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Der japanische Farbholzschnitt als Inspiration

Cuno Amiet, Martha Cunz und Oskar Tröndle im Dialog mit Katsushika Hokusai, Andô Hiroshige und weiteren Kunstschaffenden

08.07.2017 – 08.10.2017
Graphisches Kabinett

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfährt die japanische Kunst in Europa grosse Verbreitung. Zahlreiche Kunstschaffende begeistern sich für den sich daraus entwickelnden Japonismus und schufen, beeinflusst vom japanischen Farbholzschnitt, Werke in japanischem Stil, so auch Vertreter der Schweizer Moderne. Die Ausstellung im Graphischen Kabinett widmet sich den entsprechenden Mehrplattenholzschnitten von Cuno Amiet (1868–1961), Martha Cunz (1876–1961) und Oskar Tröndle (1883–1945) und zeigt sie im Kontext japanischer Farbholzschnitte. Die vom Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen konzipierte Ausstellung wird in Teilen übernommen und mit Werken aus der eigenen Sammlung ergänzt. Im Zentrum stehen die meisterhaften Blätter von Martha Cunz, von denen das Kunstmuseum Solothurn 2013 ein grosses Konvolut aus dem Nachlass der Künstlerin erwerben konnte. Auch die Farbholzschnitte der Solothurner Künstler Cuno Amiet und Oskar Tröndle zeigen in der Flächigkeit und der Konzentration auf Muster und Ornament den Einfluss japanischer Kunst und erlangen durch die Vereinfachung der Form eine grosse künstlerische Kraft. Dass die stilistischen Eigenschaften des Japonismus auch in Zeichnungen und Gemälden umgesetzt wurden, wird anhand von Beispielen aus der Sammlung gezeigt, so etwa mit Werken von Félix Vallotton (1865–1925) oder Giovanni Giacometti (1868–1933).

Nancy Wälti. verquer

Werke 2008-2017

13.05.2017 – 13.08.2017
Parterre West

Das Schaffen der Solothurner Künstlerin Nancy Wälti (*1977) ist in den letzten Jahren durch seine pointierte Wirkung aufgefallen und wird nun in einer ersten Einzelpräsentation in einem Museum vorgestellt. Die ausgebildete Steinbildhauerin wendet sich in ihren Skulpturen vom vertrauten Material des Steins und seiner klassischen Bearbeitung ab, um den Begriff der Bildhauerei geistreich zu hinterfragen. Ihre zumeist sehr einfachen, mit Gebrauchsgegenständen wie Schwämmen, Aschenbechern, Küchentüchern, Abfalleimern oder Fassadenlampen gefertigten Werke sind dem Alltag zwar verbunden, verwandeln diesen aber in surrealer Weise. Spielt sie in manchen Arbeiten mit dem subversiven Witz des "ready made", schafft sie in anderen mit dem Abgiessen vertrauter Gegenstände in Gips eine weitere Form der Verfremdung. Dabei rückt oft der grundsätzliche Charakter und Nutzen der Gegenstände ins Zentrum und öffnet ein weites Feld von existenziellen und gesellschaftlichen Fragen. Wie wichtig der Künstlerin inhaltliche Bezüge sind, zeigt sich auch in den sprechenden Titeln, die mit derselben Präzision gewählt sind wie Material, Grösse und Platzierung der Arbeiten. Neben dreidimensionalen Werken sind auch grossformatige Zeichnungen zu sehen, die sich in ihrer kleinteiligen Ausführung von den schlagenden Skulpturen zu unterscheiden scheinen. Aber auch diese sind gedanklich weit komplexer, als der erste Blick glauben macht.

La Brocca Nera

Aspekte der Sammlung des Kunstvereins Solothurn

08.04.2017 – 06.08.2017
Nordwestsäle des ersten Stocks

Der Kunstverein Solothurn lädt zu einer Entdeckungsreise durch seine Sammlung ein. Das 1972/73 entstandene Gemälde "La Brocca Nera" der Solothurner Künstlerin Anje Hutter (*1930) bildet den Ausgangspunkt der assoziativ komponierten Ausstellung. Das Stillleben mit einem Krug ist von minimaler Schlichtheit und lebt von der Farbe und ihrer subtilen Nuancierung. Ausgehend von diesem Bild und seiner stilistischen oder inhaltlichen Wirkung werden Verbindungslinien zu weiteren Werken aus der Sammlung des Kunstvereins Solothurn gezogen. Seit der Vereinsgründung 1850 wächst die Sammlung des Kunstvereins kontinuierlich. Die von Kunstschaffenden sowie von Mitgliedern geschenkten oder an Jahresausstellungen angekauften Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Video-Arbeiten erreichen heute den stattlichen Umfang von 450 Werken. In der Ausstellung "La Brocca Nera" kann das Publikum die Sammlung des Kunstvereins in neuen Zusammenhängen kennenlernen und bislang selten oder sogar nie ausgestellte Arbeiten entdecken.

Eine Künstlerfamilie

Robert, Miriam und Manuel Müller

11.03.2017 – 18.06.2017
Graphisches Kabinett

Das Schaffen des Bildhauers und Zeichners Robert Müller (1920-2003) ist in der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn breit vertreten und mehrmals in Einzelausstellungen gewürdigt worden. Nun widmet sich das Kunstmuseum den künstlerischen Verbindungen zu seiner Ehefrau Miriam (1926-2007) und dem gemeinsamen Sohn Manuel (*1955). Während die skulpturalen und grafischen Werke des in Lausanne lebenden Künstlers Manuel Müller durch viele Ausstellungen bekannt geworden sind, werden die Zeichnungen und Malereien von Miriam Müller Shir erstmals gezeigt. Die aus New York stammende Künstlerin war ausgebildete Goldschmiedin und hinterliess nur ein kleines, sehr privates Oeuvre.

Gilgian Gelzer. Pencilmania

Zeichnungen und Fotografien 2006-2016

14.01.2017 – 23.04.2017
Parterre Ost

Das Kunstmuseum Solothurn widmet Gilgian Gelzer die erste Einzelausstellung in einem Schweizer Museum. Neben den viel beachteten Zeichnungen, mit denen der Künstler in den letzten Jahren international bekannt geworden ist, wird auch eine Auswahl kleinformatiger Fotografien gezeigt. Präsentiert werden Werke der letzten zehn Jahre. Der Ausstellungstitel "Pencilmania" verbindet die Begriffe "Pencil" (engl. = Bleistift) und "Mania" (ital. = Wahnsinn). Zugleich erinnert der Titel an die fast gleichlautende geografische Bezeichnung "Pennsylvania", die für ein bestimmtes Territorium steht. Tatsächlich suggerieren nicht nur Gelzers Fotografien, sondern auch seine Arbeiten auf Papier landschaftliche Räume. Tritt in seinen Zeichnungen die Linie als dominante Kraft auf, findet sie sich anhand alltäglicher, „wegweisender“ Sujets wie Brücken, Schienen, Strassen und Pfade auch in seinen Fotografien. Die Linie wird zum eigentlichen Leitmotiv, das den Blick leitet und lenkt.

Freispiel

Kunstverein Solothurn

19.11.2016 – 05.02.2017
Graphisches Kabinett

Das Freispiel, das parallel zur Kantonalen Jahresausstellung im Graphischen Kabinett stattfindet, stösst beim Publikum seit der Premiere im Jahr 2008 auf grosses Interesse. Eingeladen werden Künstlerinnen und Künstler mit Solothurner Bezug, die mit ihren Arbeiten an vergangenen Jahresausstellungen und darüber hinaus besonders aufgefallen sind. Mit der Plattform des Freispiels möchte der Kunstverein Solothurn vor allem das Schaffen jüngerer Künstlerinnen und Künstler vermitteln und ihnen damit die Möglichkeit bieten, breiter auf ihr Werk aufmerksam zu machen.

Das diesjährige Freispiel zeigt drei Künstlerinnen, die mit dem Kanton Solothurn eng verbunden sind: Dimitra Charamandas, Maja Rieder und Lex Vögtli. Mit dieser ebenso starken wie stimmigen Wahl können im Graphischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn drei eigenständige Positionen näher entdeckt werden.

Hommage à Oscar Wiggli

18.06.2016 – 12.03.2017
Erster Stock, Nordwestsäle

Das Kunstmuseum Solothurn widmet Oscar Wiggli, der am 26. Januar 2016 in Muriaux (JU) gestorben ist, eine Hommage. In zwei Sälen des ersten Stockes ist eine Auswahl aus der Sammlung des Kunstmuseums zu sehen. Während der Schwerpunkt auf dem Frühwerk liegt, gehören die aus dem Nachlass stammenden Sound-Lavis zum späteren Schaffen. Der Künstler war nicht nur Eisenplastiker sondern auch Zeichner, Fotograf, Druckgrafiker und Musiker.

32. Kantonale Jahresausstellung

Kunstverein Solothurn

19.11.2016 – 02.01.2017
Ganzes Parterre

Der Kunstverein Solothurn organisiert dieses Jahr die 32. Kantonale Jahresausstellung der Solothurner Künstlerinnen und Künstler. Aus den Eingaben der Kunstschaffenden - dieses Jahr wurden rund 150 Dossiers eingesandt - bestimmte die Jury, zusammengesetzt aus ausgewiesenen Persönlichkeiten der nationalen Kunstszene und zwei Mitgliedern des Vorstands des Kunstvereins Solothurn, eine attraktive Auswahl. Die Ausstellung bietet mit 66 Werken von 44 Künstlerinnen und Künstlern eine konzentrierte Sicht auf das aktuelle Kunstschaffen unserer Region. Alle Medien sind vertreten und führen zu einem abwechslungsreichen, interessanten Rundgang durch die Säle des Kunstmuseums Solothurn. Gezeigt werden Arbeiten von Künstlern verschiedenster Generationen, die älteste Künstlerin hat den Jahrgang 1943, der jüngste Künstler ist 26 Jahre alt. An der Vernissage wird wiederum der Auszeichnungspreis der Stadt Solothurn und des Kunstvereins Solothurn für eine herausragende Arbeit verliehen.

Zeit verstreichen

Moment und Dauer in der Gegenwartskunst

20.08.2016 – 30.10.2016
Ganzes Parterre

Mit Giro Annen, Julian Charrière, David Claerbout, Peter Dreher, Luca Frei, Alexander Hahn, On Kawara, Claudia Kübler, Alicja Kwade, Ursula Müller, Roman Signer, René Zäch, Anna-Sabina Zürrer. Unter dem Titel "Zeit verstreichen. Moment und Dauer in der Gegenwartskunst" zeigt das Kunstmuseum Solothurn ab dem 20. August eine thematische Ausstellung von grosser Aktualität, ist das Phänomen der Zeit und ihr scheinbar immer schnelleres Verstreichen doch in aller Munde. Neben dem Fokus auf die Schweizer Kunst werden wichtige internationale Positionen gezeigt, die in den unterschiedlichsten Medien – Installation, Video, Skulptur, Malerei, Zeichnung und Fotografie – das Phänomen der Zeit reflektieren. Die über alle sieben Säle des Parterres angelegte Ausstellung bewegt sich zwischen den Polen von Moment und Dauer. Sie befasst sich mit dem Spannungsfeld zwischen notwendiger Vergänglichkeit und ersehnter Verewigung, thematisiert das unablässige Fliessen der Zeit sowie den Wunsch, sie festhalten zu können.

Iris Hutegger und Alice Bailly

20.08.2016 – 30.10.2016
Graphisches Kabinett

Die zeitgenössische Künstlerin Iris Hutegger (*1964) und die bedeutende Schweizer Kubistin Alice Bailly (1872-1938), die sich im Graphischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn begegnen, trennen mehrere Generationen und unterschiedliche Kunstformen. Ihr „Malen mit Fäden“ bildet jedoch eine Brücke und regt zum Vergleich an: zwischen den Wollbildern, den sog. Tableaux laine von Alice Bailly und den mit der Nähmaschine bearbeiteten Fotografien von Iris Hutegger. Dabei zeigen die Werke eine Radikalität und Sinnlichkeit, die alle Klischee-Vorstellungen herkömmlicher Textilkunst fulminant unterlaufen. Das Hauptgewicht der Ausstellung, die sich auf drei Säle und den Verbindungsgang erstreckt, gilt dem Schaffen von Iris Hutegger. Dabei handelt es sich um die erste grössere Präsentation in einem Museum. Zur ausgefallenen Technik benähter Fotografien ist Iris Hutegger durch einen Zufall gekommen: Als ihr eine eigene Fotografie allzu banal vorkam, legte sie den Abzug wütend unter die Nähmaschine, um das Bild zu zerstören. Dabei entdeckte sie, dass die Darstellungen dank dem Gespinst von farbigen Fäden, die an Moose oder Netze erinnern, eine plastische Präsenz erhalten, die das Erleben steigern – und zugleich die Illusion des Motivs brechen. Nicht nur der Wechsel der Grössen, sondern auch der Seh-Distanz ermöglicht ganz unterschiedliche Eindrücke zwischen Illusion und Ungegenständlichkeit.

Paradiesgärten und Bauernleben

Sammlungswerke im Dialog mit dem Aussenprojekt "erntema(h)l!" des Kunstvereins Solothurn

15.06.2016 – 27.11.2016
Sammlungssäle

Mit einem Blick auf Gärten, Motive aus der Landwirtschaft und dem bäuerlichen Leben sowie auf den gedeckten Tisch antwortet das Kunstmuseum Solothurn mit Werken aus der Sammlung auf das Aussenprojekt erntema(h)l! des Kunstvereins Solothurn. Das Projekt erntema(h)l! besteht aus einem Nutzgarten sowie einer Hähnchenaufzucht im Museumspark. Der Garten und das Tiergehege sind symmetrisch neben dem Signer-Brunnen angesiedelt und werden von einer grossen Anzahl freiwilligen Helferinnen und Helfern bewirtschaftet. Am 10. September dieses Jahres münden die Aktivitäten in ein grosses Gastmahl. Das Konzept stammt vom Thurgauer Künstler Max Bottini, der sich seit den frühen 1990er Jahren mit dem Kulturthema Essen beschäftigt. Seine Projekte sind soziale Plastiken, die aus zahlreichen Beteiligten entstehen. Ein Garten, der nicht mehr nur auf der Leinwand, sondern physisch erfahrbar wird, bedeutet eine konsequente Weiterentwicklung der Kunst. Das Publikum wird bei Projekten wie erntema(h)l! in die Aktivität eingebunden und Teil des Kunstwerks. Mit der Sesshaftigkeit vor 10‘000 Jahren beginnt der Mensch die Natur zu gestalten und den Boden zu nutzen. Seitdem ist der Garten Sicherung der Existenz und Erholungsraum zugleich. Dass der Garten als ein Ort der Kontemplation und der Besinnlichkeit gilt, betont das im Verlauf der Zeit wiederkehrende Motiv des Hortus conclusus, des abgeschlossenen Garten, in dem sich vor allem Frauen und Kinder aufhalten. Ein häufiges Motiv in der Kunst der Schweiz um die Jahrhundertwende und zu Beginn des 20. Jahrhundert war die Darstellung des bäuerlichen Lebens und das Umfeld des Bauern. Als Gegenentwurf zur Industrialisierung wurde mit der Rückbesinnung auf das einfache Leben der Bauer als Mensch in seiner urtümlichsten Lebensform begriffen und als Held stilisiert. Als Stillleben treten die Produkte aus der Natur in der Malerei und heute auch in Installationen in Erscheinung. Diese unbewegten Szenerien sind nicht nur eine willkommene Gelegenheit, das künstlerische Talent unter Beweis zu stellen, sondern bieten Kunstschaffenden auch die Möglichkeit, auf die Symbolik der Gegenstände einzugehen.

Phönix aus der Asche

Eine Präsentation der Kunstvermittlung zur Ausstellung von Ingeborg Lüscher

28.05.2016 – 31.07.2016
Graphisches Kabinett

Unter der Leitung der beiden Kunstvermittlerinnen Claudia Leimer und Regula Straumann haben sich der Kinderclub des Kunstmuseums Solothurn sowie Schulklassen und ein Kindergarten mit dem Schaffen von Ingeborg Lüscher auseinandergesetzt. Ingeborg Lüschers Ausstellung Das Licht – und die Dunkelheit knapp unter den Füssen war den Kindern und Jugendlichen Inspiration für ihre eigenen Werke: Wie bei der Künstlerin Ingeborg Lüscher treten Gelb und Schwarz leitmotivisch in allen Räumen des Graphischen Kabinetts auf. In den grossformatigen Kleisterbilder haben die Kinder des Kinderclubs Zeichen und Muster eingeritzt und damit den hellen oder dunklen Hintergrund an die Oberfläche geholt. Alltägliche Objekte werden in Vitrinen in einen neuen Kontext gestellt. Besonders intensiv haben sich die Kinder und Jugendlichen mit dem Bernsteinzimmer beschäftigt, wie verschiedene Arbeiten zeigen: So sind Seifen mit Einkerbungen präsentiert oder auch schwarze Schachteln, deren rätselhaftes Innenleben gelb strahlt. Wir danken dem Kindergarten Hubelmatt, der 5. Klasse Bellach und der 6. Klasse Zuchwil, der Integrationsklasse ECAP, der Atelierklasse der Roj-Mittelschulen sowie dem Kinderclub des Kunstmuseums für ihr Engagement!

Ingeborg Lüscher

Das Licht – und die Dunkelheit knapp unter den Füssen

30.04.2016 – 24.07.2016
Ganzes Parterre

Nach 1983 und 1996 widmet das Kunstmuseum Solothurn dem Schaffen von Ingeborg Lüscher (*1936) die dritte Einzelausstellung. Die seit vielen Jahren im Tessin lebende Künstlerin gehört mit ihrem multimedialen Schaffen, das Installation, Skulptur, Malerei, Fotografie und Videokunst umfasst, zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Gegenwartskunst. Mit ihren mehrmaligen Auftritten an der Documenta in Kassel und der Biennale in Venedig sowie mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland wurde sie einem breiten Publikum bekannt. In einer grossen Ausstellung werden Meisterwerke aus allen Schaffensphasen mit neuen und erstmals präsentierten Fotoserien kombiniert. Die im Ausstellungstitel beschriebene Dialektik von Hell und Dunkel wird in der Werkauswahl gespiegelt, treffen doch Werke von eindrucksvoller Sinnlichkeit und Vitalität auf sehr nachdenkliche Arbeiten, die in ihrer existenziellen Tiefe berühren. Für die beiden Pole können zwei kapitale Exponate stehen: Das aus Tausenden von bernsteinfarbenen Seifenstücken gebaute "Bernsteinzimmer" (2003), das erstmals in einem Schweizer Museum gezeigt wird, sowie die Video-Installation "Die andere Seite" (2011), in der wir mit den Gesichtern trauernder Hinterbliebener palästinensischer wie auch israelischer Opfer konfrontiert werden.

„Liebes Fräulein Gertrud“

Die Sammlerin Gertrud Dübi-Müller: ihre Geschwister und Künstler

20.02.2016 – 16.05.2016
Graphisches Kabinett

Mit "Liebes Fräulein Gertrud" hat Ferdinand Hodler (1853–1918) einen seiner vielen Briefe an Gertrud Dübi-Müller (1888–1980) adressiert. Die beiden verband eine enge Freundschaft, von der neben einem regen Briefwechsel auch zahlreiche Bildnisse zeugen, in denen Hodler die jugendliche Schönheit seiner Sammlerin festgehalten hat. Die Ausstellung geht von der bedeutenden Solothurner Kunstsammlerin und Mäzenin Gertrud Dübi-Müller und ihrer Familie aus und zeigt sie in Werken ihrer Künstlerfreunde. Neben mehreren Hodler-Porträts von Gertrud Dübi-Müller befinden sich in der Solothurner Sammlung auch Werke von Cuno Amiet, Hans Berger, Hermann Haller und Fritz Klimsch, die ihre verehrte Sammlerin und ihre ebenso kunstbegeisterten Geschwister in Bildnissen und Skulpturen festgehalten haben. Anlass der Ausstellung ist die kürzliche Schenkung von Hodler-Zeichnungen aus dem Nachlass von Rudolf Schindler (1914–2015). Darunter befinden sich v. a. Studienblätter, mit denen Hodler Bildnisse von Gertrud Dübi-Müller und ihren Geschwistern vorbereitet hat. Es werden zudem Fotografien gezeigt, die die Sammlerin selbst als künstlerisch begabte Zeitzeugin ausweisen.

Christoph Rütimann

Die Linie im Kopf

23.01.2016 – 03.04.2016
Ganzes Parterre und Sammlungssäle im ersten Stock

Christoph Rütimann (*1955) gehört zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart. Er ist mit Performance und Installation ebenso hervorgetreten wie mit Video, Skulptur, Malerei und Zeichnung. 1993 vertrat er die Schweiz an der Biennale in Venedig. Grosse Einzelausstellungen fanden 2007/08 im Kunstmuseum Bonn, im Kunstmuseum St. Gallen und im Kunstmuseum Thurgau sowie 2012 im Kunsthaus Zug statt. Das Kunstmuseum Solothurn zeigt nun einen breiten Überblick seines zeichnerischen Werks, von 1986 bis heute, in dem sich ganz unterschiedliche Ausdrucksweisen begegnen. Gezeigt werden aber auch Skulpturen und Filme, in denen die Linie als Raumzeichnung auftritt. Berühmt sind Christoph Rütimanns "Handlauf"-Videos, in denen der Künstler die Kamera über Geländer oder Handläufe führt. Die filmischen Wanderungen können in der Ausstellung auf Bildschirmen verfolgt werden, die auf Bauabschrankungen und Stangen montiert sind. Eine weitere Arbeit befindet sich im ersten Stock: Mit der "Grossen Linie" (1989/2015) reagiert der Künstler auf die Sammlung. Als "fil noir" zieht sich eine schwarze Tuschelinie, verteilt auf eine Vielzahl unterschiedlich breiter Holzrahmen, in rhythmischer Abfolge durch die Sammlungsräume. Die Linie wird zur Horizontlinie und verbindet die ganz unterschiedlichen Bildmotive.

Christoph Rütimann

Die grosse Linie

24.11.2015 – 16.05.2015
Sammlungssäle, erster Stock

Beim Betreten der Säle im ersten Stock erlebt das Publikum eine Überraschung. Mit einer Intervention hat der bekannte Schweizer Künstler Christoph Rütimann (*1955), dem zu Beginn des neuen Jahres eine grosse Einzelausstellung in den Parterre-Sälen des Kunstmuseums Solothurn gewidmet war, auf unsere Sammlung reagiert. Beeindruckend ist die Platzierung seiner Grossen Linie (1989/2015), die er als "fil noir" durch die Sammlungssäle laufen lässt: Eine 46,69 Meter lange, schwarze Tuschelinie zieht sich über zusammengesetzte Papierbögen, die auf eine Vielzahl unterschiedlich breiter, aber gleich hoher Holzrahmen verteilt sind. Zwischen die Gemälde unserer Sammlung gerückt, bilden die eingefügten Rahmen ein langes Band. Die Tuschelinie wird zur Horizontlinie, welche die ganz unterschiedlichen Bildmotive verbindet und den ungewöhnlichen Hänge-Rhythmus ausgleicht. Die 46,69 ist eine spezifische Zahl. Mit ihr greift Rütimann auf die sogenannte Chaoskonstante zurück, die der Physiker Mitchell Feigenbaum in den 1970er Jahren entdeckte. Sie markiert den Grenzwert, an dem die Ordnung ins Chaos kippt. Die Dialektik unterschiedlicher Rhythmen und Erscheinungen bestimmt die gegenüberliegenden Museumswände. Werden die Gemälde auf der einen Wand klassisch gehängt und unverbunden präsentiert, begegnen sie sich auf der Gegenseite, mit Rütimanns Grosser Linie, in spezieller Anordnung. Die unterschiedlichen Rhythmen erzeugen eine fast musikalische Gesamtwirkung wechselnder Tempi im Raum.

Otto Morach

Arbeiten auf Papier

24.10.2015 – 31.01.2016
Graphisches Kabinett

Otto Morach (1887–1973) gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Schweizer Moderne. Ab 1910 reiste der Solothurner wiederholt nach Paris, wo er den Kubismus und Futurismus kennen lernte und in seinem Schaffen verarbeitete. Galten bisherige Ausstellungen vor allem Morachs innovativer Malerei, zeigt das Kunstmuseum Solothurn innerhalb seines langjährigen Engagements für die Zeichnung nun die weniger bekannten, doch ebenso hervorragenden Arbeiten auf Papier. Sie weisen den Künstler als einen der eigenständigsten und besten Zeichner seiner Generation aus. Die Ausstellung geht von Werken aus dem reichen Nachlass aus und ergänzt sie mit Leihgaben aus Museums- und Privatbesitz. Im Zentrum stehen grossformatige, selbständige Blätter: Gouachen und Aquarelle, Kohle-, Bleistift- und Federzeichnungen. Daneben sind auch seine expressionistischen Holzschnitte, eine Auswahl von Skizzenbüchern und selbst gestaltete Postkarten zu sehen. Einen der Höhepunkte bildet die Präsentation von 21 Gouachen, mit denen der Künstler 1918 seine Puppen zum Marionettentheater "Boîte à joujoux" vorbereitet hat. Die Stilisierung der Marionetten, die zeitgleich bei der mit Morach befreundeten Künstlerin Sophie Taeuber-Arp auftreten, findet sich auch bei den Akt- und Porträtzeichnungen, die in ihrer Verdichtung begeistern.

Vaclav Pozarek

SO

19.09.2015 – 03.01.2016
Ganzes Parterre

Der Bildhauer und Zeichner Vaclav Pozarek, 1940 in der Tschechoslowakei geboren, gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Gegenwartskunst in der Schweiz, wohin er 1968 ausreiste. Ab 1969 schlossen sich Studien an der Hochschule der bildenden Künste Hamburg sowie an der St. Martin’s School of Art London an. 1973 zog Pozarek nach Bern, wo er bis heute lebt. Unter dem lapidaren und doch humorvoll schillernden Titel SO, der sowohl für den Ausstellungsort Solothurn wie für eine Handlungsanweisung stehen kann, zeigt Vaclav Pozarek rund zehn Jahre nach seiner letzten Übersichtsausstellung in Winterthur erneut eine gross angelegte Ausstellung. In den sieben Parterre-Sälen des Kunstmuseums Solothurn legt er einen Parcours an und geht dabei auf die räumlichen Gegebenheiten ein. Eigens für die Ausstellung hat er neue Installationen entwickelt. Zu diesen gruppiert er Skulpturen der letzten zehn Jahre. Eine Auswahl seiner neuen Arbeiten auf Papier, in denen sich sein Interesse für Typografie und Architektur spiegelt, ergänzt das Ensemble. Dieses spielt, ebenso ernsthaft wie leicht, zwischen Bedeutungen, Raumebenen und Dimensionen, zwischen Plan, Modell und körperhafter Wirklichkeit.

Hommage an Eva Aeppli

01.07.2015 – 05.06.2016
Erster Stock, Nordwestsaal

Kurz nach ihrem 90. Geburtstag ist am 4. Mai 2015 die Plastikerin, Malerin und Zeichnerin Eva Aeppli in Honfleur, ihrem langjährigen Wohnort, gestorben. Sie pflegte enge freundschaftliche Verbindungen zum Kunstmuseum Solothurn, wo ihr André Kamber 1994 die erste grosse Retrospektive einrichtete. In der Solothurner Sammlung befinden sich denn auch mehrere Hauptwerke der Künstlerin, u. a. ihre dem Museum 2005 geschenkten Livres de Vie (1954–2002), einer einzigartigen Sammlung von 15 grossformatigen Büchern, in denen sie Fotos, Briefe und Zeichnungen ihres Künstler- und Freundeskreises einklebte und mit eigenen Werken ergänzte. Mit der im Nordwestsaal des Ersten Stockes eingerichteten kleinen Ausstellung möchten wir Eva Aeppli und ihr bedeutendes Schaffen würdigen und zugleich an ihre Grosszügigkeit erinnern.

Ansichtssache

Veduten aus der Sammlung

27.06.2015 – 04.10.2015
Graphisches Kabinett

Der aus dem Italienischen stammende Begriff der Vedute (Veduta = Ansicht, Aussicht) meint eine Darstellung, deren Ziel die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe einer Landschaft oder einer Stadtansicht ist. Zur Ausstellung gehören u.a. Veduten aus Solothurn und seiner Umgebung von Laurent Louis Midart (1733?–1800) und von Franz Graff (1803-1859). Die farbigen Blätter beeindrucken in ihrer zeichnerischen Qualität und topografischen Präzision. Ausgehend von diesen meisterhaften Arbeiten setzt die Ausstellung klassische Veduten in den Dialog mit zeitgenössischen Positionen. Heute ist es oft Ansichtssache, welche Anblicke einen bestimmten Ort definieren. Exemplarisch führt dies Ingo Giezendanner (GRRRR, *1975) vor, der eigens für die Ausstellung zusätzliche Veduten der Stadt Solothurn schafft – und damit gleichsam zum Stadt-Zeichner wird. Und zuweilen werden wie in "Topologie der Erinnerung" (1986–87) von Felix Stephan Huber (*1957) sogar verschiedene Schauplätze miteinander verbunden. Die Ausstellung ist ohne Vernissage zugänglich ab Samstag, 27. Juni 2015.

Annatina Graf

Traversata

13.06.2015 – 30.08.2015
Parterre West

Das Schaffen der Malerin, Zeichnerin und Videokünstlerin Annatina Graf (*1965) kreist um Fragen von Bild und Vorstellung, Erinnerung und Vergänglichkeit. Oft bezieht sie sich hierfür auf den Foto-Fundus ihres eigenen Familienlebens. Dank der formalen Offenheit ihrer Werke stehen gleichwohl nie private, sondern allgemeine Fragen im Zentrum. Zu solcher Distanzierung trägt auch die ungewöhnliche Palette bei: Der nach Grundfarben getrennte Malauftrag basiert auf einem elektronischen Filterprogramm, das die Künstlerin als Hilfsmittel benutzt. Trotz des fast maschinellen Vorgehens verleiht die manuelle Lasurtechnik auf silbernen Oberflächen den Werken eine besondere Sinnlichkeit. Das Spiel von Auflösung und Verdichtung, das sich beim Glanz der Malgründe im Vorüberschreiten ergibt, zeigt sich in anderer Weise auch bei den Bleistift-Zeichnungen. Auf den grobkörnigen Papieren lösen sich die Motive auf. In neuen monochromen Malereien wendet sich Annatina Graf der Welt des (Alp-)Traums zu. Auf die einfühlsame Ansicht von Schlafenden folgen damit gleichsam deren bizarre Innensichten. Die Ausstellung, bei der es sich um die erste museale Einzelschau der Künstlerin handelt, erstreckt sich über vier Säle, verbindet Malerei, Arbeiten auf Papier und Videokunst. Die zur Ausstellung von Annatina Graf eingerichtete Accrochage im Gegenflügel ist nicht mehr zugänglich.

Turo Pedretti

Eine Retrospektive

07.03.2015 – 25.05.2015
Ganzes Parterre

Der Bündner Künstler Turo Pedretti (1896–1964) gehört zu den bedeutenden Schweizer Malern, die nach dem Zweiten Weltkrieg der Gegenständlichkeit treu geblieben sind. In der Auseinandersetzung mit der expressionistischen Maltradition des eigenen Landes, vor allem mit Giovanni Giacometti und Cuno Amiet, aber auch mit Ernst Ludwig Kirchner, Edvard Munch und Henri Matisse findet Pedretti seinen künstlerischen Weg. Auch wenn zuweilen zarte und poetische Werke auftreten, beeindruckt v. a. die vitale Kraft seiner Malerei. Das fulminante Spätwerk ist ganz besonders bestimmt von einer leuchtenden Palette und einem freien Malstil; die dynamische Pinselführung führt zu einer Vereinfachung und Verfestigung der Form. In seinen meisterhaften Winter- und Nachtlandschaften, den Jagdstillleben und Tierbildern zeigt sich Pedrettis Verbundenheit mit der Natur und seiner Engadiner Heimat. Mit Solothurn pflegte der Künstler enge Verbindungen: Neben einer Einzelausstellung im hiesigen Berufsschulhaus im Jahr 1964 wurde er bereits früher als Gast zur Weihnachtsausstellung ins Museum eingeladen. Stadt und Kunstverein Solothurn haben sich damals mit Ankäufen für sein Schaffen eingesetzt. Mit der jetzigen Retrospektive, die Meisterwerke von 1916 bis 1963 umfasst und neben Gemälden auch Aquarelle einschliesst, soll dem eindrucksvollen Werk nach der kürzlich erschienenen Monographie zusätzliche Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Peter Stoffel

Nordwestpassage

07.03.2015 – 14.06.2015
Graphisches Kabinett, Treppenhaus, erster Stock

Der in Genf lebende Künstler Peter Stoffel (*1972) hat sich in seiner Malerei konsequent dem Thema der Landschaft verschrieben. Die Topografie des Appenzells hat den in Herisau aufgewachsenen Künstler früh beeindruckt und geprägt. Diese Erinnerungen bilden auch heute noch den Ausgangspunkt für seine malerischen und inhaltlichen Recherchen. Dabei ist der Künstler stets auf der Suche nach dem unbekannten Raum. Mit dem Blick eines Geologen fügt Peter Stoffel malerische Strukturen und Farben auf Papier oder Leinwand zu erfundenen «Kopflandschaften». Sein Interesse für die fraktale Geometrie führt zu vielschichtig aufgebrochenen Flickenteppichen aus Landschaftsfragmenten, die sich unendlich weiterführen lassen könnten und eine Verortung verunmöglichen. Das «all over» der kleinformatigen Arbeiten wie auch der monumentalen Gemälde führt dabei zur Unsicherheit, ob es sich um Nah- oder Fernsichten, Mikro- oder Makroansichten handelt. So erinnern die gemalten Formen nicht nur an Landschaften, sondern auch an geologische Karten oder Satellitenbilder. Manche Kompositionen lösen sich in geometrische Formen und abstrakte Farbflächen auf und lassen an kristalline Strukturen denken. Die erste museale Einzelausstellung des zweifachen Trägers der Swiss Art Awards ist – motiviert durch die ganz unterschiedlichen Formate – räumlich aufgeteilt. Sie erstreckt sich über das ganze Graphische Kabinett und führt über das Treppenhaus in den Nordwestsaal des ersten Stockes.

David Chieppo

Happity

21.06.2014 – 19.10.2014
Graphisches Kabinett

Mit der Ausstellung des seit 1998 in Zürich lebenden Künstlers David Chieppo (*1973) führt das Kunstmuseum Solothurn die Vermittlung von zeitgenössischer Malerei fort. Die letzte grosse Ausstellung von David Chieppo fand 2008 anlässlich der Verleihung des Manor-Kunstpreises im Kunstmuseum Winterthur statt. Daran anknüpfend, zeigt die Solothurner Ausstellung im Graphischen Kabinett Arbeiten der vergangenen sechs Jahre und umfasst neben Gemälden auch Zeichnungen und Lithographien. Als Vertreter einer jüngeren Malergeneration beschäftigt sich David Chieppo fast ausschliesslich mit der Figuration und erprobt ihre materielle Verlebendigung. Als Vorlagen dienen ihm neben alltäglichen Eindrücken sowohl kunsthistorische Quellen und Bilder aus der Presse, als auch Comics oder Filmstills. Oft löst er diese aus dem ursprünglichen Kontext heraus und fügt sie zu neuen Bildfindungen. Die thematische und emotionale Vielschichtigkeit seiner Arbeiten wird aufgrund des pastosen Farbauftrags und des expressiven, breiten Pinselduktus oft erst auf den zweiten Blick erkennbar. In seinem Werk zeigt sich David Chieppo als sensibler Beobachter gesellschaftlicher und politischer Themen, der seine Motive mit grosser Empathie erfasst.

30. Kantonale Jahresausstellung

Kunstverein Solothurn

22.11.2014 – 04.01.2015
Ganzes Parterre

Der Kunstverein Solothurn ist 2014/15 wiederum Veranstalter der Kantonalen Jahresausstellung in Solothurn, dieses Jahr zum 30. Jubiläum. Teilnahmeberechtigt sind Kunstschaffende, die im Kanton Solothurn wohnen oder heimatberechtigt sind, die als Mitglieder den Kunstvereinen Olten oder Solothurn, der Kunstgesellschaft Grenchen oder der visarte.solothurn angehören. Aus den Eingaben der Kunstschaffenden bestimmt eine Jury, zusammengesetzt aus ausgewiesenen Persönlichkeiten der nationalen Kunstszene und zwei Mitgliedern des Vorstands des Kunstvereins Solothurn eine attraktive Auswahl. Die Ausstellung bietet dem interessierten Publikum eine konzentrierte Sicht auf das aktuelle Kunstschaffen unserer Region. An der Vernissage wird zum sechsten Mal der Auszeichnungspreis der Stadt Solothurn und des Kunstvereins Solothurn für eine herausragende Arbeit verliehen. 2012 wurde die beeindruckende Arbeit "Die Forelle" (2012) der Künstlerin Luzia Hürzeler (*1976) ausgezeichnet. www.kunstverein-so.ch

Freispiel

Kunstverein Solothurn

22.11.2014 – 04.01.2015
Graphisches Kabinett

Das "Freispiel", das parallel zur Jahresausstellung im Graphischen Kabinett stattfindet, stösst beim Publikum seit dem Einstieg im Jahr 2008 auf grosses Interesse. Eingeladen vom Vorstand des Kunstvereins Solothurn werden Künstlerinnen und Künstler mit Solothurner Bezug, die mit ihren Arbeiten an vergangenen Jahresausstellungen besonders auffielen. Mit der Plattform des "Freispiels" möchte der Kunstverein Solothurn vor allem das Schaffen jüngerer Künstlerinnen und Künstler vermitteln und ihnen damit die Möglichkeit bieten, breiter auf ihr Werk aufmerksam zu machen. Das Graphische Kabinett wird den eingeladenen Kunstschaffenden als experimentelles Labor zur Verfügung gestellt. Bei der Auswahl der künstlerischen Positionen sind nicht nur qualitative Aspekte ausschlaggebend, sondern auch der Wunsch, unterschiedliche Positionen und Medien in einen Dialog zu bringen. Damit kann dem Publikum zusätzlich zur Jahresausstellung ein besonderer Anreiz geboten werden. www.kunstverein-so.ch

Ruedi Fluri

Papierwerke

23.08.2014 – 02.11.2014
Parterre West

Der Solothurner Künstler Ruedi Fluri (*1948) ist nach einer Ausbildung zum Industrie- Designer an der Schule für Gestaltung Zürich und einer Tätigkeit als Designer 1981 an seinen Ausbildungsort zurück gekehrt, wo er bis vor kurzem unterrichtet hat. Daneben sind künstlerische Arbeiten entstanden, die ihre Herkunft aus dem Objekt-Design nicht verbergen, dieses aber – dank Fluris Anspruch der "Verwandlung" – hinter sich lassen. Zum Reiz der Modelle aus Abfallstoff, Papier oder Karton gehört gleichwohl die Frage, ob sie sich nicht doch realisieren liessen, als Lampe, Stuhl, Hochhaus oder gar als ganze Stadt. Umgekehrt konnte sich das Publikum bei der monumentalen Umsetzung eines seiner Modelle an viel kleinere Alltagsgegenstände erinnert fühlen: So hat der 2010 in der Solothurner Weststadt temporär errichtete Rundbau bald den Namen "Lampenschirm" erhalten. In seiner Ausstellung beschäftigt sich Ruedi Fluri nicht nur mit den fast unendlichen Möglichkeiten von Faltungen, sondern auch mit dem Massstab und der Platzierung seiner Objekte zwischen Boden, Tisch und Wand. Eine "Werkstatt", die an sein Atelier als Labor erinnert, wird mit dem interessierten Publikum gemeinsam betrieben. Zwei grosse Objekte im Museumspark schliesslich tragen Fluris Geist phantastischer Vielfalt auch in den Aussenraum.

Accrochage zur Ausstellung von Ruedi Fluri

23.08.2014 – 02.11.2014
Parterre Ost

Die Sammlungsausstellung, die im zweiten Parterre-Flügel präsentiert wird, nimmt nicht nur ein wichtiges Werk von Ruedi Fluri aus der Sammlung des Kunstvereins Solothurn auf, sondern zeigt mit ausgesuchten Exponaten anderer Künstlerinnen und Künstler auch Verbindungslinien zu seinem Schaffen auf. Kriterien der Auswahl waren Fluris Interesse für Modelle und die damit verbundene Frage des Massstabs, seine Hinwendung zu Objekt und Architektur sowie sein spielerischer Umgang mit geometrischen Formen. Auch seine Vorliebe für Papier und Karton sowie die „Verwandlung“ von alltäglichen (Abfall-)Produkten in Kunstwerke spiegelt sich in unserer Präsentation.

Silvie Defraoui

Und überdies Projektionen (Archives du futur)

17.05.2014 – 03.08.2014
Ganzes Parterre

Das Kunstmuseum Solothurn widmet Silvie Defraoui (*1935), die als Pionierin der Video Kunst internationale Anerkennung gefunden hat, eine grosse Einzelausstellung. Zusammen mit ihrem Mann Chérif Defraoui (1932-94) arbeitete sie ab 1975 an den "Archives du futur". Dieser komplexen Beschäftigung mit Zeit, Existenz und Wahrnehmung verschrieb sie sich auch nach dem Tod ihres Partners weiter und legt bis heute in den Bereichen Video, Fotografie und Installation neue eigenständige Werke vor. Bereits im Ausstellungstitel klingt die Frage der Wahrnehmung an: Als Hinweis auf die hauptsächlich verwendete Technik, die Projektion von Lichtbildern und Filmen? Oder als gleichmütiger Kommentar auf unser von subjektiven Vorstellungen geprägtes Verstehen? Bei Projektionen überlagern sich Lichtbild und Träger, die ebenso schwierig zu trennen sind wie die Sinnebenen des Titels. Neben erstmals präsentierten Arbeiten kommt es zu einem Wiedersehen mit bekannten Meisterwerken: mit der zauberhaften Video-Installation "Bruits de surface" (1995) oder mit dem beklemmenden Video "Aphrodite Ping Pong" (2005). Sie zeigen die Bandbreite der Bildwelt zwischen privater Erinnerung und globaler Erschütterung, zwischen berückender Schönheit und unausweichlichem Schicksal.

Hitzewelle

Neuerwerbungen 2004 bis 2013: Eine Auswahl

22.02.2014 – 27.04.2014
Ganzes Parterre

2004 hat das Kunstmuseum Solothurn letztmals seine Neuerwerbungen präsentiert. Unter dem Titel "Hitzewelle" wird nun eine Auswahl der Eingänge von 2004 bis 2013 gezeigt. Der Titel bezieht sich auf die gleichnamige Video- und Klanginstallation von Andrea Wolfensberger (*1961). Darin verbinden sich filmische Bilder vom Flirren heisser Luft mit dem vielchörigen Klang menschlicher Stimmen. Ihre schrittweise Vervielfachung und Ausbreitung erinnert an den Prozess der Verdichtung, der auch das Sammeln prägt. Und so liegt bei der Auswahl der Exponate denn auch ein Augenmerk auf dem Addieren, Umkreisen und Vertiefen, das nicht nur in Serien und Studien, sondern auch in Einzelwerken auftritt. Zu den Exponaten gehören etwa die neunteilige Serie "Ennead" (2012) des kanadischen Künstlers David Rabinowitch (*1943), der sich während seines Solothurner Aufenthaltes mit dem Bauplan der hiesigen Jesuitenkirche beschäftigte – oder die vielteilige Installation "Unerledigt" (2003-08), in der Isabelle Krieg (*1971) den Kaffee- oder Kakaosatz für das "Ausmalen" der Tassen nutzte und als Motive die Pressebilder des betreffenden Tages verwendete. Daneben werden private Kleinsammlungen gezeigt, die als geschlossene Gruppen ins Museum kamen. Darunter befindet sich etwa ein Ensemble mit Werken von Picasso, Dalí und Miró.

Karl Itschner

Arbeiten auf Papier

22.02.2014 – 01.06.2014
Graphisches Kabinett

Mit der Ausstellung von Karl Itschner (1868-1953) wird das eigenwillige Schaffen eines Schweizer Künstlers vermittelt, der heute weitgehend vergessen ist. Nach Studienjahren in Philadelphia und Paris lebte er bis 1910 in München, wo er u.a. für die Zeitschrift "Jugend" arbeitete und Kontakte zu Ernst Kreidolf, Wilhelm Balmer und Albert Welti pflegte. Ab 1938 war Solothurn Itschners letzte Lebensstation. Hier fand im städtischen Museum 1943 auch seine einzige grössere Einzelausstellung statt. Die Zeichnung stand für den Zeichenlehrer und Illustrator Itschner im Zentrum seines Schaffens. Daher beschränkt sich die Ausstellung auch weitgehend auf seine Kohle- und Bleistiftzeichnungen, Aquarelle und Gouachen. Ist im Frühwerk der Impressionismus für den jungen Künstler massgebend, wird der Münchner Jugendstil um 1900 besonders prägend. Itschner interessiert sich nun vorwiegend für den Motivkreis der Kinder. In den Landschafts- und Baumdarstellungen der 20er Jahre wird deutlich, dass die Linienkunst des Jugendstils nicht zwingend in die expressive Moderne, sondern in eine romantisch geprägte Form der Neuen Sachlichkeit münden kann. Im Solothurner Spätwerk weicht die melancholische Schwere einer Vergeistigung. Die kleinformatigen Aquarelle evozieren traumhaft verfremdete Jura-Landschaften.

Rot

Zur Erscheinung und Wirkung einer Farbe

17.01.2014 – 30.03.2014
Erster Stock, Nordwestsäle

Während der Umbauzeit des Stadttheaters Solothurn wird das Kunstmuseum vom 17. bis 31. Januar zur neuen Spielstätte. Mit der Aufführung "Rot" (2009) von John Logan kommt es zu einer anregenden Verbindung zwischen Bildender Kunst und Theater: Ein Oberlichtsaal im ersten Stock wird zum Atelier von Mark Rothko (1903-1970) und damit zum Schauplatz der Debatten zwischen dem berühmten Vertreter der sublimen Farbfeldmalerei und seinem Assistenten über Kunst und Gesellschaft. In einem hitzig geführten Gespräch fragt Logans Figur Mark Rothko: "Was bedeutet 'Rot' für mich? Meinen Sie Scharlachrot? Purpur? Pflaume-Maulbeer-Magenta-Burgunder-Lachs Karmesin-Karneol-Aubergine? Alles, ausser 'Rot!' Was ist 'ROT'?!" Angeregt durch diese Frage werden in den beiden Nordwestsälen Arbeiten aus der Sammlung gezeigt, in denen die Bedeutung und der unterschiedliche Einsatz von Rot sinnlich erlebt werden können. Während etwa in den fast monochromen Arbeiten "Rote Kirschen auf rotem Grund" (1909) von Sigismund Righini oder "Obsternte in Rot" (1912) von Cuno Amiet die Farbe und damit die Leuchtkraft im Vordergrund stehen, finden sich auch Beispiele, in denen Rot nur sehr pointiert, jedoch umso effektiver eingesetzt wird. Oder es wird – wie beim Blatt "Napoléon au clair de lune" (1963) der Art-Brut-Künstlerin Aloïse – gleich ein rotes Papier als Grundlage genommen, um damit die symbolische Ebene der Leidenschaft zu betonen.

Manon Bellet

L'onde d'une ombre

29.11.2013 – 09.02.2014
Parterre Ost

Unter dem Titel "L’onde d’une ombre" zeigt das Kunstmuseum Solothurn erstmals einen Überblick des eigenständigen Werks von Manon Bellet (*1979, Vevey), das eine existenzielle Erörterung von grosser Intensität ermöglicht. Materialforschung und Prozesse der Formfindung nehmen in ihrer künstlerischen Arbeit einen wichtigen Platz ein. Die Künstlerin wird zur Forscherin, die intuitiv mit unterschiedlichen Techniken und Materialien experimentiert. Neben kontemplativen Videoarbeiten erschafft sie mit ihren Arbeiten auf Papier eine eigene Welt, wobei sie das Papier selten im herkömmlichen Sinn als Zeichnerin verwendet. Durch Ansengen des Papiers entstehen neue Kohlezeichnungen, oder sie benutzt Thermopapier, das durch Licht und Wärme seine Erscheinung verändert. Wie bereits der Titel anklingen lässt, sind Prozess und Flüchtigkeit in Manon Bellets Werken zentral. Im Verlauf der Ausstellung verändern sie sich oft, wodurch sich die Grundfrage nach der Vergänglichkeit stellt. So verändert sich die installative Wandarbeit "120 Matches" (2013) aus verbranntem Seidenpapier kontinuierlich und wird dadurch zu einem ephemeren Zeitbild, zum Schattenbild eines Augenblicks. Die Ausstellung findet in Zusammenarbeit mit dem Musée Jenisch Vevey statt (21. März bis 1. Juni 2014).

Francisco Sierra

Arbeiten auf Papier

28.09.2013 – 02.02.2014
Graphisches Kabinett

Die Ausstellung von Francisco Sierra (*1977, Santiago de Chile) ermöglicht erstmals einen Überblick seiner Arbeiten auf Papier. Dabei fällt die stilistische Bandbreite auf, die sowohl fotorealistische, der Tradition des Trompe-l’oeil verbundene Werke wie auch surreale oder comicartige Einfälle umfasst. Die drei Säle der Ausstellung sind den drei verwendeten Techniken gewidmet: Kugelschreiber- und Farbstiftzeichnung sowie Gouache. Im Gang hat der Künstler die für ihn typische Dialektik gesucht, indem er lapidare Motive von stupender technischer Wiedergabe mit scheinbar ungelenken, doch inhaltlich brisanten "Kritzeleien" kombiniert. Das Schöne wird im spannungsvollen "High and Low" neben das Wahre gerückt, ohne dass die Ambivalenz des Gezeigten je aufgelöst würde. Bemerkenswert ist die Serie "Fleisch" (2004/05), eine Art Enzyklopädie verschiedener Fleischsorten, die der Künstler täuschend echt von Werbeplakaten abzeichnet. Dass er für das blutige Motiv ausgerechnet den trockenen, zumeist für Kinderhände gedachten Farbstift verwendet, erhöht die Wirkung dieser "wissenschaftlichen" Zeichnungen zwischen Ekel und Schönheit. Parallel zeigt das Kunstmuseum St. Gallen bis 2. März 2014 eine Ausstellung mit Gemälden und Skulpturen des Künstlers.

Mannheim – Solothurn

Kunstverein Solothurn kuratiert von Heinrich Gartentor

31.08.2013 – 10.11.2013
Ganzes Parterre

Mit der Ausstellung Mannheim – Solothurn hinterfragt der vom Kunstverein Solothurn eingeladene Gastkurator Heinrich Gartentor Themen wie Grenze und Ausgrenzung, sowohl geographisch wie auch in Bezug auf die eingeladenen künstlerischen Positionen: Was ist lokal, was international, oder ist eine solche geographische Begrenzung in Bezug auf die Kunst obsolet? Wer hatte noch keine grosse Ausstellung oder schon lange keine mehr – und wieso? Wem ist der grosse Erfolg (noch) vergönnt? Gibt es Unbekannte, Vergessene, Verkannte? Auf Einladung des Kunstvereins Solothurn begab sich Heinrich Gartentor im Kanton Solothurn auf die Suche nach Antworten, entdeckte Unerwartetes und holt nun Elisabeth Strässle (*1942), Pavel Schmidt (*1956), Fraenzi Neuhaus (*1957), Onur Dinc (*1978) und Sam Graf (*1984) ins Kunstmuseum Solothurn. In Mannheim sind es die Kunstschaffenden Barbara Hindahl (*1960), Gretta Louw (*1981) Myriam Holme (*1971) und Philipp Morlock (*1974) und Kurt Fleckenstein (*1949), die für die Ausstellung eingeladen wurden. Heinrich Gartentor führt die Positionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zu einem Ganzen zusammen. Als Erweiterung im Aussenraum steht das Einraumhaus von Myriam Holme und Philipp Morlock, eine begehbare Installation und zugleich ein temporärer Ausstellungsraum für Sammlerinnen und Sammler, die in enger Verbindung mit Solothurn und Solothurner Künstlerinnen und Künstlern stehen. Die Ausstellung wird vorgängig, vom 19. April bis 9. Juni 2013, ebenfalls in der Stadtgalerie Mannheim gezeigt.

Pas-(de)-deux

Malerei und Zeichnung im Dialog

29.06.2013 – 08.09.2013
Graphisches Kabinett

Bei der diesjährigen Sammlungsausstellung im Graphischen Kabinett steht das Verhältnis von Malerei und Zeichnung im Zentrum. Wurde die Beziehung zwischen Skulptur und Zeichnung aufgrund unseres grossen Bestandes an Bildhauerzeichnungen verschiedentlich thematisiert, öffnen wir mit unserer Accrochage ein neues Sammlungs-Kapitel. Der titelgebende Begriff betont die enge Verbindung zwischen Zeichnung und Malerei als klassisches Paar. Seit Jahrhunderten nutzt die Malerei die Zeichnung als Hilfsmittel; mit Skizzen bereitet der Maler seine Gemälde vor. Die Ausstellung wurde denn auch durch eine Gruppe von Studien angeregt, die kürzlich aus dem Nachlass des Malers Alexandre Perrier erworben werden konnte. In einigen Fällen, wie bei Albert Ankers Bildnis Franz Anton Zetter-Collin (1894), sind in unserer Sammlung sowohl Vorzeichnung wie Gemälde vorhanden. Die Ausstellung ermöglicht anhand gleicher Motive oder Schaffensperioden aber auch weitere Brückenschläge, die unsere Kenntnis über die jeweiligen Bildwelten und Weltbilder erweitern und vertiefen. In der expressiven Figuration der 1980er Jahre, etwa bei Martin Disler, verbinden sich Malerei und Zeichnung so eng, dass nicht mehr von einem «Pas-(de)-deux» (Schritt zu zweit), sondern einem «Pas deux» (nicht zwei) gesprochen werden kann: Der Maler «zeichnet» mit dem Pinsel. Als Träger zieht er selbst bei Grossformaten das glattere und widerständigere Papier der herkömmlichen Leinwand vor.

Das doppelte Bild

Aspekte zeitgenössischer Malerei

01.06.2013 – 11.08.2013
Ganzes Parterre

Mit Werken von Ian Anüll, Philip Akkerman, Francis Baudevin, Svenja Deininger, Klodin Erb, Pia Fries, Markus Gadient, Michael van Ofen, Giacomo Santiago Rogado, Thomas Scheibitz, Uwe Wittwer und Robert Zandvliet. Die Ausstellung Das doppelte Bild vereint Beispiele zeitgenössischer Malerei. Neben Malerinnen und Malern der Schweiz, denen das Kunstmuseum Solothurn besondere Aufmerksamkeit schenkt, werden auch internationale Positionen gezeigt. Die Auswahl beschränkt sich auf Kunstschaffende, die die herkömmlichen Techniken der Malerei bewusst verwenden, um mit dem klassischen Medium zeitgemässe Beiträge zur aktuellen Kunst zu leisten. Viele thematisieren angesichts der Flut vergangener und heutiger Bilder das Bild an sich. Darum definiert sich die Ausstellung Das doppelte Bild auch nicht allein über das verbindende Medium der Malerei, sondern rückt innerhalb ihrer aktuellen Positionen jene ins Licht, die heutige Bildgewinnung spiegeln. Ebenso wichtig wie die Kunstgeschichte, die in der sog. Appropriation Art bewusst zitiert wird, sind die kompositorischen Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung. Auf die Notwendigkeit der Bildauswahl muss zwingend deren Relativierung oder «Übermalung» antworten. Die Ausstellung zeigt die Mehrschichtigkeit zeitgenössischer Gemälde, die von bestehenden Bildern ausgehen und diese in einem malerischen Prozess verändern und verdichten. Damit ist eine distanzierte Haltung des Über- und Umsetzens verbunden.

Robert Müller

Eine Ausstellung anlässlich der Rückführung des Objet Soleure

20.04.2013 – 20.10.2013
Erster Stock, Nordwest-Säle

Ende 2007 musste die 1971 vom Kanton Solothurn erworbene monumentale Eisenskulptur Objet Soleure von Robert Müller (1920–2003), die während 35 Jahren ihren festen Platz auf der Terrasse im Ersten Stock der Pädagogischen Hochschule Solothurn einnahm, aus Sicherheitsgründen entfernt und eingelagert werden. Korrosionsschäden hatten die Stabilität der Skulptur geschwächt und zu einer zunehmenden Gefährdung geführt. Dabei stand nicht nur das Wohl der Lehrer und Schülerschaft, sondern auch der Erhalt einer der grössten Skulpturen dieses bedeutenden Bildhauers auf dem Spiel. Nach intensiver Beratung entschied man sich für eine aufwändige Restaurierung der Skulptur. Zur Feier der Rückführung des Objet Soleure zeigt das Kunstmuseum Solothurn in zwei Sälen des Ersten Stockes eine kleine Ausstellung mit Werken von Robert Müller.

Edouard Vallet

Zeichnungen

16.03.2013 – 09.06.2013
Graphisches Kabinett

Nach der Ausstellung zu den Zeichnungen von Félix Vallotton im vergangenen Jahr präsentiert das Kunstmuseum Solothurn Arbeiten auf Papier von Edouard Vallet (1876–1929). Die vom Kunstmuseum Wallis übernommene Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Fondation Edouard Vallet und zeigt mehrheitlich unveröffentlichte Zeichnungen des Künstlers, der vor allem als Maler und Grafiker bekannt ist. Seit seiner Jugendzeit pflegte der in Genf geborene und aufgewachsene Künstler eine grosse Leidenschaft für die Zeichnung, die denn auch einen zentralen Platz in seinem Gesamtwerk einnimmt. Die Zeichnung erfüllte verschiedene Funktionen, diente zur Erkenntnisgewinnung, als Methode zur Durchdringung eines Objekts, als Vorbereitung für ein Gemälde oder steht als eigenständiges Werk. Ebenso variabel ist Vallets Strich, der luftig im Pastell, leicht in Tuscheskizzen oder betont und fest in Bleistiftzeichnungen hervortritt. Zur grössten Inspirationsquelle für Vallet wurde seine Wahlheimat, das Wallis, das er in vielen Landschafszeichnungen festhielt. Die Aufmerksamkeit galt besonders seinem Umfeld, den alltäglichen Begebenheiten und Traditionen, die er in der Bergwelt vorfand und in intimer und gleichwohl kraftvoller Weise festhielt. Die Ausstellung reist anschliessend weiter ins Museo Civico Villa dei Cedri in Bellinzona.

Susan Hodel

Dazwischen

23.02.2013 – 12.05.2013

Das Kunstmuseum Solothurn zeigt die Malerin und Zeichnerin Susan Hodel (*1962) zum zweiten Mal mit einer grösseren Werkauswahl. Seit der ersten Präsentation im Jahr 1999 hat sich das Werk radikalisiert. Die jetzige Einzelausstellung konzentriert den Blick auf die Basis der Malerei: auf die Leinwand und ihre Grundierung. Damit verbindet sich eine prinzipielle Befragung des Bildes, seiner (textilen) Beschaffenheit, Wirkung und Funktion. Der handwerkliche Umgang mit dem materiell Gegebenen – das Spannen, Grundieren und Bemalen, das Schneiden und Vernähen der Leinwände – gestattet prinzipielle Gedanken zum Prozess des Verdichtens und Schichtens. Beim Schneiden, Falten und Vernähen der Leinwände treten «Linien» auf, die ebenso bedeutend sind wie die mit dem Bleistift gezogenen. So minimal die Erscheinung der Werke, so langwierig ist ihr Entstehungsprozess. Die Arbeiten von Susan Hodel schaffen Tiefe, sowohl sinnlich wie gedanklich. Den Erscheinungen entsprechen Inhalte; sie betreffen Raum und Zeit, Sein und Schein. Die Ausstellung erstreckt sich über drei grosse Säle und fasst vor allem Werke der Jahre 2008 bis 2012 zusammen, bezieht aber auch einige frühere Arbeiten ein. Wiederkehrend sind gemalte und gezeichnete Flechtwerke. Als brüchiges System einer «Quadrierung» treten solche Verdichtungen auch in einer neu entwickelten Wandzeichnung auf, die als «work in progress» vor und während der Ausstellung kontinuierlich wächst.

28. Kantonale Jahresausstellung

Kunstverein Solothurn

01.12.2012 – 03.02.2013
Ganzes Parterre

Dieses Jahr ist wiederum der Kunstverein Solothurn Veranstalter der Kantonalen Jahresausstellung. Teilnahmeberechtigt sind Kunstschaffende, welche im Kanton Solothurn wohnen oder heimatberechtigt sind, die Mitglieder der Kunstvereine Solothurn und Olten, der Kunstgesellschaft Grenchen sowie der visarte.solothurn. Aus den Eingaben der Kunstschaffenden bestimmt eine mit ausgewiesenen Persönlichkeiten der nationalen Kunstwelt besetzte Jury eine möglichst attraktive Auswahl. Die Ausstellung bietet dem interessierten Publikum eine konzentrierte Sicht auf das aktuelle Kunstschaffen unserer Region und den Künstlerinnen und Künstlern eine schöne Gelegenheit, einem breiteren Publikum Einsicht in ihr gegenwärtiges Schaffen zu gewähren. An der Vernissage wird zum fünften Mal der Auszeichnungspreis des Kunstvereins Solothurn für eine herausragende Arbeit verliehen.

Freispiel

Kunstverein Solothurn

01.12.2012 – 03.02.2013
Ganzes Parterre

Parallel zur Jahresausstellung und quasi als deren Erweiterung offeriert der Kunstverein nach dem erfolgreichen Einstieg vor vier Jahren unter dem Titel Freispiel eine Präsentation interessanter Einzelpositionen. Das Graphische Kabinett wird dabei als experimentelles Labor jüngerer oder innovativer Kunstschaffender mit Solothurner Bezug genutzt. Eingeladen vom Vorstand des Kunstvereins Solothurn werden Künstlerinnen und Künstler, die an früheren Jahresausstellungen besonders aufgefallen waren. Der Kunstverein Solothurn möchte mit diesem Angebot einerseits den künstlerischen Nachwuchs motivieren, andererseits jedoch auch dem Publikum einen zusätzlichen Anreiz bieten.

Aldo Solari

Im Feld der Schwimmer

01.09.2012 – 11.11.2012
Ganzes Parterre

Das Kunstmuseum Solothurn widmet dem Maler Aldo Solari (*1947) eine grosse Ausstellung, die von den neuesten Bildern der «Schwimmer» ausgeht. Sie zeigen Crawler, die sich als Konkurrenten eines Wettrennens, in fast musterartiger Wiederholung und Massierung begegnen. Unter dem Leitmotiv der menschlichen Figur werden jedoch auch Werke früherer Schaffensphasen eingeschlossen, wie das in Rot und Blau strahlende Gemälde Ohne Titel (Der Platz) von 1989 / 90, das als Titelbild für das diesjährige Programm dient. Das Bild zeigt eine Gruppe uniformierter Menschen von oben, die sich auf engstem Raum begegnen, ohne sich zu berühren. Die gleichsam in Formation schreitenden Männer gleichen sich zum Rapportmuster an, lösen sich als Individuen auf. Neben den Uniformierten und «Schwimmern» finden sich in anderen Bildserien auch Gliederpuppen. Die Ausstellung zeigt, wie konsequent und zugleich frei Aldo Solari an seinen Bildgruppen arbeitet. Dahinter steht weniger ein konzeptuelles Denken als vielmehr malerische Lust und Neugier. Wie die Vertreter der Pop Art gelingt es Solari, malerische Sinnlichkeit und plakative Wirkung mit Hintersinn zu verbinden. Mit seinen Wettkämpfern, Uniformierten und Puppen interessiert er sich für inhaltliche Belange wie das tägliche «Rat race» oder das Machtspiel der Gängelei. Dabei hält seine Malerei jedoch eine perfekte Balance zwischen cooler Sinnlichkeit und kritischer Distanz.

Aloïse Corbaz und Agnes Barmettler

Figürliche Deklinationen

01.09.2012 – 11.11.2012
Graphisches Kabinett

Aus Anlass des elektronischen Werkverzeichnisses von Aloïse (Aloïse Corbaz, 1886–1964), das 2012 vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft veröffentlicht wird, möchten wir einen Einblick in unsere eigenen Aloïse-Bestände gewähren. Dank der Schenkungen von Etienne und Jacqueline Porret-Forel besitzt das Kunstmuseum Solothurn eine der schönsten Sammlungen der Art Brut-Künstlerin. Ihre grossformatigen Farbstift- und Ölkreidezeichnungen werden dem zeichnerischen Schaffen von Agnes Barmettler (*1945) gegenübergestellt. Dabei handelt es sich weitgehend um Blätter aus den siebziger und achtziger Jahren. Die Bildwelten der beiden Künstlerinnen weisen – trotz ihrer ganz unterschiedlichen Hintergründe – manche Ähnlichkeiten auf: Vergleichbar ist die zentrale Thematik der eigenen Weiblichkeit sowie das Erschaffen eines vielteiligen Universums, in dem sich Symbole der menschlichen Existenz, von Natur und Kosmos zu einem Ganzen schliessen. Während sich Aloïse an der illustren Welt der europäischen Aristokratie inspirierte, wurde für Barmettler die Begegnung mit der indigenen Kultur der Hopi zu einer wichtigen Bildquelle. Der Ausstellungstitel Figürliche Deklinationen bezieht sich auf eine gleichnamige Serie, die Agnes Barmettler 1975 geschaffen hat. Der Titel stammt ursprünglich von Martin Disler (1949–1996), der ab 1970 mit Agnes Barmettler in Solothurn ein Atelier teilte und auch einige Jahre mit ihr verheiratet war.

Treidelpfade

Gegenständliche Schweizer Malerei aus der Sammlung (1920 bis 1970)

23.06.2012 – 19.08.2012
Ganzes Parterre

Im Anschluss an die Ausstellung Ferdinand Hodler und Cuno Amiet, in der hauptsächlich Werke bis 1918 gezeigt wurden, präsentieren wir unter dem Titel Treidelpfade gegenständliche Schweizer Malerei von 1920 bis 1970. In diese Zeit fallen nicht nur das mittlere und späte Schaffen von Cuno Amiet (1868–1961), sondern auch viele Werke seiner Schüler, etwa von Ernst Morgenthaler (1887–1962). Manche Schweizer Maler der damaligen Jahrzehnte folgten Amiets Kunst fast wie auf Treidelpfaden, begleiteten den «starken Strom». Der Ausstellungstitel bezieht sich auf diese das Flussufer säumenden Wege, auf denen einst die Treidler mit ihren Pferden die Lastkähne flussaufwärts zogen. Nach Amiet stellten Max Gubler (1898–1973) oder Alberto Giacometti (1901–1966) ähnlich starke Figuren dar. Sie erzeugten Strömungen, von denen sich die jungen Künstler mitziehen liessen, auch Solothurner Maler wie Hans Jauslin (1909–1958) oder Rolf Spinnler. Bemerkenswert breit ist die Malerei der Romandie vertreten, u. a. mit Gemälden von Hans Berger (1882–1977), Maurice Barraud (1889–1954), Eugène Martin (1880–1954) oder Alexandre Rochat (1895–1981). Neben bekannten Namen finden sich in der Ausstellung auch solche, die heute weitgehend vergessen sind. So kann die Ausstellung nicht nur mit Überraschungen und Entdeckungen aufwarten, sondern zugleich als ein kleines Lehrstück über Kunst und Karriere, Kapitäne und Treidler dienen.

Félix Vallotton

Zeichnungen

12.05.2012 – 12.08.2012
Graphisches Kabinett

Félix Vallotton (1865–1925) ist in den vergangenen Jahren mit grossen Ausstellungen bedacht worden. Im Zentrum standen zumeist seine Gemälde und die berühmten Holzschnitte. Seine Zeichnungen dagegen wurden nur selten ausgestellt. Die von den Kunstmuseen Solothurn und Winterthur gemeinsam vorbereitete Ausstellung widmet sich nun ausschliesslich Vallottons Arbeiten auf Papier, zu denen neben Kohle-, Kreide, Tusche- und Bleistiftzeichnungen auch Pastelle und Aquarelle gehören. Die Ausstellung präsentiert rund 130 Blätter und deckt alle Schaffensphasen ab. Die frühesten Zeichnungen stammen aus den 1880er-Jahren. In einem realistischen Zeichenstil widmet sich der Künstler vorerst dem Bildnis seiner Mutter oder einfachen Alltagsmotiven. Berührend sind Vallottons frühe Selbstporträts und die Darstellungen von Freunden und Bekannten. In dieselbe Frühzeit fallen seine gezeichneten Kopien nach Werken von Da Vinci und Holbein. Landschaftliche Motive finden sich über das ganze Schaffen verteilt; die betreffenden Blätter zeichnet Vallotton während Reisen auf Guernsey (1907), in Honfleur (1912), Dax (1917), Saint-Malo und Dinan (1919) oder Cagnes (um 1920–1922). Im zeichnerischen Schaffen nimmt der Akt einen besonderen Platz ein. Neben fein ausgearbeiteten Bleistiftzeichnungen, die den Einfluss von Ingres zeigen, werden auch expressive Blätter in Kreide und Tusche präsentiert, in denen der Künstler virtuos und schnell Formen und Gebärden erfasst.

Anselm Stalder

Glimmende Peripherie

10.03.2012 – 03.06.2012
Ganzes Parterre

Anselm Stalder (*1956) hat im Umkreis der neuen Figuration der achtziger Jahre früh internationale Anerkennung erlangt. Im Unterschied zu den damaligen expressiven Tendenzen überwog bei Stalder jedoch stets das Moment der Reflexion. Sein formal schlichtes, doch inhaltlich dichtes Werk kreist um Körper und Raum, Wahrnehmung und Sprache. 2003 war ihm eine Einzelausstellung in der Kunsthalle Basel gewidmet; 2007 erhielt er den Prix Meret Oppenheim. Anselm Stalder war in den letzten Jahren verschiedentlich an thematischen Ausstellungen des Kunstmuseums Solothurn beteiligt, nun zeigt er unter dem Titel Glimmende Peripherie eine grosse Übersichtsausstellung. Der Titel ist für den Künstler nicht ein «Reflex auf aktuelle politische Ereignisse», sondern hat «mehr mit der permanenten Latenz des Umschlagens in Unerwartetes zu tun». Als «Museum im Museum» wird u. a. die vielteilige Werkgruppe As if (ab 2002) gezeigt. Die Vergleichsform des As if unterstreicht zum einen die metaphorische Beziehung zwischen Kunst und Welt, zum andern das Zweifelhafte von Behauptungen und Annahmen. Seine eigens für die Ausstellung entwickelten Körper (2012) gehen von den beiden Kopien nach Michel­angelos «Sklaven» im Museumsfoyer aus. Mit einer Seitenlänge von zwei Metern sind die Körper der menschlichen Grösse angepasst. Damit knüpft der Künstler an seine früheren Skulpturen an und sucht nach neuen Formen des dreidimensionalen Menschenbildes.

Mit Haut und Haar

Akte und Figuren aus der Sammlung

18.01.2012 – 22.04.2012
Graphisches Kabinett

Im Zentrum der Ausstellung stehen Akte aus der Graphischen Sammlung. Diese nur selten ausgestellten Blätter, bei denen es sich teils um Entwürfe, teils um selbständige Arbeiten handelt, werden ergänzt durch eine kleine Auswahl von Skulpturen und Ölbildern zum menschlichen Körper. Die Ausstellung bildet einen Auftakt zur anschliessenden Präsentation von Félix Vallottons Zeichnungen, in denen dem Akt besondere Bedeutung zukommt. Die Ausstellung Mit Haut und Haar zeigt verschiedenste Facetten: nicht nur die Vielfalt menschlicher Körper, sondern auch die Bandbreite von Gefühlen und Stimmungen, aus denen heraus das Gegenüber stets in neuem Licht erscheint. Viele Künstler haben sich dem Körper «mit Haut und Haar» verschrieben, als Forscher die einen, als Liebende die andern. Erotik schwingt bei vielen Blättern mit. Ausgestellt werden Blätter von Bildhauern, die sich dem Körper aus einem umfassenden Interesse zuwenden, wie Walter Peter (1902–1997), Robert Müller (1920–2003), Heinz Schwarz (1920–1994) oder Schang Hutter (*1934). Arbeiten von Max Brunner (1910–2007), Niklaus Hasenböhler (1937–1994) und Martin Disler (1949–1996) zeigen, dass auch genuine Maler und Zeichner Akte von grosser Dichte hervorbringen: Während Brunner weibliche Figuren von berückender Sinnlichkeit aufs Blatt zaubert, gelingen Hasenböhler und Disler Existenz-Bilder, die unter die Haut gehen.

Gunter Frentzel

26.11.2011 – 19.02.2012
Ganzes Parterre

Gunter Frentzel (*1935) hat mit seinen Skulpturen und Installationen einen wesentlichen Beitrag zur Diskussion über neue Formen dreidimensionaler Kunst geleistet. Mit seinem innovativen Schaffen hat der in Berlin geborene, seit Jahrzehnten in der Schweiz lebende Künstler die nationale Kunstszene nachhaltig geprägt. Rund zwanzig Jahre nach seiner ersten Einzelausstellung im Kunstmuseum Solothurn, 1990, widmen wir dem Künstler eine Übersichtsausstellung mit Werken aus den Jahren 1977 bis 2011. Das künstlerische Schaffen verblüfft schon im Frühwerk durch eine radikale Einfachheit, die ihn in das Umfeld der Minimal Art rückt. Besonderes Interesse zeigt er bereits in den siebziger Jahren für die Frage des Gleichgewichts. Er sucht es vorerst im dualen Bezug unterschiedlicher Materialien, kombiniert Stein und Holz, Stein und Metall. In einem weiteren Schritt verbindet er Metallplatten und Vierkantstäbe. Heute beschränkt er sich auf Metallstäbe, die er zu vielteiligen, mit Moiré-Effekten spielenden Skulpturen aufschichtet und dabei erneut die Grenzen der Stabilität auslotet. Obwohl Frentzels Werke eine skulpturale Präsenz ausstrahlen, sind sie in ihrem Charakter der Installation verbunden, können jederzeit auf- und wieder abgebaut werden. Von derselben Leichtigkeit ist seine Laser-Kunst. Während der Ausstellung wird der Künstler zwischen Museum und Stadt Licht-Linien in den nächtlichen Himmel „zeichnen“.

Ferdinand Hodler und Cuno Amiet

Eine Künstlerfreundschaft zwischen Jugendstil und Moderne

24.09.2011 – 02.01.2012
Obergeschoss

Das Schaffen von Ferdinand Hodler (1853 –1918) und Cuno Amiet (1868 –1961), den Schweizer Hauptvertretern von Jugendstil und früher Moderne, ist in der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn reich vertreten. Aus Anlass des 50. Todesjahres von Cuno Amiet plant das Kunstmuseum Solothurn zusammen mit dem Bucerius Kunst Forum Hamburg eine Doppel-Ausstellung. Sie ist dem künstlerischen Austausch zwischen den beiden Freunden gewidmet, der in der einschlägigen Literatur zwar ansatzweise behandelt wurde, bislang jedoch noch nie in einer speziellen Ausstellung. Amiet und Hodler begegneten sich erstmals 1893; zu einer engeren Beziehung kam es 1898, als Amiet im Auftrag des gemeinsamen Sammlers Oscar Miller ein Bildnis von Hodler malte (Bildnis F. Hodler vor seinem Marignano-Bild, 1898). Im selben Jahr bot Hodler seinem jüngeren Kollegen eine Ateliergemeinschaft in Genf an, die dieser jedoch ablehnte. Beide Kollegen schätzten sich gegenseitig sehr: Während Amiet voller Bewunderung für Hodlers frühe symbolistische Werke war, faszinierte Hodler etwa Amiets Paradies (1894/95), das nach dessen Rückkehr aus dem bretonischen Pont-Aven entstanden war. Höhepunkt der Ausstellung ist die Gegenüberstellung der kurz nach 1900 entstandenen Bildfolgen Frühling von Ferdinand Hodler und Die gelben Mädchen von Cuno Amiet. Die Ausstellung zeigt eine Vielzahl von Bildpaaren, in denen sich die beiden Künstler als Gebende und Nehmende begegnen. Sie endet mit Amiets posthumen Hommagen an den 1918 verstorbenen Hodler. Am 16. Februar 2011 findet im Bucerius Kunst Forum Hamburg ein Symposium zum Thema statt. Die Referate werden im Katalog abgedruckt. Als parallele Ergänzung: Vom 3.12.2011 bis 2.1.2012 werden im Graphischen Kabinett Arbeiten von Kindern ausgestellt, die sich auf die ausgestellten Bilder von Ferdinand Hodler und Cuno Amiet beziehen.

Science & Fiction

Künstlerische Praxis im Dialog mit den Wissenschaften

20.08.2011 – 06.11.2011
Ganzes Parterre

Die Erkundung einer wechselseitigen Durchdringung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und künstlerischen Produktionsformen hat eine lange Tradition. Fand in der frühen Neuzeit mit dem Typus des Künstlers als Universalgelehrter und Ingenieur noch ein tatsächlicher Austausch zwischen den beiden Tätigkeitsbereichen statt, so haben Kunst und Wissenschaft im Laufe einer fortschreitenden Spezialisierung getrennte Wege beschritten. Diese Trennung scheint heute wieder durchlässiger zu werden: Immer häufiger bedient sich die Wissenschaft bildgebender Verfahren, die auch ästhetischen Kriterien folgen. Umgekehrt greifen Künstlerinnen und Künstler vermehrt auf Denk- und Arbeitsformen der Wissenschaft zurück, um diese für ihre eigene Arbeit fruchtbar zu machen. Vermeintlich statische Systeme des Wissens werden zum Ausgangspunkt für Arbeiten, die sich dieser Systeme bedienen, um sie – oft humorvoll und parodistisch – zu durchbrechen und in Frage zu stellen. Künstlerische Arbeit dreht sich nicht mehr länger nur um das Künstlersubjekt, um Parameter wie Werk, Objekt und Ausstellung, sondern wird in ihrer Verschränkung mit anderen Wissenssystemen und in ihrer Funktion untersucht. Neben Arbeiten von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern wie u.a. Christian Ratti, Miriam Sturzenegger, Matteo Terzaghi & Marco Zürcher und Rolf Winnewisser sollen auch wichtige internationale Positionen gezeigt werden.

Andrei Roiter

Kunstverein Solothurn

20.08.2011 – 13.11.2011

RUNAWAY
Zeichnungen, Aquarelle, Collagen und Objekte
Graphisches Kabinett

KOLOBOK
Installation im Park des Kunstmuseums Solothurn

Seit 2001 ermöglicht der Kunstverein Solothurn regelmässig Aussen-Projekte mit internationalen Kunstschaffenden und leistet damit eine wertvolle Ergänzung zum Programm des Kunstmuseums Solothurn, das sich vorwiegend auf Schweizer Kunst konzentriert. Die Aussen-Installationen sind dem Kunstverein ein besonderes Anliegen, denn dank diesen können Hemmschwellen der Bevölkerung gegenüber Bildender Kunst abgebaut werden. Nach den vielbeachteten Installationen von Qin Yufen, Michael Beutler und Florian Slotawa wird nun Andrei Roiter im öffentlichen Raum Solothurns ein Zeichen setzen. Andrei Roiter wurde 1960 in Moskau geboren, wuchs dort auf und absolvierte eine Ausbildung zum Architekten. Er lebt heute in Amsterdam und New York. Seine Werke werden international ausgestellt und gesammelt. Er verwebt darin Gegenstände des Alltags zu vielschichtigen, poetischen und vielfach auch ironischen Allegorien. Da Andrei Roiter neben seiner installativen Tätigkeit auch ein grossartiger Zeichner ist, wird ihm im Graphischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn ein begleitender Auftritt ermöglicht. Aussenprojekt und Ausstellung werden von Roswitha Schild kuratiert, die sich damit zugleich als Präsidentin des Kunstvereins Solothurn verabschiedet.

Franz Eggenschwiler: Präzises Wolkenbild

Von der Telefonzeichnung zur Skulptur

21.05.2011 – 01.08.2011
Graphisches Kabinett

Der gebürtige Solothurner Franz Eggenschwiler (1930–2000) hinterliess ein ausserordentlich reiches und vielgestaltiges Schaffen, in dem sich Objektkunst und Skulptur, Malerei, Zeichnung und Grafik, Glasmalerei und Schmuck gegenseitig ergänzten und befruchteten. Als Grundlage seiner ungewöhnlichen Schaffenskraft können die Zeichnungen gelten, aus denen er als seiner wichtigsten Quelle schöpfte. Viele dieser zumeist kleinen Blätter sind beiläufig und absichtslos, zuweilen gar unbewusst entstanden. Da manche während Telefonaten realisiert worden sind, wurden sie unter dem pauschalen Begriff „Telefonzeichnungen“ bekannt. Wie bei Albrecht Schniders Blättern wird auf ihnen eine „écriture automatique“ sichtbar, die Gefühle und Vorstellungen ungefiltert zum Ausdruck bringt. Der Ausstellungstitel Präzises Wolkenbild stammt von einer Telefonzeichnung aus dem Jahr 1969, die zwar winzig klein ist, doch eine fast monumentale Wirkung erreicht. So „präzis“ wie Eggenschwilers „Wolkenbild“, so klar und sprechend sind viele seiner Blätter, die zum einen geometrische Muster und Staffelungen, zum andern figurative, landschaftliche oder erotische Vorstellungen suggerieren. In der Ausstellung wird nicht nur der reiche Solothurner Zeichnungs-Fundus gezeigt, sondern auch eine Auswahl von Skulpturen, Bildern und Grafiken, die sich auf Eggenschwilers Telefonzeichnungen beziehen. Ausgewählte Leihgaben ergänzen die eigenen Bestände.

Andrea Wolfensberger – Then listen again

30.04.2011 – 01.08.2011
Ganzes Parterre

Andrea Wolfensberger (*1961) arbeitet mit den verschiedensten Medien. So weit sie sich in der Wahl der Arbeitsmittel öffnet, so konsequent verfolgt sie ihre Themen. Unter dem Titel Then listen again, der sich auf Samuel Beckett bezieht, sind aktuelle und ältere Werke zu einem Gesamtklang verbunden. Ein tatsächliches oder verbildlichtes Klingen als Bewegung in Raum und Zeit ist auch Grundthema der Ausstellung. Sie geht von den neuen, an Schalltrichter erinnernden Skulpturen aus und verbindet im Bild der Welle landschaftliche und klangliche Vorstellungen. Hören und Sehen, Moment und Vergänglichkeit sind eng aufeinander bezogen: Die in den Wogen des Meeres (Niemands Frau, 2007) gefilmten Videobilder sind vom Auf und Ab eines Erzähl-Tones begleitet, einer „Odyssee“ der Lyrikerin Barbara Köhler. Während das Geigenspiel eines kleinen Mädchens in der Verlangsamung von Ton und Video-Film fast bedrohlich wirkt (Kinderlied, 2003), ist das schallende Lachen eines Knaben (Jusqu’à ce qu’il fasse rire, 2009) zu einem dreidimensionalen Klang-Kreisel verdinglicht, der als riesige Skulptur den Raum bestimmt. Das existentiell fundierte Schaffen gleicht einer musikalischen Interpretation, etwa wenn Andrea Wolfensberger die filmischen Bilder eines Gartens anhält und in Malerei umsetzt und bei solcher „Verewigung“ auch die Mittelbarkeit der Wiedergabe betont.

Albrecht Schnider Die Rückseite des Spiegels

Skulpturen und Arbeiten auf Papier

15.01.2011 – 10.04.2011
Parterre West

Das Kunstmuseum Solothurn hat dem in Berlin lebenden Schweizer Künstler Albrecht Schnider (*1958) bereits 1998 eine Einzelausstellung gewidmet. Waren damals seine Gemälde zu sehen, wird nun die erste Überblicksausstellung seiner Skulpturen und Arbeiten auf Papier präsentiert. Die Ausstellung mit Werken der letzten 25 Jahre unterstreicht die Bedeutung der Zeichnung für Schniders Gesamtschaffen. Der vom Künstler gewählte Ausstellungstitel Die Rückseite des Spiegels ist einem Buch des Verhaltensforschers Konrad Lorenz entliehen und unterstreicht Schniders Interesse für Erkenntnisprozesse. Diese sind in der Kunstgeschichte vor allem mit der Gattung des Bildnisses verbunden. Schniders gezeichnete „Köpfe“ bilden denn auch den Rahmen der Ausstellung. So kühl seine Gemälde wirken, so spontan und intuitiv entstehen seine Zeichnungen, von denen einige in Bilder oder Skulpturen „übersetzt“ wurden. Im Sinne einer „écriture automatique“ fliessen innere Bewegungen unbewusst aufs Blatt. Neben figurativen Allusionen finden sich in seinen Zeichnungen viele Vergitterungen, in denen sich Leere und Fülle dialektisch begegnen. Die um 2000 einsetzenden Klein-Skulpturen bilden dazu ein ideales Gegenüber. Auch sie können als Gitter verstanden werden, das mit Drähten oder gebrauchten Pinseln „gezeichnet“ ist.

In erster Linie

Zeitgenössische Zeichnungen aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

15.01.2011 – 25.04.2011
Graphisches Kabinett

Das Kunstmuseum Solothurn engagiert sich konsequent für die Vermittlung und den Erwerb von Zeichnungen. Die gleichzeitige Einzelausstellung von Albrecht Schnider, die sich dem Wechselverhältnis von Zeichnung und Skulptur widmet, hat eine Accrochage unserer eigenen zeitgenössischen Blätter motiviert. Wird die Zeichnung von manchen Sammlern und Vermittlern noch immer als vermeintliches Nebenprodukt vernachlässigt, steht sie in Solothurn seit Jahrzehnten „in erster Linie“. Mit der Konzentration auf die Linie besinnen wir uns zudem auf das genuinste und direkteste Mittel der Zeichnung. Lag 2009/10 mit einer Accrochage der Aquarelle und Sepien das Augenmerk auf farbigen und malerischen Blättern, stehen nun weitgehend schwarz-weisse Linienzeichnungen im Vordergrund, die von der Ausdruckskraft des Striches und dem Hell-Dunkel ihrer Kompositionen leben. Gerade am spezifischen Strich lässt sich die Eigenart der verschiedenen Kunstschaffenden besonders gut erkennen. Die Ausstellung umfasst eine grosse Zahl von oft erstmals gezeigten Werk-Gruppen, die in den letzten Jahren durch Ankäufe oder Schenkungen in die Sammlungen des Kunstmuseums und des Kunstvereins Solothurn gekommen sind. Präsentiert werden u.a. Blätter von Marc Bauer, Renata Borer, Raffaella Chiara, Heinz Egger, Robert Estermann, Mariann Grunder, Jean Mauboulès, Boris Rebetez, Mario Sala und René Zäch

26. Kantonale Jahresausstellung

20.11.2010 – 02.01.2011
Ganzes Parterre

Dieses Jahr ist wiederum der Kunstverein Solothurn Veranstalter der Kantonalen Jahresausstellung. Teilnahmeberechtigt sind Kunstschaffende, welche im Kanton Solothurn wohnen oder heimatberechtigt sind, die Mitglieder der Kunstvereine Solothurn und Olten, der Kunstgesellschaft Grenchen sowie der visarte.solothurn. Aus den Eingaben der Kunstschaffenden bestimmt eine mit ausgewiesenen Persönlichkeiten der nationalen Kunstwelt besetzte Jury eine möglichst attraktive Auswahl. Die Ausstellung bietet dem interessierten Publikum eine konzentrierte Sicht auf das aktuelle Kunstschaffen unserer Region und den Künstlerinnen und Künstlern eine schöne Gelegenheit, einem breiteren Publikum Einsicht in ihr gegenwärtiges Schaffen zu gewähren. An der Vernissage wird zum vierten Mal der Auszeichnungspreis des Kunstvereins Solothurn für eine herausragende Arbeit verliehen. Bisherige Preisträger waren René Zäch, Renata Borer und Raffaella Chiara.

Freispiel

Kunstverein Solothurn

20.11.2010 – 02.01.2011
Graphisches Kabinett

Parallel zur Jahresausstellung und quasi als deren Erweiterung offeriert der Kunstverein nach dem erfolgreichen Einstieg vor zwei Jahren unter dem Titel Freispiel eine Präsentation interessanter Einzelpositionen. Das Graphische Kabinett wird dabei als experimentelles Labor jüngerer oder innovativer Kunstschaffender mit Solothurner Bezug genutzt. Eingeladen vom Vorstand des Kunstvereins Solothurn werden Künstlerinnen und Künstler, die an früheren Jahresausstellungen besonders aufgefallen waren. Der Kunstverein Solothurn erhofft sich, mit dieser Neuerung einerseits den künstlerischen Nachwuchs zu motivieren und andererseits dem Publikum einen zusätzlichen Anreiz zu bieten.

Die Natur des Menschen – Weltanschauung und Lebensgefühl

Die Sammlung des Kunstmuseums Solothurn im Dialog mit Leihgaben aus elf Schweizer Kunstmuseen

25.09.2010 – 30.01.2011
Obergeschoss

Unter dem Titel Die Natur des Menschen wird das Wechselverhältnis zwischen Weltanschauung und Lebensgefühl thematisiert. In einem inhaltlichen Parcours, der die Stationen des Lebens zwischen Geburt und Tod, Frühling und Winter verbildlicht, führt die Ausstellung durch alle sieben Säle des Obergeschosses. Sie geht von Meisterwerken der eigenen Sammlung aus und wird ergänzt mit hochkarätigen Leihgaben aus nicht weniger als elf Schweizer Kunstmuseen. Die Motive beziehen sich sowohl auf die Natur, wie der Mensch sie sich zum Bild macht, als auch auf die menschliche Natur, die sich in diesem spiegelt. Wie Künstlerinnen und Künstler ihre Welt darstellen, hat nicht nur mit der jeweiligen Epoche, sondern auch mit ihrem individuellen Wesen zu tun. So kann es über die Epochen hinweg zu Wahlverwandtschaften kommen, die prinzipielle Haltungen – Weltflucht oder Abenteuerlust, Melancholie oder Sinnenfreude, Leid oder Genuss – verdeutlichen. In vielen Bildern sind Figur und Natur direkt aufeinander bezogen: der Mensch im Garten oder als Wanderer, unterwegs in Sonnenlicht oder Sturm. Nur zuweilen verschwinden die Figuren ganz, machen der kosmischen Weite der Landschaft Platz. In den letzten beiden Sälen werden die dunklen Seiten der „menschlichen Natur“, ihre existentielle Dimension gezeigt. Die dort ausgestellten Werke sprechen in eindrucksvoller und berührender Weise von Leid, Sterben und Tod.

René Zäch

21.08.2010 – -3.01.2010
Ganzes Parterre und Graphisches Kabinett

Der Bildhauer und Zeichner René Zäch (*1946) ist in Solothurn geboren und aufgewachsen. Mit seinem Schaffen, das mehrmals in Museumsausstellungen gewürdigt wurde, ist er weit über seine Heimatregion hinaus bekannt geworden. Das Kunstmuseum Solothurn hat dem Künstler bereits 1974 und 1983 Einzelausstellungen gewidmet, nun ermöglicht es ihm eine grosse Übersichtsausstellung mit Werken der letzten dreissig Jahre. Hierzu stellt es ihm nicht nur alle Säle des Parterres, sondern auch das Graphische Kabinett zur Verfügung. In zehn Sälen entfaltet sich dank einer Vielzahl hochkarätiger Leihgaben aus privaten und öffentlichen Sammlungen die ganze Qualität und Konsequenz dieses ebenso gescheiten wie sinnlichen Schaffens, das zwischen Ernst und Ironie, zwischen Maschinenwelt und klassischer Schönheit oszilliert. In Zächs Skulpturen werden Statik und Dynamik oft humorvoll aufeinander bezogen. Damit wird nicht nur die scheinbare Effizienz des vernetzten Arbeitens und Kommunizierens beleuchtet, sondern der Künstler unterläuft damit auch den herkömmlichen Begriff der Skulptur. Zeigt die Einfachheit und Dichte der Werke eine formale Nähe zum Postminimalismus, sind sie inhaltlich weit komplexer. In der bewusst gesuchten Ambivalenz zwischen Kunst- und Gebrauchsgegenstand legt Zäch die Grundbedingungen plastischer Formfindung offen und gelangt damit zugleich zu gesellschaftlichen und philosophischen Fragen, die sich konsequent mit Kommunikation und Transport, mit Statik und Dynamik, mit linearen und zirkulären Ab- oder Leerläufen befasse.

Boris Rebetez: Anticipation

05.06.2010 – 08.08.2010
Parterre Ost

Boris Rebetez (*1970) beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit mit dem Raum. Meist sind es periphere Situationen, die ihn interessieren: Orte, an denen Stadt und Landschaft, Architektur und Natur aufeinander treffen und sich zu einem komplexen, vielschichtigen Ganzen verdichten. Seine Aufmerksamkeit richtet sich auch auf halböffentliche Räume wie Innenhöfe, Treppenhäuser oder Vortragssäle, die zwischen innen und aussen changieren und verschiedene Funktionen in sich vereinen. Er untersucht ihre architektonische und räumliche Qualität, fragt jedoch immer auch nach unserer subjektiven Wahrnehmung und Erfahrung, nach dem erlebten und verinnerlichten Raum. Mittels Zeichnungen, Collagen und Skulpturen untersucht er unsere Umgebung, legt Schichtungen frei und sucht nach Bildern, die die Komplexität der heutigen Gegenwart reflektieren. Seine Untersuchungen beziehen seit einiger Zeit auch den Ausstellungsraum mit ein: Für seine Einzelpräsentation im Kunstmuseum Solothurn realisiert er eine neue installative Arbeit, die von der Atmosphäre der Räume ausgeht und subtil in diese eingreift. Aus einfachen Materialien wie Sperrholz oder Karton baut er fragile Strukturen, so dass der Ausstellungsraum auf den ersten Blick vertraut erscheint, sich mit zunehmender Wahrnehmung jedoch verwandelt und als neuer, fiktiver Ort in Erscheinung tritt. Die Ausstellung vereint Skulpturen, Collagen und Zeichnungen, in denen Boris Rebetez seine künstlerischen Recherchen nicht nur in die Vergangenheit ausweitet, zu kunsthistorischen Grössen wie Fra Angelico oder Andrea Mantegna, sondern als utopische Visionen auch in die Zukunft richtet.

Distant Memory

Kunstverein Solothurn

05.06.2010 – 08.08.2010
Parterre West und Graphisches Kabinett

kuratiert von Hélène Joye-Cagnard und Catherine Kohler

Omar Alessandro, Valentin Carron, Pascale Favre, Pawel Ferus, Monica Germann & Daniel Lorenzi, Jorge Pedro Nuñez, Didier Rittener, Ana Roldán, Lex Vögtli und Nancy Wälti

Die Bildende Kunst des 20. Jahrhunderts kann auch unter dem Aspekt der Anlehnung an die Kunstgeschichte, die Kunst fremder Völker, die Volkskunst und an die Medien betrachtet werden. Diese Praxis hat sich im Verlauf der letzten zwanzig Jahre noch verstärkt, und es gibt die unterschiedlichsten Motivationen, die einem solchen «Nehmen» oder «wieder Aufnehmen» zu Grunde liegen. Die zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler nutzen diese Arbeitsweise weniger, um sich auf einzelne Werke zu konzentrieren, sondern eher, um Kunsttheorie und soziale Fragen zu thematisieren. Sie integrieren künstlerische und nicht-künstlerische Elemente und thematisieren Fragen nach dem kulturellen Gedächtnis. Am einen Ende befindet sich das Ursprungswerk, am anderen das Werk, in dem die Anlehnung oder sogar das Zitat zu entdecken ist. Für den Betrachter besteht die Herausforderung darin, die Anspielungen zu dekodieren, sie zu identifizieren und zu rekonstruieren, wie sie der Künstler in seinem Arbeitsprozess, der nicht nur semiotisch, sondern auch emotional abläuft, formuliert. Es gibt unterschiedliche Formen des Bezugs: die Interpretation, die Nachahmung oder auch die Würdigung. Nach Flüchtiger Horizont von Andreas Fiedler und Real Estate von Claudia Spinelli präsentiert der Kunstverein Solothurn mit Distant Memory die dritte fremdkuratierte Ausstellung.

Hommage an die Solothurner Sammlerin Liliane Benziger-Schild (1913–2009)

22.05.2010 – 05.09.2010

Mit Werken von Franz Eggenschwiler, Helmut Federle, Alberto Giacometti, Anje Hutter, Schang Hutter, Jean Mauboulès, Meret Oppenheim, Gian Pedretti, Louis Soutter, Rolf Spinnler, Otto Tschumi und Oscar Wiggli Das Kunstmuseum Solothurn zeigt in zwei Sälen des Obergeschosses eine Ausstellung mit Schenkungen und Dauerleihgaben aus der Sammlung von Liliane Benziger-Schild, die Ende des letzten Jahres verstorben ist. Bereits 2001 erfolgte eine grosszügige und wertvolle Schenkung der Sammlerin und ihres Sohnes Alfred Benziger an das Kunstmuseum Solothurn. Kürzlich kamen als Dauerleihgaben nochmals bedeutende Skulpturen, Gemälde und Arbeiten auf Papier dazu. Als Hommage an Liliane Benziger, die dem Kunstmuseum Solothurn über Jahrzehnte als Besucherin und Stifterin in grosser Freundschaft und anhaltendem Interesse verbunden war, zeigen wir eine Auswahl aus ihrer eindrucksvollen Sammlung. Die Werke, die sich zumeist existentiellen Fragen widmen, spiegeln in berührender Weise das Wesen und die Haltung dieser wahrhaften Kunstfreundin.

Luzia Hürzeler. Aus dem Auge

06.03.2010 – 16.05.2010
Parterre Ost

Die in Genf lebende Video-Künstlerin Luzia Hürzeler (*1976) hat in den hiesigen Jahresausstellungen verschiedentlich mit hervorragenden Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht. Das Kunstmuseum ihrer Heimatstadt Solothurn widmet ihr nun die erste Einzelausstellung in einem Museum und ermöglicht damit die Entdeckung einer jungen Künstlerin, die nach Studien in Genf und London bereits über ein sehr eigenständiges und stringentes Schaffen verfügt. Obwohl der Videofilm Luzia Hürzelers Hauptmedium bleibt, befasst sich die ehemalige Schülerin von Carmen Perrin thematisch mit dem Körper als Skulptur und interessiert sich für seine Wirkung zwischen (scheinbarer) Leblosigkeit und Lebendigkeit. Damit ermöglicht sie nicht nur eine kunstimmanente Betrachtung zum Charakter der unterschiedlichen Medien, sondern stellt zugleich existentielle Fragen. Neben ausgesuchten Frühwerken wird auch erstmals eine dreiteilige Werkgruppe präsentiert, die sie während ihrem zweijährigen Aufenthalt am Istituto Svizzero in Rom geschaffen hat. Dazu gehört u.a. der Videofilm Il nonno (2009), der in eindringlichen Bildern die Begegnung zwischen einem ausgestopften und einem lebendigen Löwen zeigt. Dabei geht es nicht nur um Schein und Sein, sondern um die Vergänglichkeit, wie sie sich am Nebeneinander der (Tier-)Generationen zeigt. Ein eigener Saal fasst Hürzelers ungewöhnliche Selbstbildnisse zusammen. Ihre langsamen Veränderungsprozesse stehen für einen lebendigen Kunstbegriff und sprechen in ebenso ernster wie schlagender Weise vom Lauf der Zeit.

Von der Entdeckung der Langsamkeit

Aspekte der zeitgenössischen Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

06.03.2010 – 09.05.2010
Parterre West und Graphisches Kabinett

Mit Bezug zur gleichzeitigen Ausstellung von Luzia Hürzeler, deren Videoarbeiten oftmals ausgesprochen langsame Veränderungen zeigen, wird die zeitgenössische Sammlung des Kunstmuseums Solothurn unter dem Fokus der Langsamkeit beleuchtet. Der Ausstellungstitel verdankt sich dem berühmten Buch Die Entdeckung der Langsamkeit (1983) von Sten Nadolny, das lange vor der vielzitierten „Entschleunigung“ einen Gegenwert zur Dominanz des Schnellen postulierte. Auch in der Gegenwartskunst häufen sich Werke, die langsame Prozesse reflektieren und nach einer entsprechend geduldigen Betrachtung rufen. Mit dem Thema der Langsamkeit wird die Zeit und ihr Ablauf befragt, das Veränderliche und Vergängliche, zuweilen aber auch die Dauer, wie sie uns im anhaltenden Wirken eines Werkes begegnen kann. Dass sich für die Darstellung zeitlicher Prozesse der Videofilm besonders eignet, ist naheliegend und zeigt sich in der Solothurner Sammlung an Beispielen von Silvie Defraoui und Shahryar Nashat. Langsamkeit lässt sich aber auch an (scheinbar) statischen Werken entdecken, etwa bei Roman Signers Verdunsten (1979/2003), dessen Veränderungsprozess wir nur aufgrund einer sich über Monate abzeichnenden Sandspur gewahren können. Zuweilen wird die Langsamkeit auch am langwierigen Entstehungsprozess eines Kunstwerkes ablesbar, etwa bei den Zeichnungen von Christian Denzler und Ingo Giezendanner oder den Bildern von Jean Pfaff. Das Erleben der Langsamkeit führt letztlich zu einem Schauen, das der Zeit und ihren Spuren nicht mehr folgt, sondern sie verliert.

Max Matter: Werke 1967–2009

28.11.2009 – 21.02.2010
Ganzes Parterre

Der Aargauer Künstler Max Matter (*1941) hat in der Solothurner Ausstellung Bunt ist meine Lieblingsfarbe (2004) einen Saal mit Adolf Wölfli geteilt. Matters riesige, in ihrer Klein- und Vielteiligkeit obsessiv anmutende Zeichnungen konnten dabei der Intensität des Art Brut-Künstlers durchaus standhalten. 14 Jahre nach Matters letzter grosser Übersichtsausstellung im Aargauer Kunsthaus Aarau zeigt das Kunstmuseum Solothurn eine mit den neuesten Werken ergänzte neue Präsentation dieses bedeutenden Schweizer Künstlers. Der Bogen der Exponate reicht dabei von den frühen Pendelzeichnungen der 70er Jahre bis zu den aktuellen Arbeiten, den seit 1996 entstehenden Injektions-Bildern und den in Leuchtkästen präsentierten „Fotografien“. Die Ausstellung folgt nicht einer chronologischen, sondern einer thematischen Ordnung. Als wichtigste Pole lassen sich die Themen Körper und Licht erkennen. Darin begegnen sich physische und psychische Selbsterfahrung, Raum und Zeit. Machte sich Matter für seine Pendelzeichnungen gleich selbst zum Pendel, indem er, an den Füssen von der Decke hängend, seine Papierbogen bezeichnete, betupfte er für eine andere Arbeit mit dem eigenen Blut und im Rhythmus seines Herzschlages ein grosses Format bis zur Erschöpfung. Mit dem Körper hat indirekt auch das Werkzeug der Spritze zu tun, die er für seine neuen Injektionsbilder verwendet. In vielfach gefaltete Japanpapiere spritzt er Farbe; mit dem Entfalten werden leuchtende Werke von zufälliger Schönheit sichtbar. Mit der Spritze sticht er aber auch in Filmspulen, lässt Licht ins Dunkle treten und findet damit fotografische Bilder, die unsere Fantasie anregen.

Farblichtfluss

Aquarelle und Sepien aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

21.11.2009 – 03.01.2010
Graphisches Kabinett

Mit Werken von Cuno Amiet, Albert Anker, Max Brunner, Roman Candio, Paul Demmé, Giovanni Giacometti, Franz Graff, Paul Klee, Laurent Louis Midart, Adrian Schiess, Anselm Stalder, André Thomkins, Albert Trachsel, Uwe Wittwer u.a.

Anlass der Ausstellung ist eine grosse Schenkung aus dem Nachlass des Solothurner Künstlers Max Brunner (1910–2007), der sich vor allem einen Namen als Glasmaler geschaffen hat. Die Verbindung von Licht und Farbe, von denen seine leuchtenden Kirchenfenster leben, findet sich auch in seinen Aquarellen, die bereits in seinem Frühwerk der 1920er und 1930er Jahre auftreten. Auf der Suche nach weiteren Beispielen der Aquarellkunst sind wir in unserer Sammlung auf bedeutende Künstler verschiedenster Epochen gestossen, vom späten 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bei der Sepia, die aufgrund ihres flüssigen Auftrags eng mit dem Aquarell verwandt ist, handelt es sich um ein unfarbiges, doch für die Darstellung von Lichtwirkungen ebenso geeignetes Medium. Die beiden Techniken werden im Verlaufe der Epochen aus ganz unterschiedlichen Gründen gewählt. Bieten sie zum einen eine ideale Form, Motive in der freien Natur oder auf Reisen im kleinen Format zu erfassen, eignen sie sich zum andern aufgrund ihrer Transparenz und Weichheit für das Erfassen von Stimmungen. Während manche Maler das Aquarell einfach zum farbigen Fassen von Zeichnungen nutzen, wird es bei andern Künstlern wie Roman Candio (*1935), Paul Demmé (1866–1953), Paul Klee (1879–1940) oder Uwe Wittwer (*1954) zur hauptsächlichen und virtuos beherrschten Parade-Technik.

SAMMELN VERPFLICHTET

Der Kunstverein Solothurn im Spiegel seiner Sammlung

29.08.2009 – 08.11.2009
Ganzes Parterre und Graphisches Kabinett

Mit Werken von Cuno Amiet, Frank Buchser, Roman Candio, Otto Frölicher, Rolf Spinnler, Anselm Stalder, René Zäch und vielen anderen mehr

Kuratiert von Roswitha Schild

Nachdem sich der Kunstverein Solothurn in den letzten Jahren vornehmlich auf zeitgenössisches Kunstschaffen konzentriert hat, richtet sich der Fokus nun auf seine eigene reiche Sammlung. Deponiert im Kunstmuseum Solothurn leistet diese dank der starken Gewichtung des Solothurner Kunstschaffens einen wesentlichen Beitrag zur Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Museum. Kern der Sammlung ist das Buchser-Legat, welches in der Ausstellung ebenfalls Dreh- und Angelpunkt sein soll. Dazu gesellen sich weitere Legate – vornehmlich aus der Zeit um die Erbauung des Kunstmuseums – sowie Ankäufe seit 1879, als der Kunstverein wegen der Holbein-Madonna-Finanzkrise gezwungen gewesen war, seine bisherige Sammlung der Stadt Solothurn abzutreten. Während Schlaglichter auf die historische Sammeltätigkeit des Kunstvereins Solothurn geworfen werden, soll diese zugleich kritisch nach Zweck, Strategie, Repräsentativität, Ausstrahlung und Möglichkeiten für die Zukunft hinterfragt und virtuell ergänzt werden – wo immer möglich im Dialog mit Werken aus privaten Sammlungen. Keine behäbig-nostalgische Ausstellung ist das Ziel, sondern eine bezugsreiche Verortung der Sammlung im Hier und Jetzt. Die aktive Mitwirkung von Sammlerinnen und Sammlern ist erwünscht!

Cécile Hummel – Streiflichter

16.05.2009 – 09.08.2009
Graphisches Kabinett

Häuserfassaden, die skulptural anmuten; eine römische Pasticceria, eine Vitrine mit Süssigkeiten, die man zum ersten Mal zu sehen meint; ineinander verschachtelte Räume, Wäscheleinen, Konzertsäle, Kinosäle, Bibliotheken; Interieurs mit Spiegeln und Sesseln, die Erinnerungen aus einer anderen Zeit wecken. Cécile Hummel (*1962 im Thurgau, lebt in Basel) interessiert sich nicht für das Aussergewöhnliche, das Ferne, sondern nähert sich in ihren Bildern vielmehr dem, was uns täglich umgibt. Seit den 90er Jahren arbeitet die Künstlerin in den Medien der Zeichnung und Fotografie, seit einiger Zeit ist auch das Videobild dazugekommen. Sie hält mit der Kamera fest, was sich der flüchtigen Wahrnehmung entzieht und schafft zeichnend Bildräume, in denen sich Gesehenes mit Erinnertem mischt, die Linie sich auch vom Gegenstand löst und eigenständig wird. Um die Grenzen und Übergänge der einzelnen Medien auszuloten, kombiniert sie ihre Bilder immer wieder zu installativen Anordnungen: Gouachen, Tuschezeichnungen, Inkjet-Drucke und Fotografien fügt sie zu assoziativen Bildfeldern an der Wand. Die aus einem grossen Fundus ausgewählten Bilder verbinden sich so zu möglichen Geschichten, die sich – einmal angedeutet – wieder verflüchtigen. So fragt die Künstlerin einerseits nach dem Wesen der Dinge, nach ihrer Form und ihrer Erscheinung; immer jedoch geht es ihr auch um ein Nachdenken über die Möglichkeiten des Bildes an sich. Nach Einzelausstellungen in der Schweiz und im Ausland ist das Werk von Cécile Hummel nun erstmals in Solothurn zu sehen. Während hier Zeichnung, Fotografie und Videoarbeiten im Vordergrund stehen, zeigt das Kunstmuseum des Kantons Thurgau gleichzeitig fotografische und installative Arbeiten der Künstlerin.

Mario Sala – Die Haltlosigkeit des Raumpflegers Antonio Gracia Alberto

02.05.2009 – 02.08.2009
Ganzes Parterre

Der Winterthurer Künstler Mario Sala (*1965) hat sich mit seinem eigenwilligen und rätselhaften Schaffen einen festen Platz unter den anerkannten Schweizer Kunstschaffenden seiner Generation erworben. Sein multimediales Werk zwischen Zeichnung, Malerei, Fotografie, Objektkunst und Installation verweigert sich schnellen Zugriffen. Sala sucht Übergangsbereiche, deren Offenheit und suggestive Wirkung das Publikum als Spieler, Wanderer oder Leser einbezieht. Nach seinen Einzelausstellungen im Kunstmuseum Winterthur (2001) und im Helmhaus Zürich (2004/05) unternimmt die Präsentation im Kunstmuseum Solothurn anhand thematischer Schwerpunkte erstmals den Versuch, das aktuelle Schaffen auf ausgesuchte Werkgruppen früherer Jahre zu beziehen. Der seltsame Ausstellungstitel Die Haltlosigkeit des Raumpflegers Antonio Gracia Alberto kann die Suchbewegungen und Irrgänge beschreiben, die das Publikum in Salas installativ angelegter Ausstellung erlebt. Dabei werden zwei- und dreidimensionale Werke, Zeichnungen in Vitrinen, Bilder und Objekte räumlich miteinander verbunden. Zum Thema wird der reale Raum des klassizistischen Museumsbaus selbst, seine machtvolle Symmetrie, die Ordnung der Raumfolgen, die Sala mit vielfachen Blockierungen verunklärt. Der verwirrende Wechsel der Ebenen und Perspektiven kann darum nicht nur geistig, sondern auch physisch erlebt werden, wirkt doch die ausufernde Ausstellung, die selbst Treppenhaus und Foyer noch einbezieht, als eine einzige Installation.

1. Kulturnacht Solothurn

02.05.2009 – 02.05.2009

Programm Kunstmuseum

14–15 Uhr und 15.15–16.15 Uhr
Workshops für Erwachsene und Kinder ab 8 Jahren in der Sammlung (mit Regula Straumann und Claudia Leimer, Museumspädagoginnen)

17 Uhr
Öffentliche Vernissage der Ausstellung
Mario Sala – Die Haltlosigkeit des Raumpflegers Antonio Gracia Alberto
Einführung: Christoph Vögele
Anschliessend Apéro im Foyer oder bei schönem Wetter vor dem Museum: Apérohäppchen und Wein

22.30 Uhr
Führung durch die Ausstellung von Mario Sala in Anwesenheit des Künstlers

Das Haus bleibt geöffnet bis 24 h. Zugänglich ist die Ausstellung von Mario Sala sowie die gesamte Sammlung im Obergeschoss.

Für weitere Informationen und Details zum Programm: www.solopool.ch/65485.pool

Bessie Nager – hrönir

17.01.2009 – 13.04.2009
Parterre Ost

Die in Zürich lebende Künstlerin Bessie Nager (*1962) beschäftigt sich konsequent mit dem Raum. Oft wird dabei das Publikum sehr direkt in ihre Arbeiten einbezogen: Wer Nagers Installationen erlebt hat, ihre riesigen weichen Kissen (Clouds, seit 1996) betreten, sich zwischen ihren Flaschen-Ansammlungen (Sammelplatz, 1994) bewegt hat, wird sie nicht mehr vergessen. Mit grosser Einfühlung geht die Künstlerin auf die spezifischen Räume ein, verstärkt ihre Atmosphäre, fragt nach ihrer Geschichte. Dabei interessieren sie auch existentielle Überlegungen zum zeit-räumlichen Erleben und zu gesellschaftlichen Fragen. Nach mehreren Ausstellungen in Galerien und unabhängigen Kunsträumen zeigt Bessie Nager mit ihrer jetzigen Solothurner Präsentation ihr Schaffen zum ersten Mal anhand einer breit angelegten Einzelausstellung in einem Schweizer Museum. Ausgehend von den aktuellsten Skulpturen, den Voyageurs Immobiles, für welche die Künstlerin Bestandteile von Zürcher Trams verwendet hat, schliesst die Ausstellung auch einzelne ältere Arbeiten mit ein, die von Nagers Interesse an einer Erweiterung und Aktualisierung des herkömmlichen Skulpturbegriffs zeugen. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf einen Begriff von Jorge Luis Borges, der damit „Sekundärobjekte“ bezeichnet, die sich modellhaft auf die Realität beziehen. Oft machen Nagers Objekte und raumgreifende Installationen denn auch Zeit und Bewegung visuell erfahrbar, indem die Werke die Besucherinnen und Besucher zum unmittelbaren Handeln und Betreten anregen.

Bewegter Stillstand

Skulpturen und Bildhauerzeichnungen aus der zeitgenössischen Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

17.01.2009 – 13.04.2009
Parterre West und Graphisches Kabinett

Mit Werken von Heinz Brand, Reto Emch, Gunter Frentzel, Rolf Graf, Jürg Hugentobler, Daniela Keiser, San Keller, Isabelle Krieg, Bernhard Luginbühl, Željka Marušić/Andreas Helbling, Jean Mauboulès, Robert Müller, Victorine Müller, Markus Raetz, Dieter Roth, Roman Signer, Anselm Stalder, Jean Tinguely, Oscar Wiggli und Werner Witschi

Der paradoxe Ausstellungstitel Bewegter Stillstand lässt an das Buch Rasender Stillstand (1992) von Paul Virilio denken. Im Unterschied zur pessimistischen Weltsicht des französischen Philosophen, der eine Gesellschaft beschrieb, die Zeit und Raum hochtechnologisch beherrscht, aber damit an der Auslöschung ihrer selbst arbeitet, steht der Ausstellungstitel für einen wertfreien Aspekt der zeitgenössischen Skulptur zwischen Statik und Dynamik, Dauer und Vergänglichkeit. Die Bildhauer der Nachkriegszeit, allen voran Jean Tinguely, haben in ihren dynamischen Werken auf die urbane und maschinelle Realität Bezug genommen. In der Auswahl von modernen und zeitgenössischen Skulpturen und Bildhauerzeichnungen aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn steht die Frage der wirklichen, visualisierten oder suggerierten Bewegung im Zentrum. Während sich nur wenige Skulpturen tatsächlich bewegen oder bewegen lassen, wie einige von Tinguely, Werner Witschi oder Roman Signer, können viele andere Werke Entstehungsprozesse oder Bewegungsformen darstellen. In der zeitgenössischen Skulptur häufen sich zudem Arbeiten, die von den Besucherinnen und Besuchern aktiv genutzt werden können wie die Sitzskulptur von Željka Marušić/Andreas Helbling oder das Lesetischchen von San Keller. Die Ausstellung antwortet auf die gleichzeitige Präsentation dreidimensionaler Werke von Bessie Nager, die sich derselben Paradoxie des bewegten Stillstandes widmet.

24. Kantonale Jahresausstellung

Kunstverein Solothurn

22.11.2008 – 04.01.2009
Ganzes Parterre und Graphisches Kabinett

Der Kunstverein Solothurn organisiert im Wechsel mit dem Kunstverein Olten jedes zweite Jahr die Kantonale Jahresausstellung. Teilnahmeberechtigt sind Kunstschaffende, welche im Kanton Solothurn wohnen oder heimatberechtigt sind, zudem die Mitglieder der Kunstvereine Solothurn und Olten, der Kunstgesellschaft Grenchen sowie der visarte.solothurn. Aus den Eingaben der Kunstschaffenden bestimmt eine vom Vorstand des Kunstvereins Solothurn eingesetzte Jury eine möglichst attraktive Auswahl. Die Ausstellung bietet dem interessierten Publikum eine konzentrierte Sicht auf das aktuelle Kunstschaffen unserer Region und den Künstlerinnen und Künstlern eine schöne Gelegenheit, einem breiteren Publikum Einsicht in ihr gegenwärtiges Schaffen zu gewähren. An der Vernissage wird zum dritten Mal der Auszeichnungspreis des Kunstvereins Solothurn für eine von der Jury bestimmte herausragende Arbeit verliehen.

Speicher fast voll – Sammeln und Ordnen in der Gegenwartskunst

Thomas Feuerstein, Nina Fischer & Maroan el Sani, Rolf Graf, Alex Hanimann, huber.huber, Emre Hüner, Daniela Keiser, San Keller, Isabelle Krieg, Kris Martin, Cat Tuong Nguyen, Costa Vece, Zorro & Bernardo & Sibylle Stœckli .

06.09.2008 – 02.11.2008
Ganzes Parterre

Die Gruppenausstellung vereint aktuelle Arbeiten, die sich mit dem Phänomen des Sammelns und Ordnens beschäftigen. Durch das explosive Wachstum digitaler Speicherplätze und virtueller Archive werden hierarchische Wissensordnungen zunehmend von netzartigen und kollektiven Strukturen abgelöst. Die Arbeiten setzen Kontrapunkte zur gegenwärtigen Informationsflut, zeigen Ordnungen und Unordnungen, beschäftigen sich mit Text- und Bildarchiven, mit (pseudo-)wissenschaftlichen Klassifikationen und ernst gemeinten Ordnungsversuchen, mit musealen Kuriositätenkabinetten sowie obsessiv angelegten Sammlungen. Chaos und Kontrollverlust sind künstlerische Themen, die die Grenzen eines rationalen Zugangs zeigen. Ironische Skepsis, sowie das Fantastische und Utopische dienen als Gegenentwürfe zur rein rationalen Konstruktion unserer Wirklichkeit. Die individuelle Logik der Aneignung und Einordnung der Welt eröffnet ungewohnte Sichtweisen. Die Ausstellung zeigt eine exemplarische Auswahl von Arbeiten ganz unterschiedlicher Medien.

Alexandre Perrier (1862-1936)

Im Kontext mit Cuno Amiet, Giovanni Giacometti, Ferdinand Hodler, Albert Trachsel, Oskar Tröndle und Félix Vallotton sowie Michel Grillet und Albrecht Schnider

14.08.2008 – 23.11.2008
Oberlichtsäle des Ersten Stockes

Über zwanzig Jahre nach der letzten grossen Perrier-Ausstellung, die das Kunstmuseum Solothurn 1986 vom Musée d’Art et d’Histoire in Genf übernommen hat, findet nun erneut eine dem Genfer Maler und Zeichner gewidmete Präsentation statt. Dieses Mal geht die Initiative vom Kunstmuseum Solothurn aus, in dessen Sammlung sich zwei Hauptwerke des Künstlers befinden. Alexandre Perrier, ein Freund von Ferdinand Hodler, gilt als Hauptvertreter des Jugendstils. 1901 stellte er zusammen mit Hodler und Amiet in der Wiener Secession aus. Während Perriers Frühwerk dem divisionistischen Schaffen von Giovanni Segantini verpflichtet ist, sind die Spätwerke der 20er und 30er Jahre mit ihrer reinen leuchtenden Farbigkeit eigenwillige Beispiele der Moderne. Die Ausstellung klammert den figürlichen Symbolismus weitgehend aus und widmet sich der reinen Landschaftsmalerei. Diese geht von wenigen, wiederkehrenden Orten aus und entstand meist im Atelier. Trotz der Sinnlichkeit von Perriers Malerei, liegt ihr ein konzeptuelles Denken zugrunde, die die Modernität des Schaffens betont. Für eine Mitarbeit konnte die Perrier-Kennerin Claude Ritschard gewonnen werden.

Im Dialog mit Alexandre Perrier:
Landschaftsmalerei der Jahrhundertwende aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn sowie aktuelle Landschafts- Serien von Albrecht Schnider (*1958) und Michel Grillet (*1956).

Mariann Grunder Zeichnungen

05.07.2008 – 05.10.2008
Graphisches Kabinett

Die Berner Künstlerin Mariann Grunder (*1926) ist vor allem als Bildhauerin hervorgetreten. Ihre letzten grossen Präsentationen widmeten ihr im Jahr 2000 das Centre PasquArt Biel und das Kunsthaus Langenthal. Unsere Ausstellung beschränkt sich auf das zeichnerische Schaffen, das mit ausgesuchten Beispielen vom Frühwerk der 40er und 50er Jahre bis hin zu aktuellen Arbeiten gezeigt wird. Damit bezieht sich das Kunstmuseum Solothurn auf einen seiner Sammlungsschwerpunkte: die Bildhauerzeichnung. An Grunders zeichnerischem Interesse für Struktur und Linie sowie für das Wechselverhältnis von Fläche und Raum zeigt sich eine Verbindung zu ihrer Bildhauerei. Gleichwohl handelt es sich bei ihren Blättern fast immer um eigenständige Zeichnungen und nicht um vorbereitende Skizzen. Schon in den frühen Porträt-Zeichnungen, die in ihrer Subtilität an Otto Meyer-Amden und ihren offenen Schraffuren an Cézanne erinnern, zeigt sich das Interesse für den Körper im Licht. Bemerkenswert sind eine Serie von Sprayzeichnungen aus den 80er Jahren sowie die grossformatigen Frottagen der letzten Jahre. Mit Beispielen verschiedenster Medien und Formate wird erstmals ein gültiger Überblick zu Mariann Grunders Zeichnungen geboten. Sie reflektieren die ungemeine Frische und Direktheit, mit der die Künstlerin bis heute agiert.

Franticek Klossner / Victorine Müller

21.06.2008 – 17.08.2008
Ganzes Parterre

Die Künstlerfreunde Franticek Klossner (*1960) und Victorine Müller (*1961) beschäftigen sich in ihren Werken anhand des eigenen Körpers mit zeitgenössischen existentiellen Fragen. Zentral ist bei beiden die Performance, doch arbeiten beide auch medienübergreifend. Die Doppelausstellung zeigt die innere Verwandtschaft und lässt die Werke ineinander greifen. Bei Klossner geht es häufig um Identität und Zeit, Gesellschaft und Individuum. In Eis gefrorene Selbstporträts etwa, die Melting Selves (1990-2006), schmolzen in performativen Installationen dahin oder harrten bei Minusgraden in begehbaren Tiefkühlzellen als Stille Reserven (Hidden Assets, 2001-2005). Seine Körperbefragungen handeln von Deformation und Mutation. Um Grenzerfahrungen geht es auch in Victorine Müllers Werk. Sie setzt ihren Körper ebenfalls direkt in Performances ein. Wasser, Latex oder Plastik nimmt sie als künstliche Hüllen oder Gefässe, die ihr als Erweiterungen des eigenen Körpers dienen oder aus denen sie sich befreit. Isolation und Befreiung visualisieren Metamorphosen der eigenen Identität. Licht, Farbe und Ton machen die Performances zu Erlebnissen für das Publikum. Müller arbeitet auch mit aufblasbaren Tier-Skulpturen, in denen sie teils selbst performt. Zunehmend tritt sie aus den Hüllen heraus und zeigt sie als eigenständige Skulpturen. Die Begegnungen von Mensch und Tier, die neuerdings auch in Zeichnungen auftreten, haben traumhaft-surrealen Charakter.

Real Estate

Kunstverein Solothurn

05.04.2008 – 01.06.2008
Parterre West/Graphisches Kabinett

Menschen bauen Häuser. Diese prägen den Alltag, wecken Begehren und bilden Kulissen für allergeheimste Träume. Das Haus ist ein Schlüsselmotiv, nicht nur im privaten, sondern auch im öffentlichen Leben. Ob Reihenhaus, Büroturm oder Villa, wer über Gebäude nachdenkt, setzt sich mit den Menschen und ihrem Zusammenleben auseinander. Übersetzt bedeutet «Real Estate» soviel wie Grundbesitz, Liegenschaft oder Immobilie. Der Begriff, der längst in unseren Sprachraum vorgedrungen ist, eröffnet aber ein ungleich grösseres Assoziationsfeld. Das reale Leben bildet das Thema dieser Gruppenausstellung. Entsprechend massgebend sind Herkunft und heutige Lebensumstände der eingeladenen Kunstschaffenden: ein Solothurner, der nach Montreal ausgewandert ist und eine Kubanerin, die es nach Basel verschlagen hat, spielen zentrale Rollen. Dass dabei auch die Frage nach Identität unter den Bedingungen einer globalisierten Welterfahrung neu aufgerollt wird, macht das Themenfeld umso interessanter.

Von der Kunst Sträusse zu binden

Malerei und Malerisches aus der zeitgenössischen Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

05.04.2008 – 01.06.2008
Parterre Ost

Die zeitgenössische Malerei wird im Ausstellungsprogramm des Kunstmuseums Solothurn immer wieder vermittelt und hat in der Solothurner Sammlung ihren festen Platz. Nicht immer wird für heutige «Malerei» aber der Pinsel verwendet. Malerische Tendenzen finden nsich auch in der Videokunst und der Installation. Vom Berner Küstler Peter Wüthrich etwa stammt eine 99-teilige WandInstallation aus Leinenbänden, die in ihrer leuchtenden Erscheinung als Malerei wirkt. Ihr Titel Von der Kunst Sträusse zu binden hat unserer Accrochage den Namen gegeben. In der Kunst des Sträusse-Bindens übt sich auch der Konservator, der die inneren Zusammenhänge seiner Sammlung durch ein (an-) sprechendes Zusammenhängen der Exponate zeigt. Die vielfach totgesagte Malerei, die sich beim Publikum ungebrochener Beliebtheit erfreut, hat gerade in den letzten Jahren auch in der Fachwelt neues Interesse gefunden. Die ganz unterschiedlichen Formen zeitgenössischen Malens werden anhand von ausgesuchten Beispielen gezeigt.

Reto Emch – Intonare

19.01.2008 – 16.03.2008
Ganzes Parterre

Seit den 80er Jahren arbeitet der Solothurner Künstler Reto Emch (*1961) in den Bereichen Installation, Skulptur, Fotografie und Malerei. So vielfältig die medialen Zugänge, so wiederkehrend sind die Themen: Seit Anbeginn interessiert sich Emch für Raum und Bewegung sowie für das Element Wasser. Nun widmet das Kunstmuseum Solothurn dem Künstler eine grosse Übersichtsausstellung unter dem Titel Intonare, der auf die Bedeutung von Klang und Farbe in seinem Schaffen anspielt. Neben einer kleinen Auswahl von Arbeiten der 90er Jahre sind vor allem aktuelle Werke zu sehen. Anfangs- und Endpunkte der Ausstellung bilden zwei neue, eigens für die Ausstellung produzierte Installationen. Der Klang, der über das leise Tropfen rsp. Fliessen des Wassers zum Wesen der beiden Arbeiten beiträgt, tritt auch bei anderen Werken auf, u.a. bei Konzert (1994), einer Installation mit laufenden Waschmaschinen. Neben der gedanklichen Ebene interessieren Reto Emch auch malerische Wirkungen, die zumeist dem (kalkulierten) Zufall überlassen werden: Die tropfenden Kleider erzeugen auf dem Bleibecken ein Gemälde in Grautönen; die Wasserspuren der Brausen verwandeln die Museumswände in eine fernöstlich anmutende Malerei auf Zeit.

Renforcer ses forces

Jugendstil und frühe Moderne aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

19.01.2008 – 16.03.2008
Graphisches Kabinett

Durch Schenkungen und Dauerleihgaben ist es in den letzten Jahren gelungen, den Sammlungsschwerpunkt Jugendstil und frühe Moderne weiter auszubauen, ganz nach der seit vielen Jahren gepflegten Sammlungs-Devise Renforcer ses forces. Die diesjährige Accrochage im Graphischen Kabinett geht von der Dauerleihgabe aus dem Nachlass Oskar Tröndle und der Schenkung von Giovanni Giacomettis Arbeiten auf Papier von Bruno und Odette Giacometti aus. Ergänzt wird die Auswahl durch Papierarbeiten von Amiet und Trachsel und einige selten gezeigte kleinformatige Ölbilder von Auberjonois, Buri, Righini und Vallotton. Verbindende Elemente aller Exponate sind ihre dekorative Linearität und Flächigkeit, Merkmale des Jugendstils auf dem Weg in die zunehmende Abstraktion von Farbe und Form der Moderne. Diese grafisch-dekorative Ausprägung und Flächigkeit zeigen sich beispielhaft bei Tröndle. Auch die beiden Freunde Giacometti und Amiet stehen für die zunehmende Hinwendung zu Linie und Fläche. Den Symbolisten Trachsel interessiert weniger das Abbild als vielmehr das Sinnbild und sogar das Traumbild. Righini schliesslich kombiniert seinen hohen Formanspruch mit einer intensiven Farbigkeit. In einzelnen Werken ist bei ihm das Motiv nur noch Anlass für eine fast monochrome Malerei.

Design Preis Schweiz

02.11.2007 – 06.01.2008
Ganzes Parterre

Das wichtigste Anliegen des im zweijährigen Rhythmus verliehenen Design Preis Schweiz besteht in der Auszeichnung und der internationalen Präsentation von Design aus der Schweiz. Der Design Preis Schweiz, der längst zu einer festen Grösse in der nationalen Designszene geworden ist, wird zum neunten Mal verliehen. Zur Wettbewerbsteilnahme sind Designerinnen und Designer, Unternehmen, aber auch Studierende von Gestaltungs-Hochschulen eingeladen. Der Wettbewerb ist zweistufig angelegt. Eine Gruppe von Fachexperten sichtet sämtliche Eingaben aus den Bereichen Communication Design, Furniture Design, Interior Design, Textile Design, Fashion Design, Product Design und Research und nominiert daraus ca. 40 Projekte. Eine prominent besetzte, internationale Jury vergibt anschliessend maximal fünf Preise. Die Preisverleihung findet am 2. November 2007 im Konzertsaal in Solothurn statt. Gleichzeitig wird die Ausstellung der nominierten und prämierten Arbeiten im Kunstmuseum Solothurn eröffnet, die später auch im Ausland gezeigt wird.

Daniel Schwartz Le Monde de Candide

Eine Ausstellung des Kunstvereins Solothurn

22.09.2007 – 06.01.2008
Graphisches Kabinett

Literarische Bezüge sind im fotografischen Werk von Daniel Schwartz (*1955), dessen Kunst sowohl informativ als auch konzeptionell angelegt ist, seit Beginn ein wichtiger Teil seines Schaffens. Der Titel der Ausstellung ist denn auch dem satirischen Roman Candide (1759) von Voltaire gewidmet. Was den aufklärerischen Erzähler mit dem lesend reisenden Fotografen Schwartz verbindet, ist der Ferne Osten als Quelle der Inspiration. Voltaire, der sich von Werken wie der Description de la Chine (1736) von du Halde anregen liess, macht in der Erzählung Der Lauf der Welt Transoxianien und Persien zum imaginären Schauplatz. Es ist der geografische Raum, wo Schwartz’ jüngste Werke entstanden sind. Zwischen diesen persischen Arbeiten von Schwartz und seinen frühesten am Jura-Südfuss liegen dreissig Jahre Anschauung der Verhältnisse zwischen Ost-Timor und Turkmenistan. In seinen Fotografien wendet er sich politischen und gesellschaftlichen Fragen zu, wie «der Verkettung aller Dinge in der Welt des begrenzten Glücks», die Schwartz in der für Solothurn konzipierten Ausstellung zu ordnen sucht. Nach zahlreichen internationalen Präsentationen ist die Solothurner Ausstellung die erste in der Stadt seiner Jugend.

Florian Slotawa Solothurn, aussen

Kunstverein Solothurn

25.08.2007 – 11.11.2007

Skulpturenprojekt im Park des Kunstmuseums Solothurn

Daniela Keiser Land Logo Löwe

18.08.2007 – 21.10.2007
Ganzes Parterre

Mit ihren Fotografien, Objekten und Installationen gehört Daniela Keiser (*1963) zu den wichtigsten Schweizer Künstlerinnen ihrer Generation. In den letzten zehn Jahren wurde ihr Schaffen verschiedentlich in Einzelaspekten präsentiert, u.a. im Museum für Gegenwartskunst Basel und dem Fotomuseum Winterthur (1999), dem Museum Allerheiligen Schaffhausen (2002) und dem Helmhaus Zürich (2005). Das Kunstmuseum Solothurn hat bereits 2003 Werke von Daniela Keiser in der Ausstellungsreihe Paarläufe (zusammen mit einer Klang-Installation des Schriftstellers Peter Stamm) gezeigt. Nun ist ihr eine grosse Übersichtsausstellung unter dem Titel Land Logo Löwe gewidmet. In thematischen Blöcken wird eine breite Auswahl des Gesamtschaffens vermittelt, das mit Exponaten verschiedener Medien repräsentativ gezeigt wird. Der Titel spielt auf Keisers wiederkehrende Auseinandersetzung mit der (Stadt-) Landschaft, ihre konzeptuelle Beschäftigung mit Sprache und Zeichen sowie ihre Hinwendung zu allem Kreatürlichen an, insbesondere zur rätselhaften (Fabel-)Welt der Tiere. Neben neuen Installationen wird erstmals eine grosse Fotoserie gezeigt, die in Kulissen-Städten der europäischen Filmindustrie entstanden ist. Die Ausstellung wird anschliessend von der Villa Merkel, Esslingen (D), übernommen.

«Kopf in Kubus»

Konstrukte und Konstruktionen aus der Graphischen Sammlung des Kunstmuseums Solothurn.

09.06.2007 – 02.09.2007
Graphisches Kabinett

Mit Werken von Armleder, Bill, Le Corbusier, Federle, Graeser, Klee, Lehmann, Lohse, Mauboulès, Raetz, Roth, Signer, Taeuber-Arp, Talman, Thomkins, Witschi, Zäch u.a. Die diesjährige Accrochage aus der Graphischen Sammlung vereint Arbeiten, die sich mit geometrischen Konstruktionen beschäftigen. Anlass der Ausstellung ist die Dauerleihgabe der Robert Bosch GmbH von 2005, die neben wichtigen Werken der Malerei auch zahlreiche Arbeiten auf Papier, darunter eine bedeutende Werkgruppe der Zürcher Konkreten enthält. Konstruktive Arbeiten aus der Sammlung ergänzen das Panorama. Den abstrakten Geometrien liegen oftmals mathematische Ordnungen zugrunde. Viele Arbeiten thematisieren visuelle Wahrnehmungsprobleme und arbeiten an logischen künstlerischen Lösungen. Andere verwenden geometrische Konstruktionen als Metapher für mentale Konstrukte. Kopf in Kubus (1965), eine Zeichnung von Raetz, steht für das Verhältnis von Zeichnung und mentalem Denkraum. Der Kubus ist Sinnbild für die Orientierung des Menschen an einem künstlichen Koordinatensystem. Der Kopf, der in diesem System gefangen scheint, unterstreicht die Dialektik von Wirklichkeit und Konstrukt. In einem Sammlungssaal des Ersten Stockes werden weitere Werke der Bosch-Dauerleihgabe präsentiert, Bilder und Bildteppiche von Amiet, Giovanni Giacometti, Morach, Vallotton sowie von Kirchner und Itten.

Schang Hutter

12.05.2007 – 29.07.2007
Parterre West

Das Kunstmuseum Solothurn hat 1989 eine grosse Übersichtsausstellung des Bildhauers und Zeichners Schang Hutter (*1934) gezeigt, die davor in Berlin (DDR), später auch im Centre Culturel Suisse Paris präsentiert wurde. Wenn Schang Hutter im Museum seiner Heimatstadt nach 18 Jahren erneut eine Ausstellung gewidmet ist, so soll damit vorerst ein Einblick in sein jüngstes Schaffen gegeben werden. Daneben bietet sich aber auch die reizvolle Möglichkeit, das heutige Schaffen mit dem Frühwerk der sechziger und siebziger Jahre zu vergleichen. Denn die ab 2002 entstehenden Köpfe in Gips und Holz lassen sich in mancher Hinsicht auf frühe Arbeiten des Künstlers beziehen, die seine Auseinandersetzung mit der klassischen Bildhauerei, v.a. mit Karl Geiser, reflektieren. So begegnen sich frühe Hauptwerke wie Benjamin (1964) und aktuelle Skulpturen. Neben ausgesuchten Arbeiten auf Papier aus dem Früh- und Spätwerk sind auch grössere Installationen der neunziger Jahre wie etwa Veitstanz (1992) zu sehen. Das Nebeneinander von Werken, die über einen Zeitraum von 40 Jahren entstanden sind, zeigt die eindrucksvolle Konsequenz und Ausschliesslichkeit, mit der sich Hutter dem Thema des Menschen, seiner Fragilität und Gefährdung, aber auch seiner Würde zugewendet hat.

Elodie Pong, Laurent Goei: Samples ’n’ Remix

28.04.2007 – 29.07.2007
Parterre Ost

Elodie Pong (*1966) und Laurent Goei (*1964) kennen sich seit ihrer Jugend in Lausanne und stellen im Kunstmuseum Solothurn erstmals gemeinsam aus. Die Videos von Elodie Pong und die Skulpturen von Laurent Goei sind in ihrer Thematik der zeitgenössischen urbanen Befindlichkeit und dem Hang zur Inszenierung verwandt. Elodie Pong geht in ihren Videoarbeiten ganz nah an Menschen und Emotionen heran und zeichnet eine kaleidoskopische Sicht auf ihre Generation. Mit scharfem (Kamera-)Auge, doch viel Mitgefühl durchleuchtet sie die Fragilität der zwischenmenschlichen Kommunikation und ihr potentielles Scheitern. Dabei fokussiert sie auf den Körper als Instrument der Identitätsfindung. Es bleibt jedoch meist unklar, ob die Szenen authentisch oder für die Kamera inszeniert sind. Laurent Goei formuliert seine Wahrnehmung des Alltags in einer Verbindung von Sprache, Grafik und Skulptur. Der Bezug zur Musikkultur ist ein wichtiger Bestandteil seiner Installationen. Wiederholt setzt er sein Selbstbild durch den Einbezug der eigenen Person oder Kleidung ein. Er baut formalistisch anmutende Kulissen mit Musikboxen oder malt auf zerbrochene Fensterscheiben. So schafft er Spiegelungen von Gemütslagen der Entfremdung und Selbstbehauptung, Intimität und Melancholie.

Heinz Egger: Arbeiten auf Papier

17.02.2007 – 20.05.2007
Graphisches Kabinett

Heinz Egger (*1937) gehört zu den Stillen (und Steten) im Lande, dessen einfache Motive sich umso tiefer einprägen. Alles Spektakuläre ist ihm fremd, darum scheinen ihm in der Zeichnung als dem direktesten aller Medien oft auch die eindringlichsten Werke zu gelingen. 2004 hat der Künstler in der Kunsthalle Bern seine Malerei gezeigt, nun ermöglicht er einen Einblick in sein Schaffen auf Papier. Das Zeichnen, mit Pinsel, Kohle und Bleistift, ist dem Künstler ein tägliches Exerzitium. Seit vielen Jahren setzt er in seine Wachstuchhefte, seine «Tagebücher», Notizen und Skizzen. Der Datumsstempel ist dabei ebenso wichtig wie die eigentlichen Einträge. Der «Lauf der Zeit» ist für den Künstler, der seine Referenzen auch in der Musik und der Literatur sucht, ein selbstverständliches Thema. Darum sind auch seine Serien von Zustandsdrucken, die den kontinuierlichen Prozess der Veränderung derselben Druckplatte zeigen, nicht primär Ausdruck seiner technischen Möglichkeiten, sondern vielmehr seiner existentiellen Beschäftigung mit Vorher und Nachher, Erleben und Erinnern. Eggers Motivwelt reflektiert den Geist eines Zeitgenossen, der mit wachem Auge aufnimmt, was sich ihm an Pressebildern oder beiläufigen Beobachtungen bietet, um sie hernach, als einer Lebensaufgabe des Verarbeitens und Verkraftens, künstlerisch zu verdichten.

Alexander Hahn Werke 1976 bis 2006

20.01.2007 – 09.04.2007
Ganzes Parterre

Das Kunstmuseum Solothurn widmet dem Videokünstler Alexander Hahn (*1954) die erste grosse Übersichtsausstellung. Der in New York und Zürich lebende Schweizer Künstler gilt als international anerkannter Pionier der Neuen Medien; seine Werke befinden sich in so bedeutenden Sammlungen wie dem Centre Pompidou Paris oder dem ZKM Karlsruhe. Gezeigt werden Arbeiten aus allen Schaffensphasen, auch das kaum bekannte Frühwerk, u.a. seine «Cyborgs» (aus Elektroschrott hergestellte Maschinen) der siebziger und achtziger Jahre. Die gedankliche Komplexität vermittelt Hahn durch eine auffallende Sinnlichkeit. Viele seiner Arbeiten wirken traumhaft; die Nähe zu Science Fiction, in der sich Utopie und Albtraum begegnen, ist sprechend. Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit fliessen bei Hahns assoziativen Bilderströmen zusammen; verbindendes Thema bleibt die Zeit. Computer und Monitore werden als Ausdrucksmittel bewusst eingesetzt, nicht aus einer einseitigen Faszination für alles Technische, dessen Unmenschlichkeit er in seinen Videofilmen entlarvt, sondern aus einem konsequenten Interesse für den Zauber des Lichts. Neben seinen raumgreifenden Video-Installationen sind auch Arbeiten auf Papier zu sehen. Die Ausstellung wird anschliessend vom Museum der Moderne, Salzburg, übernommen.

22. Kantonale Jahresausstellung

Eine Ausstellung des Kunstvereins Solothurn

25.11.2006 – 02.01.2007
Ganzes Parterre

Im Wechsel mit dem Kunstmuseum Olten zeigt das Kunstmuseum Solothurn jedes zweite Jahr die Kantonale Jahresausstellung. Aus den Eingaben von Solothurner Kunstschaffenden wählt Ende 2006 wiederum eine vom Vorstand des Kunstvereins Solothurn eingesetzte Jury die besten Werke aus. Die Ausstellung gibt einen breiten Einblick in das aktuelle Kunstschaffen unserer Region.

Giovanni Giacometti. Arbeiten auf Papier

04.11.2006 – 28.01.2007
Graphisches Kabinett

Zum ersten Mal wird in einer Ausstellung das Schaffen auf Papier von Giovanni Giacometti (1868-1933) umfassend präsentiert. Vertreten sind sämtliche Techniken – Aquarell, Pastell, Bleistift-, Farbstift- und Tuschezeichnung, Radierung und Holzschnitt – sowie alle Schaffensphasen von den ersten Arbeiten aus der Ausbildungszeit in München und Paris bis hin zu den Spätwerken der zwanziger und dreissiger Jahre. Wie in Giacomettis Gemälden ist auch bei seinen Arbeiten auf Papier die Hinwendung zu Farbe und Licht zentral. Ein grosser Teil der Exponate ist denn auch farbig, besonders zahlreich sind die Aquarelle. Neben der Landschaft des Oberengadins und des Bergells sind Giacomettis Frau Annetta und die vier Kinder wiederkehrende Motive. Sichtbar werden vor allem im Frühwerk die stilistischen Einflüsse von Segantini und Van Gogh. Eine besondere Entdeckung stellen die späten Zeichnungen dar, an denen sich der Sohn Alberto offensichtlich orientiert. Gezeigt werden u.a. auch Blätter, die dem Kunstmuseum Solothurn kürzlich von Bruno und Odette Giacometti als Schenkung übergeben wurden. Die Ausstellung wird anschliessend vom Bündner Kunstmuseum Chur übernommen.

Les Livres de Vie. Eva Aeppli und ihre Künstlerfreunde

Jean Tinguely, Yves Klein, Daniel Spoerri, Niki de Saint Phalle, Jean-Pierre Raynaud, Bernhard Luginbühl und andere

Gastkurator: André Kamber

26.08.2006 – 05.11.2006
Ganzes Parterre

Ihre Livres de Vie, ihre Lebensbücher, begleiten Eva Aeppli seit den frühen 50er Jahren. Ausschliesslich gestaltet aus den ihr aus dem Freundeskreis zugesandten Korrespondenzen, Manuskripten, Zeichnungen, Fotos und ihren eigenen Materialien widerspiegeln sie, was sie und ihren Kreis beschäftigt und bewegt hat. Entstanden ist eine Autobiographie ohne Worte und zugleich ein bedeutendes Dokument zum europäischen Kunstschaffen der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eva Aeppli hat ihre Lebensbücher dem Kunstmuseum Solothurn geschenkt. Das Kunstmuseum Solothurn nimmt diese bedeutende Schenkung zum Anlass einer grossen Ausstellung. Die Projektion aller Doppelseiten der 15 Lebensbücher wird ergänzt mit Werkgruppen der Künstlerin sowie von Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle, Yves Klein, Jean-Pierre Raynaud, Bernhard Luginbühl und Daniel Spoerri, die mit Eva Aeppli in lebenslanger Freundschaft verbunden waren und sind.

Zur Ausstellung erscheint als gemeinsame Publikation mit dem Museum Tinguely ein reich illustrierter Band.

SON ET LUMIÈRE

Videokunst aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

26.08.2006 – 22.10.2006
Graphisches Kabinett

Die diesjährige Accrochage im Graphischen Kabinett widmet sich unter dem Titel Son et Lumière der Videokunst. Diese wird wesentlich durch die Suggestionskraft von Licht und Ton bestimmt. Seit jeher erfuhr die Videokunst zudem Einflüsse aus der musikalischen Avantgarde und der Performance. In der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn befinden sich ganz unterschiedliche Werke, die sowohl inszenierte wie dokumentarische Ansätze aufweisen. Shahryar Nashat etwa spürt in Les Négateurs (2003) seinen kulturellen Wurzeln nach und wendet dabei doch alle Mittel der Inszenierung an. Alexia Walther arbeitet für Totentanz (2004) mit einem Schauspieler und unterstreicht die metaphorische Theatralik mit barocker Begleitmusik. Auffallend häufig treten dokumentarische Bilder auf. Ganz unterschiedlich aber ist ihre Umsetzung zwischen bildhafter Poesie und journalistisch anmutender Recherche. Ausgesuchte Präsentationsformen geben den Arbeiten ihre adäquate Präsenz im Raum. Während bei Nashat und Rolf Graf Grossbild-Projektionen zur kinematographischen Wirkungskraft beitragen, ist bei Marusic/Helbling der Monitor in eine eigentliche Skulptur eingebaut, bei Anüll gar Bildgegenstand und Bildmittel in einem. Daran kann die vielfältige Erscheinung heutiger Videokunst erfasst werden.

Retrospektive Rolf Spinnler

Gemälde und Zeichnungen

27.05.2006 – 06.08.2006
Parterre West und Graphisches Kabinett

Rolf Spinnler (1927-2000) wird sechs Jahre nach seinem Tod eine retrospektive Ausstellung gewidmet. Waren noch zu Lebzeiten zwei grosse Präsentationen im Palais Besenval, Solothurn (1997) und der Abbatiale de Bellelay (1998) zu sehen, ist es nun an der Zeit, im Museum seines Geburtsortes Solothurn auf die nationale Bedeutung des Schaffens hinzuweisen und eine kunsthistorische Situierung vorzunehmen. Zwar wurde Spinnlers Talent früh erkannt – 1960, 1962 und 1963 erhielt er das Eidgenössische Stipendium – , doch blieb seine Bekanntheit v.a. auf Solothurn und seinen späteren Wohnort Biel beschränkt. Mit seinem Frühwerk der 50er und 60er Jahre aber leistet er einen gewichtigen Beitrag zur gegenständlichen Kunst der Nachkriegszeit. In seinen eindrucksvollen Landschaften und einfühlsamen Porträts überwiegt der expressive Ausdruck, der dem damaligen existentialistischen Weltbild entspricht. Als Vorbilder sind in manchen Werken Georges Rouault, in andern Alberto Giacometti spürbar. Auf diesen lassen sich vor allem die Bleistiftzeichnungen beziehen, denen im Graphischen Kabinett viel Raum gegeben wird. Denn sie gehören zum Besten der Schweizer Zeichenkunst. Das Handschriftliche der Zeichnung prägt auch seine Malerei bis hin zum Alterswerk.

Costa Vece

Heaven can wait

27.05.2006 – 06.08.2006
Parterre Ost

Die Arbeiten von Costa Vece (*1969, lebt und arbeitet in Berlin und Zürich) stossen seit der Biennale in Venedig 1999 auf zunehmendes nationales und internationales Interesse. Nach einem längeren Aufenthalt in Berlin (Atelierstipendium des Bundesamtes für Kultur) und Ausstellungen im Ausland ist der Künstler nun mit aktuellen Arbeiten erneut in einem Schweizer Museum präsent. Costa Vece verwendet seit dem Beginn seiner künstlerischen Laufbahn Verbrauchsmaterialien, z.B. Warenkartons. Damit inszeniert er Installationen, auf die er Filmsequenzen projiziert, die sich ihm durch ihre Intensität besonders eingeprägt haben. Die meist begehbaren Räume sind eine Gegenwelt voller Intimität, Erinnerung und Sehnsucht. Die romantische Stimmung täuscht jedoch, oft erleiden Wünsche, Vorstellungen oder gesellschaftliche Utopien in seinen Arbeiten Schiffbruch. Zur berührenden Emotionalität der Installationen kommt in den neuesten Werken eine zornige Gesellschaftskritik. Während Costa Vece bereits in früheren Werken politische Themen und Endzeitvisionen aufgriff, baut er heute abweisende Fassaden politischer Inszenierung. Als Vertreter der Secondo-Generation in der Schweiz sind Bilder der Gewalt und Ausgrenzung für ihn von besonderem Interesse.

Flüchtiger Horizont

Eine Ausstellung des Kunstvereins Solothurn, kuratiert von Andreas Fiedler (Bern)

11.03.2006 – 07.05.2006
Parterre West und Graphisches Kabinett

Der Horizont trennt als mehr oder weniger klar konturierte Linie Erde und Himmel, er markiert die definierte Grenze zwischen Materiellem und Immateriellem, zwischen Form und Nicht-Form. Für unsere Wahrnehmung ist er der äusserste Parameter raumzeitlicher Orientierung, die visuelle Aussengrenze des In-der-Welt-Seins. Jenseits des Horizonts lässt sich eine unbestimmte, eine andere Welt denken. Die Ausstellung «Flüchtiger Horizont» zeigt exemplarisch fünf künstlerische Positionen, die – bei aller Unterschiedlichkeit ihrer jeweiligen Ansätze – Fragmente von Welten entwerfen, die jenseits dieser fernen Grenze, quasi ausserhalb der Horizontlinie liegen. Die beteiligten Kunstschaffenden Martin Blum (1964), Raffaella Chiara (1966), Yves Netzhammer (1970), Bernd Schurer (1970), Anselm Stalder (1956) und Gregor Zivic (1965) verbindet keine auf einen Aspekt zugespitzte Fragestellung. Vielmehr schlagen sie im Entwerfen und Untersuchen von virtuellen, modellhaften oder gedanklichen Parallelwelten einen ähnlichen thematischen Grundton an. Die zum grossen Teil speziell für diese Ausstellung entwickelten Arbeiten betonen solche Momente des Übergangs.

Oscar Wiggli. Superposition

Fotografien, Zeichnungen und musikalische Kompositionen

04.03.2006 – 07.05.2006
Parterre Ost

Oscar Wiggli (*1927 in Solothurn) gehört mit Jean Tinguely, Bernhard Luginbühl und Robert Müller zu den grossen Schweizer Eisenplastikern, die mit ihren Skulpturen internationalen Rang erlangt haben. Im Kunstmuseum Solothurn werden nun auch andere Schaffensbereiche vorgestellt: Fotografien, Filme und Zeichnungen sowie Kompositionen, die der Konkreten Musik verpflichtet sind und auf elektronisch generierten oder mit dem Syntheziser verfremdeten Geräuschen basieren. Wigglis photographische Werkgruppe der Superpositions, die in den sechziger und siebziger Jahren mit dem Mittel der Doppelbelichtung entstanden ist, bildet das Zentrum der Ausstellung. In diesen für die Fotogeschichte einzigartigen Arbeiten werden die Aufnahmen nackter Frauenkörper mit jenen von Wigglis Skulpturen überlagert. Der Begriff der Superposition lässt sich aber auch auf viele weitere Arbeiten beziehen, und kann sogar als Metapher für sein ganzheitliches Schaffen stehen. Neben Fotos und wenigen exemplarischen Skulpturen werden seine neuen Zeichnungen und Papier-Reliefs gezeigt, die mit ihren feinen Verläufen an das An- und Abschwellen von Klängen erinnern. Die Ausstellung wird denn auch stimmig ergänzt durch eine Komposition, die als Teil einer neuen filmischen Arbeit zu hören ist.

Somewhere else is the same place

Monica Studer / Christoph van den Berg: Werke 2000-2005

26.11.2005 – 12.02.2006
Ganzes Parterre

Das Basler Künstlerpaar Monica Studer (1960) und Christoph van den Berg (1962) ist mit dem Internet-Projekt Vue des Alpes international bekannt geworden. Von diesem gross angelegten, verschiedene künstlerische Gattungen umfassenden Projekt ausgehend, widmet sich die Ausstellung dem Motiv der Landschaft und vereint Hauptwerke der Jahre 2000 – 2005. Es sind viele Arbeiten zu sehen, die noch nie in der Schweiz ausgestellt waren oder eigens für Solothurn geschaffen wurden, wie die interaktiven Computer-Arbeiten Wiese und Nebel. Ein grosser Teil ist während eines Aufenthaltes in London entstanden. Dass ihre mit Computer-Programmen hergestellten Bilder erfundener Alpenlandschaften in der Grossstadt entstanden sind, unterstreicht die Distanz, mit der sie sich der «Natur» nähern. Gleichwohl gelingt es ihnen, diese in ungemein sinnlicher Weise zu suggerieren. Zur geografischen Reise kommt oft eine Zeitreise, reflektieren doch viele Bilder anhand spezifischer Details die sechziger und siebziger Jahre. Dem Wert der Erinnerung kommt zentrale Bedeutung zu. Den Schlusspunkt der Ausstellung bildet ein monumentaler Ausschnitt aus dem dreidimensionalen Berg, den das Künstlerpaar als Mitglied der Autorengruppe Panorama 2000 zur Weltausstellung von Aichi (2005) geschaffen hat.

Schmetterlingskasten Traumhaftes aus der Graphischen Sammlung

26.11.2005 – 12.02.2006
Graphisches Kabinett

Die diesjährige Accrochage aus den Beständen der Graphischen Sammlung widmet sich unter dem Titel Schmetterlingskasten traumhaften, surrealen, skurrilen und paradiesischen Darstellungen. Er bezieht sich auf eine 1992 entstandene Zeichnungsserie von Anselm Stalder (*1956), die der Künstler in vier Schmetterlingskästen präsentiert. Die kleinformatigen Blätter sind zu Gruppen zusammengestellt und erinnern in ihrer ornamentalen Zartheit tatsächlich an Schmetterlinge. Die Zeichnungen von Meret Oppenheim (1913-1985), André Thomkins (1930-1985) und Franz Eggenschwiler (1930-2000), die im Kunstmuseum Solothurn in reicher Zahl vorhanden sind, stehen für ein assoziatives Gestalten. Eggenschwilers Telefon-Zeichnungen setzen die Tradition der surrealistischen «Ecriture automatique» bis in die neunziger Jahre fort. Phantastisches oder Paradiesisches findet sich aber auch bei einer jüngeren Künstlergeneration, wie zwei Serien von Mario Sala (1965) und Ingo Giezendanner (1975) beweisen. Wie immer wartet auch diese Accrochage mit Trouvaillen aus verschiedenen Epochen auf. Mit seinem vielgestaltigen Ausstellungsgut wird das Graphische Kabinett selbst zu einem Schmetterlingskasten, in dem sich seltene und vertraute Exemplare begegnen.

orten

Werke des Kunstmuseums Solothurn im Dialog

20.08.2005 – 06.11.2005
Ganzes Parterre, 1. Stock

2005 erscheint in der Buchreihe Museen der Schweiz, herausgegeben von der Gruppe BNP Paribas Schweiz und dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, ein neuer Band zur Sammlung des Kunstmuseums Solothurn. Aus diesem Anlass wird in sämtlichen Sälen des Parterre und des Ersten Stockes die Sammlung neu gehängt und mit künstlerischen Interventionen ergänzt. Unter dem Titel orten werden von Raum zu Raum unterschiedliche Orte geschaffen, die sich nach Inhalten und Stimmungen unterscheiden. Damit wird das Museum als Ort gesammelter Gefühle und Gedanken verstanden. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Geschichte des Hauses, mit der sich eine Vielzahl von Geschichten, Erinnerungen und Begegnungen verbindet. Aus dem Archiv des Museums sowie aus Solothurner Privathäusern werden Fotos und Dokumente ausgestellt, die das Leben im und um das Museum evozieren. Unter dem Begriff orten wird das Auffinden von Standorten verstanden. Diesbezüglich wollen wir mit der Ausstellung orten nicht nur zurückschauen, sondern zugleich eine gegenwärtige Verortung vornehmen. Die Präsentation führt bekannte Meisterwerke mit Überraschungen und Entdeckungen zusammen und findet in der gleichzeitigen Ausstellung von Amiet-Zeichnungen im Graphischen Kabinett eine spezifische Vertiefung.

Cuno Amiet

Frühe Arbeiten auf Papier

20.08.2005 – 06.11.2005
Graphisches Kabinett

In Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, Zürich

Der gebürtige Solothurner Cuno Amiet (1869-1961) ist einer der berühmtesten Schweizer Maler. Dass er daneben auch ein hervorragender Zeichner war, geht oft vergessen. Seine Arbeiten auf Papier wurden denn auch selten ausgestellt, und ebenso fehlt eine grössere Aufarbeitung in einem Buch. Mit Hilfe des Amiet-Nachlasses und dank der Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft soll diese Lücke nun geschlossen werden. Wie die Amiet-Retrospektiven zur Malerei in Bern und Genf (1999/2000) beschränkt sich unsere Auswahl auf das bedeutende Frühwerk. Dafür werden alle Techniken auf Papier erfasst, darunter auch die meisterhaften Holzschnitte. In der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn befindet sich eine bedeutende Gruppe von frühen Zeichnungen und Aquarellen, v.a. aus Pont Aven (1892/93). Glanzpunkt ist das sogenannte Bretonische Skizzenbuch, in dem die kühne Erfassung von Mensch und Landschaft beeindruckt. Sowohl im Jugendstil wie im Expressionismus, von denen sich bei Amiet typische Beispiele finden, tritt das Lineare in den Vordergrund. An über 100 Blättern wird ersichtlich, dass Amiet nicht nur ein Meister der Farbe, sondern auch der Linie war.

Uwe Wittwer

Geblendet
Werke 1990 bis 2005

30.04.2005 – 01.08.2005
Ganzes Parterre

Der Zürcher Künstler Uwe Wittwer (*1954) hat sich mit seinen Ölbildern und Aquarellen einen Namen als Schweizer Hauptvertreter der zeitgenössischen Malerei geschaffen. Mit einer Auswahl von Werken der letzten 15 Jahre, die auch Inkjet-Drucke und Projektionen einschliesst, wird nun die erste Übersichtsausstellung gezeigt. Wittwers Kunst beeindruckt sowohl durch die formale Qualität und Sinnlichkeit als auch durch die inhaltliche Konsequenz. Zentral ist das Thema der Erinnerung, in dem sich zwei von Wittwers Hauptanliegen treffen: zum einen seine Beschäftigung mit Vergangenheit und Vergänglichkeit, zum andern seine Auseinandersetzung mit dem Bild an sich. Denn auch die Erinnerung wirkt als Bild, das sich gleichsam einbrennt. Ab 1990 dient ihm die Kunstgeschichte als Quelle. Diesen unter dem Begriff appropriation art derzeit häufig diskutierten Rückbezug hat Wittwer jedoch nie für ironische Zitate, sondern für eine intensive Beschäftigung mit Dauer und Wandel verwendet. Seit einiger Zeit nutzt Wittwer zudem Fotodokumente einer Homepage von Vietnam-Veteranen. Obwohl die privaten Schnappschüsse einer rigorosen Abstrahierung unterzogen wurden, behalten sie ihre unheimliche Wirkung. Die Ausstellung wird anschliessend vom Ludwig Forum in Aachen übernommen.

Marc Bauer, Shahryar Nashat, Alexia Walther

Overthrowing the King in His Own Mind

22.01.2005 – 10.04.2005
Parterre West und Graphisches Kabinett

Die drei Genfer Kunstschaffenden Marc Bauer (*1975), Shahryar Nashat (*1975) und Alexia Walther (*1974) studierten in den neunziger Jahren an der Ecole Supérieure d’Art Visuel ihrer Heimatstadt. Seither sind sie eng miteinander befreundet und tauschen sich intensiv aus. Alle haben den Eidgenössischen Kunstpreis gewonnen; Shahryar Nashat wird zudem 2005 die Schweiz an der Biennale von Venedig vertreten. In enger Zusammenarbeit zeigen die drei Freunde unter dem Titel Overthrowing the King in His Own Mind eine Präsentation von Zeichnungen, Filmen, Fotos und Installationen, die sich zu einem eindrucksvollen Gesamtbild schliessen. Grosse Bedeutung kommt dabei räumlichen Aspekten zu, die zur Intensität von Stimmung und Atmosphäre beitragen. Obwohl sich die drei Künstler in ihren individuellen Bildsprachen ausdrücken, verbindet sie ein vergleichbares Interesse für existentielle und politische Fragen. Zentral ist die Beschäftigung mit gesellschaftlichen und familiären Machtstrukturen. Trotz der offensichtlichen Künstlichkeit und Stilisierung sind ihre Inszenierungen so suggestiv und sinnlich, dass sie unvermittelt ansprechen. Damit stellen die Künstler auch die Macht und Verführung der eigenen Bilder zur Diskussion.

20. Kantonale Jahresausstellung

Eine Veranstaltung des Kunstvereins Solothurn

27.11.2004 – 09.01.2005
Ganzes Parterre

Im Wechsel mit dem Kunstmuseum Olten zeigt das Kunstmuseum Solothurn jedes zweite Jahr die Kantonale Jahresausstellung. Aus den Eingaben von Solothurner Kunstschaffenden wählt Ende 2004 widerum eine vom Vorstand des Kunstvereins Solothurn eingesetzte Jury die besten Werke aus. Die Ausstellung gibt einen breiten Einblick in das aktuelle Kunstschaffen unserer Region. Erstmals wird dieses Jahr für einen herausragenden Ausstellungsbeitrag der «Preis des Kunstvereins Solothurn» vergeben.

Von Menschen und Tieren

Figürliche Darstellungen aus der Graphischen Sammlung

16.10.2004 – 02.01.2005
Graphisches Kabinett

Nach der Erweiterung des Graphischen Kabinetts findet mit der Ausstellung Von Menschen und Tieren die dritte Accrochage aus unserer Graphischen Sammlung statt. War die erste Präsentation den Bildhauerzeichnungen, die zweite der Landschaft gewidmet, kann mit einem Überblick von figürlichen Darstellungen nun quasi eine Verbindung geschaffen werden. Denn Mensch und Tier treten sowohl in der Bildhauerei wie im Landschaftsbild auf. Der Gang durch die Epochen zeigt unterschiedliche Aufgaben der Figuration: Finden wir den Menschen vorerst als Rollenträger, als biblische Gestalt, als Soldat, Bürger oder Bauer, darf er auf späteren Blättern ganz Individuum sein. In der Kunst des 20. Jahrhunderts schliesslich dient die Figur zum einen der existentiellen Befragung, zum andern als Bezugspunkt vielfacher Abstraktionen. Gezeigt werden Werkgruppen von Albert Anker, Frank Buchser, Max Gubler, Alberto Giacometti, Robert Müller, Roman Candio, Markus Raetz und Alex Hanimann. Reich vertreten ist die Zeit der «Neuen Wilden» mit Martin Disler, Agnes Barmettler, Claudia Schifferle und Otto Lehmann. Die zeitliche Überlappung mit der Ausstellung Bunt ist meine Lieblingsfarbe ermöglicht zudem einen Vergleich mit der Figuration von Aloïse und anderen Vertretern der Art Brut.

Museums-Sommerfest

28.08.2004 – 28.08.2004
Museumspark

Wir feiern den Sommer im Museumspark mit Pauken und Trompeten. Mit aussergewöhnlichen Kompositionen und mitreissenden Rhythmen begleiten uns die 14 Musiker der Big Band Kaspar Ewalds EXORBITANTES KABINETT durch den Abend. Sie umrahmen die Eröffnung der Ausstellung Bunt ist meine Lieblingsfarbe und der Gastausstellung Wenn Roboter zeichnen, organisiert vom Institut für digitale Kultur (IDK) und dem Hamburger Institut F18. Die Kreativität der Kinder kommt bereits am Nachmittag bei verschiedenen Aktivitäten zum Zug. Für das leibliche Wohl sorgen indische und nordafrikanische Spezialitätenköche sowie ein Pizzabäcker. Die stimmungsvolle Parkanlage vor dem Museum bietet den perfekten Schauplatz für eine genussvolle Sommernacht. Ein weiterer Höhepunkt im Programm ist der Auftritt der bekannten Performancekünstlerin Victorine Müller. Dieses Sommerfest soll ausserdem Gelegenheit bieten, mehr zum geplanten Erweiterungsbau für das Kunstmuseum zu erfahren. Bei einem erfrischenden Drink an der Freiluftbar wollen wir auf das Gelingen dieses wichtigen Projektes anstossen.

Bunt ist meine Lieblingsfarbe

Farbstift- und Ölkreide-Zeichnungen der Art brut und der Moderne

28.08.2004 – 07.11.2004
Ganzes Parterre

Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Schaffen von Aloïse (Aloïse Corbaz, 1886-1964), das dank einer grossen Schenkung von Etienne und Jacqueline Porret-Forel in unserer Sammlung prominent vertreten ist. Für ihre Zeichnungen hat Aloïse vorerst Farbstifte, später Farbkreiden verwendet. Diese Vorliebe bildet nur den äusseren Rahmen der Ausstellung, wichtiger ist die Hinwendung zur Buntheit und einer damit einhergehenden «Systematik», die der Farbkasten unwillkürlich anbietet. Farbstifte und -kreiden werden in der Art Brut häufig verwendet, neben Aloïse etwa auch von Adolf Wölfli. Unter dem Motto Bunt ist meine Lieblingsfarbe (Walter Gropius) wird der Blick zugleich auf Vertreter der Moderne gerichtet, wie Otto Meyer-Amden oder Richard Paul Lohse. Auffallend ist die geometrische Ordnung, mit der sich nicht nur diese abstrahierend oder ungegenständlich zeichnenden Künstler, sondern auch viele Art-Brut-Künstler beschäftigen, deren Visionen sich in klaren Systemen manifestieren. Wenn Moderne und Art Brut sich solcherart begegnen, geht es nicht um eine mögliche Beeinflussung, sondern um eine vergleichbare Suche nach Ganzheit, die die scheinbar ganz unterschiedlichen Positionen formal wie mental verbindet.

WENN ROBOTER ZEICHNEN

Im Grenzbereich von Mensch und Maschine

28.08.2004 – 03.10.2004
Graphisches Kabinett

Das Solothurner Institut für digitale Kultur (IDK) wird auch dieses Jahr Gast im Kunstmuseum sein. Die Ausstellung ist Teil des Projekts «playground robotics», das in verschiedenen Schweizer Städten stattfindet. In Solothurn soll ein exemplarischer Einblick in die Welt der Zeichenroboter und ihrer Zeichensysteme ermöglicht werden. Das IDK arbeitet dafür mit dem Institut für Kunst, Information und Technologie F18 aus Hamburg zusammen. Viele Roboterinstallationen von F18 können in ihrer Absurdität als poetische Anmerkungen zum herrschenden Technologiewahn verstanden werden. Ihre in Solothurn präsentierten Zeicheninstrumente, die überraschende Formkonstellationen generieren, werden anderen gezeichneten und zeichnenden Maschinen, etwa von Jean Tinguely, gegenübergestellt und damit in Bezug zur Solothurner Sammlung gesetzt. Die Roboter hinterlassen mit ihren spinnenartigen Armen Linienrhythmen, die sich im zeitlichen Verlauf zusehends verdichten und zu Spurenfeldern ausweiten. Im Zusammenhang mit einer interaktiven Installation, bei der die Besucher das Liniengefüge manipulieren und mitgestalten können, entstehen Fragen zu den Grenzbereichen zwischen Mensch und Maschine. Zur Ausstellung finden im Alten Spital gleichzeitig Workshops statt.

Adrian Schiess

Aquarelle

05.06.2004 – 08.08.2004
Parterre Ost

Der Zürcher Maler Adrian Schiess (*1959) gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern unseres Landes. 1990 war er an der Biennale in Venedig, 1992 an der Documenta in Kassel vertreten. Bedeutende Museen im In- und Ausland widmeten ihm ab 1990 grosse Einzelausstellungen. Im Kunstmuseum Solothurn, wo er 1998 an der Ausstellung Die Schärfe der Unschärfe beteiligt war, zeigt er nun die erste zusammenfassende Ausstellung seiner Aquarelle. Adrian Schiess hat in fast allen Schaffensphasen und in unterschiedlichster Form aquarelliert. Die Exponate decken einen Zeitraum von zwanzig Jahren ab: Bei den frühesten Werken handelt es sich um rund dreissig Aquarell-Bücher (1984-89), bei den spätesten um eine riesige, seit 1998 entstehende tagebuchartige Serie von Fenster-Ausblicken. Diese Aquarelle, die er zumeist in seinem Haus in Südfrankreich oder auf Reisen gemalt hat, reflektieren die wechselnden Jahreszeiten und Stimmungen, pendeln zwischen Natureinfühlung und reiner Malerei. Dieselbe Zartheit begegnet uns in den gänzlich ungegenständlichen «Fetzen» (1992-96), willkürlich zerrissenen und prozesshaft bemalten Japanpapieren, welche der Künstler in einer installativen Hängung so nahtlos mit den Museumswänden verbindet, dass wir glauben, durch Mauerlücken in eine farbige Wunderwelt zu blicken.

schwarz auf weiss

zeichnerischer Realismus – zeitgenössische Positionen

01.05.2004 – 01.08.2004
Parterre West und Graphisches Kabinett

Viele junge Künstlerinnen und Künstler haben die realistische Zeichnung wieder für sich entdeckt. In einer umfassenden thematischen Ausstellung mit dem programmatischen Titel schwarz auf weiss soll dieser aktuellen Tendenz zur gegenständlichen Zeichnung nachgegangen werden. Der Titel bezieht sich einerseits auf die Nichtfarbigkeit der Werke, andererseits steht der Ausdruck «schwarz auf weiss» auch für Eindeutigkeit und Verständlichkeit. Von besonderem Interesse ist die Illusion des Erkennbaren. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen vermeintlich leicht lesbaren, klaren Zeichnungen von Alltagssituationen, Personen oder Landschaften und ihrer tatsächlichen Wirkung. Denn trotz realistischer Darstellungsweise und alltäglicher Themen erschliessen sich diese Arbeiten nicht immer einfach, ja muten teilweise geradezu surreal an. In der Ausstellung, mit Werken von Franziska Furter, Ingo Giezendanner, Zilla Leutenegger, Monica Lorenzi/Daniel Germann, Didier Rittener, Loredana Sperini, Stefan Thiel, Paul Morrison u.a., wird nicht nur die herkömmliche Zeichnung, sondern auch das Zeichnen anhand anderer Medien, wie Video, Malerei, Scherenschnitt oder Stickerei, thematisiert.

Jürg Hugentobler

Arbeiten 1998-2004

20.03.2004 – 23.05.2004
Parterre Ost

Der Solothurner Künstler Jürg Hugentobler (* 1955) beschäftigt sich konsequent mit Fragen des Raumes, mit Fiktion und Realität, Konstruktion und Dekonstruktion. Sein Schaffen wurde 1996 in der Konsumbäckerei Solothurn, 1999 im Kaskadenkondensator Basel und 2003 im Kunstraum Kreuzlingen präsentiert. Nachdem Jürg Hugentobler 2001 in der Gruppen-Ausstellung Analog/Dialog. Plan, Modell und Bühne in der zeitgenössischen Kunst in Moutier und Solothurn vertreten war, widmet ihm das Kunstmuseum Solothurn nun die erste Einzelausstellung in einem Museum. Gezeigt werden sowohl eine Auswahl seiner bisherigen Fotografien als auch installative, teilweise eigens für die Ausstellung konzipierte Arbeiten. Bei Hugentoblers Interesse für Raum und Architektur ist es nicht erstaunlich, dass er seine Exponate zu einer stimmungsvollen Gesamtschau zusammenzieht, in der sich die spezifischen Raumverhältnisse der Museumssäle mit den gleitenden Dimensionen seiner Werke zwischen Bild, Relief und Objekt verbinden. Trotz einer durchwegs klaren architektonischen Formensprache herrscht der Eindruck des Fragilen vor, der auch von den verwendeten Materialien Styropor und Sperrholz ausgeht.

Wahre Freude ist eine ernste Sache

Ankäufe und Schenkungen 1998 bis 2003: Eine Auswahl

17.01.2004 – 12.04.2004
Parterre West und Graphisches Kabinett

Die Sammlung des Kunstmuseums Solothurn ist in den vergangenen Jahren markant gewachsen. Dies ist neben regelmässigen Ankäufen, die mit dem ordentlichen Budget und dank den Mitgliederbeiträgen der «Freunde des Kunstmuseums Solothurn» möglich waren, vor allem grosszügigen Donationen zu verdanken. Herausragend ist eine 2001 erfolgte Schenkung, u.a. mit Meisterwerken von Alberto Giacometti, Meret Oppenheim und Otto Tschumi. Sie stammen aus der Sammlung einer nicht genannt sein wollenden Persönlichkeit, deren Wahlspruch – ein Ovid-Zitat – als Titel unserer Accrochage dient. Die Ausstellung möchte zugleich ein Bild der Sammeltätigkeit seit dem Konservatorenwechsel von 1998 vermitteln, in der die Bereiche der Videokunst, der Fotografie und Installation neu hinzugekommen sind. Mit dem Erwerb dreidimensionaler Arbeiten wurde in den letzten Jahren aber auch das seit langem gepflegte Sammlungsfeld der Schweizer Skulptur mit Werken von Felix Stephan Huber, René Zäch und Roman Signer kontinuierlich erweitert. Zu unseren grosszügigsten Donatoren gehörte der kürzlich verstorbene Eisenplastiker Robert Müller. Als Hommage zeigen wir in einem Saal im Ersten Stock eine Accrochage aus unseren reichen Beständen.

Sigismund Righini

Ein Maler zwischen Jugendstil und Moderne

29.11.2003 – 29.02.2004
Parterre Ost

Der Zürcher Maler, Zeichner und Kunstpolitiker Sigismund Righini (1870-1937) ist eine der einflussreichsten Figuren der Schweizer Kunst um 1900. Das Kunstmuseum Solothurn besitzt zwei Bilder des Künstlers und widmete ihm 1992 bereits eine Zeichnungs-Ausstellung. Nun wird ein Gesamtüberblick mit Gemälden und Arbeiten auf Papier vermittelt, ergänzt durch ausgesuchte Werke seiner Zeitgenossen und Freunde. Righinis Schaffen entsteht in der spannenden Übergangszeit zwischen Jugendstil und Moderne, die für die Solothurner Sammlung mit ihren Hauptwerken von Hodler, Buri, Emmenegger, Amiet und Giovanni Giacometti so wichtig ist. Mit all diesen Künstlern stellt Righini kurz nach der Jahrhundertwende gemeinsam aus. Bereits in seinen akademisch geprägten Frühwerken der 1890er Jahre fällt die ungewöhnliche Kraft der Palette, die Verwendung reiner leuchtender Farben auf. Stehen diese zu Beginn noch im Dienste des Bildinhalts und einer emotionalen Verstärkung, werden sie später in ihrem Eigenwert erkannt. Damit wird Righini zu einem – bis heute unterschätzten – Wegbereiter der Schweizer Moderne.

Design Preis Schweiz 2003

Eine Veranstaltung des Design Center Langenthal

07.11.2003 – 04.01.2004
Parterre West und Graphisches Kabinett

Die Ausstellung und die Preisverleihung des Design Preis Schweiz finden dieses Jahr wieder im Kunstmuseum Solothurn statt. Präsentiert werden Arbeiten der Nominierten und der Preisträger. Herausragende Leistungen in allen designrelevanten Berufsfeldern wie Communicationsdesign, Product- und Industrialdesign, Furniture- und Interiordesign, Retail- und Exhibitiondesign, Fashion- und Textildesign sowie Eventdesign sollen ausgezeichnet werden. Das Schwergewicht liegt auf dem schweizerischen Schaffen. Die Preiskategorien sind: Concept für überzeugende, produktionsreife Konzepte, Experiment für Visionen, Originalität und Risikofreudigkeit, Market für erfolgreich lancierte Produkte und Dienstleistungen, Team für das erfolgreiche Zusammenführen verschiedener Disziplinen, Merit für eine nachhaltige, kontinuierliche schweizerische Designleistung. Zusätzliche Awards sind ausschliesslich für die junge Gestalter-Generation bestimmt. Die Auszeichnungen werden am 7. November 2003 im Kunstmuseum Solothurn vergeben.

Christoph Draeger

Memories of terror from a safe distance

13.09.2003 – 16.11.2003
Parterre Ost

Die Arbeit des in New York lebenden Schweizer Künstlers Christoph Draeger (*1965) findet nationale und internationale Beachtung. Seit rund 10 Jahren beschäftigt sich Draeger konsequent mit dem Desaster. In seinen voyages apocalyptiques reist er Naturkatastrophen, Unfällen oder Terroranschlägen nach und erstellt mit den fotografierten Schauplätzen eine Kartografie des Unheils. Manche Bilder von zerstörten Städten sind in tausende von Puzzleteile zerlegbar: paradoxe Verdoppelung der Zerstörung und Metapher für die Unzahl von Bildern und Bildfragmenten, die uns täglich überfluten. In seinen Videoinstallationen thematisiert der Künstler den medialen Unterhaltungswert von Katastrophen sowie die aktuelle Tendenz der Berichterstattung zum «Infotainment». Er kombiniert dabei dokumentarische mit inszenierten oder filmischen Sequenzen. Die Vermischung von Simulation und Wirklichkeit sowie die verschiedenen Positionen des Künstlers als Reporter, Regisseur oder Protagonist sind Teil einer künstlerischen Strategie, bei der die Parodie als Instrument zur Reflexion benutzt wird.

Vom Idyll zum Ornament

Landschaftsdarstellungen vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert aus den Beständen der Graphischen Sammlung

19.07.2003 – 19.10.2003
Graphisches Kabinett

Diese Ausstellung von Arbeiten auf Papier aus eigenen Beständen reflektiert die Vielfalt unterschiedlicher Haltungen, mit der die Künstler vom späten 18. Jahrhundert bis zur frühen Moderne der Landschaft begegneten. Die selten gezeigten Drucke, Aquarelle, Zeichnungen und Ölskizzen verdeutlichen die Wechselbeziehungen zwischen religiös-pantheistischen, biedermeierlich-ironischen und naturalistischen Naturdarstellungen. Sie bringen die spezifische «Weltanschauung» der Künstler und ihrer Zeit zum Ausdruck. Während sich Laurent Louis Midarts aquarellierte Idyllen zwischen Klassizismus und Romantik positionieren, verraten die Werke der Solothurner Franz Graff und Martin Disteli einen romantisch-biedermeierlichen Geist, wobei der letztere die damalige Naturseligkeit durchaus ironisiert. Den malerischen Realismus vertreten Frank Buchser und Otto Frölicher. Um 1900 kommen dann sowohl inhaltlich als auch formal motivierte Naturdarstellungen vor. So gehören Albert Trachsels Landschaften dem Symbolismus an, während bei Cuno Amiet und Oskar Tröndle das deutliche Interesse an der Form den Übergang vom Jugendstil zur frühen Moderne markiert.

Farbe zulassen?

Jean Pfaff: Malerei 1988-2003

14.06.2003 – 24.08.2003
Ganzes Parterre

Der heute in Katalonien lebende Maler Jean Pfaff (*1945) zählt zu den wichtigsten Vertretern der ungegenständlichen Malerei in der Schweiz. Im Verlauf seines Schaffens, das in einer grossen Übersichtsausstellung mit Werken der letzten 15 Jahre präsentiert wird, setzt er sich immer neu mit den wechselnden Wirkungen von Farbe, Farbauftrag und Farbträger auseinander. Am Vergleich der verschiedenen Werkphasen wird die Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten ersichtlich, die sich im scheinbar engen Rahmen monochromer Malerei anbieten. Dabei fällt auf, dass sich Jean Pfaff zunehmend von der strengen Monochromie abwendet, um sich sukzessive einer subtilen Polychromie zu öffnen. Bemerkenswert sind seine berückend schönen Drucke auf indischen Papieren. Sie verdeutlichen, wie sehr Pfaffs Malerei von räumlichen und natürlichen Vorstellungen geprägt ist. Die Ausstellung umfasst neben Bildern und Arbeiten auf Papier auch grossräumige Installationen.

Paarläufe

Daniela Keiser und Peter Stamm

26.04.2003 – 06.07.2003
Graphisches Kabinett

Seit Anfang 2002 unterhält die vom Schweizerischen Kunstverein herausgegebene Zeitschrift Das Kunstbulletin das Projekt Paarläufe, in dem Kunstschaffende und Literaten aufeinander bezogen werden. Aus Anlass der 25-Jahr-Feier der Solothurner Literaturtage findet nun ein weiterer Paarlauf im Kunstmuseum Solothurn statt, bei dem sich die Künstlerin Daniela Keiser (*1963) und der Schriftsteller Peter Stamm (*1963) begegnen. Sie verwandeln die intimen Räume des Graphischen Kabinetts in eine atmosphärische «Landschaft» von Klängen und Lichtbildern. Daniela Keiser, deren Schaffen u.a. 1999 im Museum für Gegenwartskunst Basel vorgestellt wurde, erleuchtet und öffnet die Säle mit mehreren raumgreifenden Projektionen. Peter Stamm, der vor dem Erscheinen seiner vielbeachteten Bücher Agnes (1998), Blitzeis (1999) und Ungefähre Landschaft (2001) u.a. als Hörspielautor arbeitete, wird die Räume mit einer akustischen Installation aufeinander beziehen. Die Thematik der (Zeit-)Reise mit ihren Gefühlen der Sehnsucht, Freiheit und Melancholie kann die beiden Paarläufer verbinden.

Ian Anüll

Werke 1985 bis 2003

29.03.2003 – 01.06.2003
Ganzes Parterre

Ab Mitte der achtziger Jahre ist das ebenso engagierte wie poetische Schaffen von Ian Anüll (*1948) zu einem Begriff in der nationalen und internationalen Kunstszene geworden. Seinen Ruf haben u.a. Präsentationen in der Kunsthalle Zürich, 1990, und an der Biennale von Sao Paolo, 1991, begründet. Nun wird sein vielfältiges Schaffen in einer grossen Übersichtsausstellung mit Bildern, Aquarellen, Objekten, Fotos, Filmen und Installationen der Jahre 1985 bis 2003 erneut zur Diskussion gestellt. Obwohl sich Ian Anüll einer stilistischen Zuordnung bewusst entzieht, ja den Stil als Markenzeichen thematisiert, wird im Überblick die Konsequenz des Schaffens offensichtlich. Innerhalb einer allgemeinen Beschäftigung mit Vermarktung und Konsum sowie der damit verbundenen Hinterfragung von Systemen und Machtstrukturen wird die Kunst selbst zum Thema. Neben Kritik und Ironie bestimmen seit jeher auch Humor, Intuition und Zufall das Schaffen. Bei solch spielerischem Ernst zeigt sich Anüll von seiner dadaistischen Seite. Das Projekt dieser ersten Gesamtschau wurde mit dem Meret Oppenheim Preis des Bundesamtes für Kultur ausgezeichnet und ermöglicht.

Marie-Theres Amici

18.01.2003 – 16.03.2003
Parterre Ost

Marie-Theres Amici (*1943) gehört seit vielen Jahren zur Luzerner Kunstszene, wo sie sich im Bereich der Malerei einen Namen geschaffen hat. Die eindrucksvolle Konsequenz ihres Schaffens wird nun erstmals mit einer Museumsausstellung gewürdigt. Ausgangspunkt sind ihre seit 2001 entstehenden grossformatigen Wasserfall-Bilder, in denen sich die Malerin der paradoxen Aufgabe verschreibt, Bewegung im unbewegten Bild, farbloses Wasser mit Farben zu evozieren. Über den Prozess der Einfühlung erfindet die Künstlerin Formen und Mittel zur Darstellung des flüchtigen Motivs. Die Gestik des Malens entspricht der Kraft des Wassers: Die Malerei erinnert an Natur, die Natur an Malerei. Die gleichzeitig ausgestellten Zeichnungen verdeutlichen den zeichnerischen Charakter, der auch Amicis dichter und transparenter Malerei eigen ist. Die Ausstellung konzentriert sich weitgehend auf Werke der letzten vier Jahre. Sichtbar wird die intensive Arbeit in umfangreichen Reihen, die neben dem Motiv des Wasserfalls auch die Landschaft und den Garten einschliessen.

Echoloten Suchbewegung im unbekannten Raum Computergenerierte Kunst

Eine Ausstellung des Instituts für Digitale Kultur (IDK) in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Solothurn

18.01.2003 – 06.04.2003
Graphisches Kabinett

Das IDK engagiert sich für die Vermittlung neuer Kommunikationsformen, die die zunehmende Digitalisierung der Welt hervorruft. In der Ausstellung Echoloten erforschen Kunstschaffende auf verschiedenste Weise die unbekannten Räume des virtuellen Neulands. Die Luzerner Gruppe zusammenstoss, u.a. mit Adi Blum (*1964) und Beat Mazenauer (*1958), lässt mit ihrem Projekt «Encyclopaedizer – Eine Enzyklopädie des Internets» die Utopie vom umfassenden Wissen aufleben. Die Suchbewegungen eines digitalen Agenten im World Wide Web werden sichtbar gemacht. Ebenso wie auf unser Schreib- und Leseverhalten wirken sich die Möglichkeiten unseres digitalen Zeitalters auch auf das Bild aus. Alexander Hahn (*1954) generiert Bilder von ungesehenen Landschaften: ein Transversalschnitt des Gehirns wird durch ein Geografieprogramm zur möglichen Insel. Im Hinblick auf die Filmtage wird ausserdem eine Plattform geschaffen für Video- und Flashfilme einer jungen Künstlergeneration. Eine Auswahl der eingereichten Arbeiten wird projiziert oder als Ton- und Bildinstallation erfahrbar gemacht.

Kantonale Jahresausstellung

Veranstaltet vom Kunstverein Solothurn

23.11.2002 – 05.01.2003
Ganzes Parterre

Im Wechsel mit dem Kunstmuseum Olten zeigt das Kunstmuseum Solothurn jedes zweite Jahr die Kantonale Jahresausstellung. Aus den Eingaben von Solothurner Kunstschaffenden wählt Ende 2002 wiederum eine vom Vorstand des Kunstvereins Solothurn eingesetzte Jury die besten Werke aus. Die Ausstellung gibt einen breiten Einblick in das aktuelle Kunstschaffen unserer Region.

Variations

Sophie Taeuber-Arp: Arbeiten auf Papier

05.10.2002 – 05.01.2003
Neues Graphisches Kabinett

Sophie Taeuber-Arp (1889–1943), die mit zwei meisterhaften Blättern aus den dreissiger Jahren in der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn vertreten ist, gehört zu den bedeutendsten Künstlerinnen unseres Landes. Mit Ihrem Schaffen hat sie einen internationalen Beitrag zur ungegenständlichen Kunst der frühen Moderne geleistet und besitzt in der Fachwelt einen ebenso grossen Ruf wie ihr Lebenspartner Jean Arp. Nach den Zentenarausstellungen von 1889/90 in Aarau, Bochum, Paris und Lausanne präsentiert das Kunstmuseum Solothurn die Künstlerin erneut, nun aber ausschliesslich mit Arbeiten auf Papier aus allen Schaffensphasen. Darunter finden sich sowohl Gouachen und Aquarelle als auch Farbstift-, Bleistift- und Tuschezeichnungen. Taeubers Arbeiten auf Papier nehmen in ihrem Schaffen einen zentralen Platz ein. In den Kriegsjahren 1940–43 beschränkt sie sich aufgrund der häufigen Wohnortwechsel und der beschränkten Mittel sogar ausschliesslich auf kleinformatige Blätter. Dabei entsteht eine Vielzahl von Zeichnungen, in denen sie sich dem grossen Thema der Linie widmet.

Von Holbein bis Oppenheim

Meisterwerke aus der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn.

14.09.2002 – 13.11.2002
Ganzes Parterre, ganzer erster Stock

In seltener Breite werden die Schätze unseres Hauses, Skulpturen, Objekte und Bilder, vorgestellt und mit detaillierten Anschriften versehen. Um unsere Sammlung vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart repräsentativ zeigen zu können, werden sämtliche 14 Säle des Parterre und des ersten Stockes eingesetzt. Diese abschliessende Jubiläumsveranstaltung stellt die bekannten und unbekannten Werke des Kunstmuseums Solothurn in teils anderer Hängung aus, ermöglicht mit neuen Nachbarschaften und Schwergewichten neue Bezüge und Einsichten. Dabei werden die Meisterwerke von Holbein und Ribera, Van Gogh und Klimt, Cézanne und Matisse ebenso wenig fehlen wie die Schlüsselbilder der Schweizer Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts von Buchser und Hodler, Amiet oder Vallotton. Ein Schwerpunkt liegt zudem auf der Skulptur des 20. Jahrhunderts, die mit Beispielen von Alberto Giacometti und Meret Oppenheim, von Tinguely und Luginbühl hervorragend vertreten ist. Begleitet wird die Ausstellung durch Vorträge, in denen VertreterInnen verschiedenster Fachrichtungen über ausgewählte Meisterwerke referieren. Die Veranstaltungsreihe wird vom Kunstverein Solothurn ermöglicht und von Christoph Lichtin organisiert; sie ist ein Geburtstagsgeschenk des Kunstvereins an das Kunstmuseum Solothurn.

Jubiläumsfest

100 Jahre Kunstmuseum Solothurn

24.08.2002 – 24.08.2002
Ganzes Parterre, teilweise Museumsgelände

Vom Nachmittagsprogramm für Familien und Kinder bis in die späten Nacht- und frühen Morgenstunden findet ein rauschendes Jubiläumsfest statt, das in allen Bereichen dem künstlerischen Anspruch unseres Hauses und seines bedeutenden Anlasses genügen soll. Das anlässlich der Ausstellung Tapetenwechsel ausgemalte Parterre des Kunstmuseums bildet den stimmungsvollen Rahmen für die verschiedenen Darbietungen, Bars und Lounges. Eingeladen sind besondere Redner und Köchinnen, Musikerinnen und Performer von nationaler Ausstrahlung. Zum Fest erscheint ein detailliertes Programm.

Tapetenwechsel

Zeitgenössische Wandmalerei und Wandzeichnung

29.06.2002 – 24.08.2002
Ganzes Parterre

In den letzten Jahren beschäftigen sich immer mehr Kunstschaffende mit Malerei und Zeichnung, die sie direkt auf die Wand ausführen. Dabei wenden sie jedoch nicht mehr die traditionelle Fresko-Technik an, und ihre Werke sind auch nicht mehr auf Dauer angelegt. Die jüngste Generation nimmt u.a. die Tradition der Tapete wieder auf und schafft in manchen Fällen mit der passenden Inneneinrichtung gar eine eigentliche Lounge-Ästhetik. Die Gruppenausstellung, an der u.a. Kunstschaffende wie Hubert Dechant, Christian Denzler, Alex Hanimann, Franticek Klossner oder Karim Noureldin beteiligt sind, zeigt die unterschiedlichsten Aspekte der zeitgenössischen Wandzeichnung und Wandmalerei, die bis hin zur Projektion von Filmbildern reicht. Das letzte Wandbild schafft Roman Signer anhand einer Aktion an der Vernissage vom 29. Juni.

Bildhauerzeichnungen

Aus der Graphischen Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

29.06.2002 – 22.09.2002
Neues Graphisches Kabinett

Mit der Ausstellung Tapetenwechsel wird zugleich das Neue Graphische Kabinett eröffnet. Der Umbau der Soussol-Räume ist ein Geburtstagsgeschenk der Stadt Solothurn an das Kunstmuseum Solothurn und seine BesucherInnen. Die Eröffnungsausstellung unter dem Titel Bildhauerzeichnungen zeigt ein Kerngebiet unserer Graphischen Sammlung. Sie umfasst u.a. bedeutende Werkgruppen von Alberto Giacometti, Jean Tinguely, Bernhard Luginbühl, Robert Müller, André Thomkins, Meret Oppenheim, Markus Raetz, Martin Disler, Jean Mauboulès, Roman Signer, René Zäch und Mario Sala. Dabei werden nicht nur Blätter gezeigt, die spätere Skulpturen, Objekte, Installationen oder Projekte vorbereiten, sondern auch Beispiele der «freien» Zeichnung. Die Ausstellung zeigt das Thema auf einem für die Schweizer Kunst des 20. Jahrhunderts einmalig hohen Niveau und liefert zugleich neue Einsichten in die Entwicklung und Zukunft der Bildhauerzeichnung. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Sammlungskatalog mit zahlreichen Aufsätzen.

Ana Axpe „I was made for lovin‘ you“

Fotos, Videos und Installationen

13.04.2002 – 09.06.2002
Parterre West

Die 1968 in Argentinien geborene, seit 1990 in Genf lebende Video-, Foto- und Installationskünstlerin Ana Axpe gehört zu den interessantesten Figuren der aktuellen Schweizer Kunstszene und wurde für ihr mutiges Schaffen mehrfach mit dem Eidgenössischen Kunststipendium ausgezeichnet. Die Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn ist Axpes erste grosse Ausstellung in der Deutschschweiz. Axpes schillernd ambivalente Inhalte kreisen um Extremformen weiblicher Existenz zwischen Pin up, Hollywood-Glamour und psychiatrischer Internierung. Seit 1996 nimmt die fingierte TV-Serie ¡No Firmo! einen besonderen Platz in ihrem Schaffen ein. Dabei geht es weniger um ein Nachahmen einer ganzen TV-Serie als um die Promotion der Hauptfigur Adela Conti mit Plakaten, Filmstills und Videoausschnitten. In unzusammenhängenden Episoden begegnet uns Adela Conti als Star einer schillernden Welt. Die stereotypen Szenen und Situationen sind sattsam bekannt aus einschlägigen Fernsehserien und Klatschreportagen über «echte» Stars. Die realen Schauplätze und die Präzision der Inszenierung täuschen darüber hinweg, dass es sich bei Adela Conti um ein reines Kunstprodukt handelt. Die Grenzen von Realität und Fiktion verwischen sich laufend.

Im Sucher

Zeitgenössische Fotografie in Solothurner Sammlungen
Eine Ausstellung des Kunstvereins Solothurn

02.03.2002 – 21.04.2002
Graphisches Kabinett

Der Kunstverein Solothurn veranstaltete sowohl zu seinem 100- wie zu seinem 125-Jahrfest Ausstellungen, welche die Öffentlichkeit über die private Sammeltätigkeit in der Region Solothurn orientierte. Zum 150-Jahrjubiläum wurde zugunsten von Buch und Fest darauf verzichtet. Nun, zwei Jahre später, zum 100. Geburtstag des Kunstmuseums Solothurn, soll gezeigt werden, was in den beiden vorherigen Sammlungsausstellungen gänzlich ausgespart wurde: die Fotografie. Obwohl zahlreiche bedeutende Fotografen aus der Region stammen und schon lange und regelmässig Fotoausstellungen stattfinden, ist die allgemeine Wertschätzung dieses 165 Jahre alten Mediums hier noch vergleichsweise gering, während es auf nationalem wie internationalem Kunst-Parkett Triumphe feiert. Dennoch gibt es in Solothurn einige LiebhaberInnen, die Fotoarbeiten als Kunst erkennen und sammeln. Orientieren sie sich dabei an dem in Solothurn Verfügbaren oder an den globalen Tendenzen der Gegenwartskunst? Die von Roswitha Schild kuratierte Ausstellung überrascht mit hervorragenden Werken von nationalen wie internationalen Kunstschaffenden.

Jean Mauboulès

ZEICHNUNGEN. Skulpturen, Reliefs, Arbeiten auf Papier

03.02.2002 – 01.04.2002
Parterre West

Unter dem Titel Zeichnungen wird das Schaffen von Jean Mauboulès (1943 in den französischen Pyrenäen geboren, seit 1973 im Kanton Solothurn lebend) in seinen Zusammenhängen zwischen Skulpturen, Reliefs und Arbeiten auf Papier gezeigt. Dabei wird der Versuch unternommen, das Gesamtschaffen aus Mauboulès primärem Interesse für Raum und Zeichnung zu verstehen, das die Sicht des ausgebildeten Architekten seit jeher geprägt hat. Obwohl das Schwergewicht auf den neuesten Werkgruppen liegt, erhebt die Ausstellung den Anspruch einer Übersichtsausstellung, die unterschiedlichste Formate, Techniken und Serien der letzten dreissig Jahre einschliesst. In der Fülle künstlerischer Zugänge fällt die Konsequenz des Denkens und Gestaltens auf. Immer neu setzt Mauboulès, ebenso einfühlsam wie präzis und konzentriert, seine einfachen Zeichen in den Raum, an die Wand, aufs Blatt, um auf die Leere zu antworten und diese zugleich als Freiraum sichtbar zu machen. Mauboulès' Werke erlauben ein langes, langsames Betrachten, meditative Versenkung. Die Präzision des Künstlers gleicht den geduldig-endlosen Übungen von Zen-Meistern. Die Ausstellung wird anschliessend vom Neuen Kunstverein Aschaffenburg übernommen.

Von ferne lässt grüssen.

Schweizer Orientmalerei des 19. Jahrhunderts

24.11.2001 – 27.01.2002
Parterre Ost

Der hervorragende Bestand von Marokko-Bildern des Solothurner Malers Frank Buchser (1828–1890) ist für das Kunstmuseum Solothurn Anlass, das bislang kaum behandelte Thema der Schweizer Orientmalerei im 19. Jahrhundert in einer Ueberblicksausstellung zu präsentieren. Da die Blütezeit der Orientmalerei mit dem Höhepunkt des europäischen Kolonialismus korrespondiert, tritt sie als Strömung vor allem bei Kolonialmächten auf. Während sich in Frankreich viele Künstler ganz dem Orientalismus zuwenden, bildet er bei Schweizer Malern nur gerade eine begrenzte Schaffensphase. Im Gegensatz zu den pikanten Orientfantasien der französischen Salonmalerei widmen sich die Schweizer Orientalisten eher ethnografischen und architektonischen Studien (Johann Caspar Weidenmann, Charles Gleyre, Karl und Edouard Girardet) sowie der Landschaftsmalerei (Louis-Auguste Veillon, Etienne Duval, Abraham Hermanjat). Aber auch hier handelt es sich weniger um objektive Abbilder der orientalischen Wirklichkeit als um Projektionen und Wunschvorstellungen der Maler, die in der Fremde ein ursprünglicheres, freieres Leben zu finden glaubten.

Dieter Hall

Bed, Bathroom and Beyond. Pastelle 1999-2001

28.10.2001 – 06.01.2002
Graphisches Kabinett

Der seit vielen Jahren in New York lebende Zürcher Künstler Dieter Hall (*1955) zeigt in seiner ersten Einzelausstellung in einem Museum eine umfangreiche Serie von Pastellen. Die Intimität des Graphischen Kabinetts entspricht der Intimität der ausgestellten Werke. Im Zentrum stehen Interieurs und männliche Akte. Die motivische Verwandtschaft mit den berühmten Pastellen von Edgar Degas ist offensichtlich. Gleichwohl sind Halls Akte ganz unserer Zeit verbunden. Ihre Nacktheit wird ohne Voyeurismus oder klassische Überhöhung gezeigt. Neben der ausgesprochenen Sinnlichkeit der Blätter berührt Halls Figuration durch die einfühlsame Erfassung der Menschen. Gerade in der behutsamen Wahrnehmung des Individuums werden existentielle Themen angetönt: Zärtlichkeit und Sexualität, Krankheit, Altern und Sterben. Das Sich-Aussetzen macht nicht nur den Inhalt, sondern auch die Haltung von Halls Schaffen aus. Dazu gehört auch die ganz unakademische Bildsprache des Autodidakten.

Analog – Dialog

Plan, Modell und Bühne in der zeitgenössischen Kunst

15.09.2001 – 11.11.2001
Ganzes Parterre

Immer häufiger beschäftigen sich zeitgenössische Kunstschaffende mit Plänen, Modellen und Inszenierungen. Viele dieser Werke suchen eine bewusste Position zwischen sichtbarer Wirklichkeit und Fiktion. Sie spiegeln unseren neuen Umgang mit dem Realen, der bei den heutigen technologischen Möglichkeiten zur Erzeugung virtueller Welten zunehmend hinterfragt wird. Zu den Exponaten gehören Zeichnungen, Objekte und betretbare Räume, mit Kamera oder Computer erzeugte Arbeiten. Oftmals suggerieren sie die Möglichkeit einer Realisation, beziehen sich auf real Existierendes wie Städte, Gebäude, auf private oder urbane Möblierungen und Einrichtungen. Gleichwohl aber bleiben sie fiktiv. Die Pendelbewegung, die das Modell durch seine Zwischenposition charakterisiert, findet auf anderer Ebene auch in der Zusammenarbeit der Kunstmuseen von Solothurn und Moutier statt. Sie ermöglicht unter einem gemeinsamen Thema einen Austausch zwischen Kunstschaffenden der Deutschschweiz und der Romandie. Insgesamt sind rund 30 Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generationen, zumeist aus der Schweiz, vertreten.

Ein Blick auf Solothurn

Kantonale Ankäufe 1990 – 2000

23.06.2001 – 26.08.2001
Ganzes Parterre

Zu den wichtigsten Aufgaben des Kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung gehört der Erwerb von Kunstwerken von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Kanton Solothurn. Der Fachausschuss für Bildende Kunst und Architektur hat in den vergangenen 10 Jahren nahezu 500 Werke, vor allem Bilder, Zeichnungen und Skulpturen, zusammengetragen. Ein Teil davon schmückt heute die verschiedenen Amtsstellen des Kantons, anderes ist als «Kunst am Bau» direkt für Innen- und Aussenräume öffentlicher Gebäude geschaffen worden. Eine Auswahl der beweglichen Kunstwerke ist nun in den sieben Parterre-Sälen des Kunstmuseums ausgestellt. Zum einen kann die Ausstellung als visualisierter «Rechenschaftsbericht», zum andern als Einblick in das gegenwärtige Solothurner Kunstschaffen verstanden werden. Neben national bekannten Kunstschaffenden wie Roman Candio, Gunter Frentzel, Jean Mauboulès, Oscar Wiggli oder René Zäch rückt nun vor allem eine jüngere Generation von Solothurnerinnen und Solothurnern ins Zentrum dieses Blickes.

Hansruedi Riesen: 150 Jahre und ein Moment

Fotografien zum Jubiläum des Kunstvereins Solothurn In Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Solothurn

20.05.2001 – 15.07.2001
Graphisches Kabinett

Im Sommer 2000 feierte der Kunstverein Solothurn sein 150-Jahr-Jubiläum mit einem grossen Fest. Die Vorbereitungen und die zweitägige Feier wurden vom Solothurner Fotografen Hansruedi Riesen (*1954) vom 9. bis 15. August 2000 festgehalten. Obwohl es sich bei der umfangreichen Fotoserie um eine Auftragsarbeit handelt, wird darin der künstlerische Anspruch und die Eigenart des Fotografen sichtbar. Eine Auswahl von farbigen und schwarzweissen Aufnahmen ruft das Fest der Künste nochmals in Erinnerung: Festarchitektur, Installationen, Performances, Atmosphäre und Stimmung. Als Chronist und Künstler hat Hansruedi Riesen Momente fotografiert, die als Bilder fortdauern und nicht nur die Geschichte eines Vereins, sondern einer ganzen Stadt fortschreiben.

Roman Signer

Zeichnungen und Filme

31.03.2001 – 10.06.2001
Parterre West

Roman Signer (*1938) gehört durch seine Aktionen an der Documenta 8 in Kassel (1987) und an der letzten Biennale in Venedig (1999) sowie durch seine kürzlichen Einzelausstellungen in Wien und Maastricht zu den international bekanntesten Schweizer Künstlern. Im Zentrum der Solothurner Ausstellung stehen rund 80 Zeichnungen, die Signer in den 70er und 80er Jahren geschaffen hat. Damit erfüllt sich der Wunsch des Künstlers, der bekannten «explosiven» Seite für einmal eine leisere gegenüberzustellen. Bei den Exponaten handelt es sich um aquarellierte Tusche-Zeichnungen, in denen er «kleine Ereignisse» erfunden hat, die in manchen Fällen später auch realisiert worden sind. In Super- 8-Filmen sind diese Aktionen festgehalten worden. Auf Video-Kassetten überspielt, sind sie in der Ausstellung auf Monitoren zu sehen. Ein weiterer Aktions-Film wird zudem in einer Grossprojektion gezeigt. Die Ausstellung wird anschliessend vom Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster übernommen.

Otto Lehmann

20.01.2001 – 18.03.2001
Parterre Ost

Der Luzerner Maler und Zeichner Otto Lehmann (*1943) ist in den 80er Jahren im Umfeld der «Neuen Wilden» bekannt geworden. Obwohl sich sein Schaffen im Verlauf der Jahre deutlich verändert hat, wandelte es sich mit seltener Konsequenz. Bestimmend ist bis heute seine Nähe zur «Art brut». Die gleiche zeichnerische Verdichtung, die schon in seinen figurativen Zeichnungen auffiel, findet sich bei seinen neuen ungegenständlichen Kugelschreiber- und Tintenroller-Zeichnungen wieder. Und die Bedeutung des Lichtes, die sich auf seinen Tusche-Zeichnungen strahlend manifestiert, kündete sich bereits auf seinen ersten dunkeltonigen Blättern an. Die Kraft der Illusion und Suggestion ist der physischen Kraft der Farbe und des Lichtes gewichen. Die Ausstellung, welche die Radikalität und Intensität von Lehmanns Schaffen anhand von Arbeiten auf Papier zeigt, verbindet eine wichtige Werkgruppe von 1978 mit Lehmanns ungegenständlichen Arbeiten der letzten fünf Jahre.