Handschrift erfolgt bewusst. Das für den Künstler selbst zum Trademark gewordene ® im Ausstellungstitel passt zum subversiven Spiel mit Marken und hinterfragt den Anspruch der Originalität. Mit dem Logo für «Registered Trademark» wird ein Bezug zu den Mechanismen des Kunstmarktes geschaffen. Hinter dem für den Kunstbetrieb so berüchtigten Untitled versteckt sich
Anülls dadaistischer «Non-Sense», der jedoch viel Raum für ein eigenständiges Sehen und Denken lässt.

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