Bernard Voïta: recto verso

11.08.2018 – 21.10.2018

Der Westschweizer Fotograf, Bildhauer und Installationskünstler Bernard Voïta (*1960) gehört zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern seiner Generation. Mit den frühen Schwarzweissfotografien, in denen er sich in spielerischer Weise mit dem künstlerischen
Grundthema von Raum, Fläche und Illusion beschäftigt, ist er in den 1990er Jahren schlagartig bekannt geworden. Wirken diese Fotos vorerst, als wäre ein abstraktes Kreis-Muster über den Bildraum gelegt, geben sie sich später als raffiniertes Arrangement
von Alltagsgegenständen in einem realen Atelier zu erkennen. Die Täuschung ist dabei so verblüffend, dass sich die Werke als Wegmarken zeitgenössischer Fotografie für immer dem Gedächtnis einprägen. Als Weiterführung derselben Dialektik von Raum und Fläche kann die Fotoserie Melencolia (2014 – 2017) verstanden werden, die an die unentrinnbare Welt von Piranesis carceri (um 1750) erinnert. In den bald 30 Jahren seit seinem frühen Erfolg hat Voïta mit derselben Verbindung von Ernst und Witz, Nachdenklichkeit und Sinnlichkeit sein Schaffen weiterentwickelt und mit dem Einbezug dreidimensionaler Werke verdichtet. Dem fotografierten Raum begegnet nun der reale Ausstellungraum, auf den seine Installationen und bildhaften Objekte bezogen sind. Zu den verblüffendsten Zwitterwesen zwischen Bild und Skulptur gehören seine Jalousies (2017). Mit der Wand verbunden, können ihre Innenteile aufgefaltet und gestellt werden – wie eine Jalousie oder wie das Objektiv einer Kamera, die für Voïta nicht nur Instrument,
sondern stets auch Motiv ist.