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Jahresprogramm 2012 Gunter Frentzel 26. November 2011 bis 19. Februar 2012 Ganzes Parterre Gunter Frentzel (*1935) hat mit seinen Skulpturen und Installationen einen wesentlichen Beitrag zur Diskussion über neue Formen dreidimensionaler Kunst geleistet. Mit seinem innovativen Schaffen hat der in Berlin geborene, seit Jahrzehnten in der Schweiz lebende Künstler die nationale Kunstszene nachhaltig geprägt. Rund zwanzig Jahre nach seiner ersten Einzelausstellung im Kunstmuseum Solothurn, 1990, widmen wir dem Künstler eine Übersichtsausstellung mit Werken aus den Jahren 1977 bis 2011. Das künstlerische Schaffen verblüfft schon im Frühwerk durch eine radikale Einfachheit, die ihn in das Umfeld der Minimal Art rückt. Besonderes Interesse zeigt er bereits in den siebziger Jahren für die Frage des Gleichgewichts. Er sucht es vorerst im dualen Bezug unterschiedlicher Materialien, kombiniert Stein und Holz, Stein und Metall. In einem weiteren Schritt verbindet er Metallplatten und Vierkantstäbe. Heute beschränkt er sich auf Metallstäbe, die er zu vielteiligen, mit Moiré-Effekten spielenden Skulpturen aufschichtet und dabei erneut die Grenzen der Stabilität auslotet. Obwohl Frentzels Werke eine skulpturale Präsenz ausstrahlen, sind sie in ihrem Charakter der Installation verbunden, können jederzeit auf- und wieder abgebaut werden. Von derselben Leichtigkeit ist seine Laser-Kunst. Während der Ausstellung wird der Künstler zwischen Museum und Stadt Licht-Linien in den nächtlichen Himmel „zeichnen“. Mit Haut und Haar Akte und Figuren aus der Sammlung 18. Januar bis 22. April Graphisches Kabinett Im Zentrum der Ausstellung stehen Akte aus der Graphischen Sammlung. Diese nur selten ausgestellten Blätter, bei denen es sich teils um Entwürfe, teils um selbständige Arbeiten handelt, werden ergänzt durch eine kleine Auswahl von Skulpturen und Ölbildern zum menschlichen Körper. Die Ausstellung bildet einen Auftakt zur anschliessenden Präsentation von Félix Vallottons Zeichnungen, in denen dem Akt besondere Bedeutung zukommt. Die Ausstellung Mit Haut und Haar zeigt verschiedenste Facetten: nicht nur die Vielfalt menschlicher Körper, sondern auch die Bandbreite von Gefühlen und Stimmungen, aus denen heraus das Gegenüber stets in neuem Licht erscheint. Viele Künstler haben sich dem Körper «mit Haut und Haar» verschrieben, als Forscher die einen, als Liebende die andern. Erotik schwingt bei vielen Blättern mit. Ausgestellt werden Blätter von Bildhauern, die sich dem Körper aus einem umfassenden Interesse zuwenden, wie Walter Peter (19021997), Robert Müller (19202003), Heinz Schwarz (19201994) oder Schang Hutter (*1934). Arbeiten von Max Brunner (19102007), Niklaus Hasenböhler (19371994) und Martin Disler (19491996) zeigen, dass auch genuine Maler und Zeichner Akte von grosser Dichte hervorbringen: Während Brunner weibliche Figuren von berückender Sinnlichkeit aufs Blatt zaubert, gelingen Hasenböhler und Disler Existenz-Bilder, die unter die Haut gehen. Anselm Stalder Glimmende Peripherie 10. März bis 3. Juni Ganzes Parterre Anselm Stalder (*1956) hat im Umkreis der neuen Figuration der achtziger Jahre früh internationale Anerkennung erlangt. Im Unterschied zu den damaligen expressiven Tendenzen überwog bei Stalder jedoch stets das Moment der Reflexion. Sein formal schlichtes, doch inhaltlich dichtes Werk kreist um Körper und Raum, Wahrnehmung und Sprache. 2003 war ihm eine Einzelausstellung in der Kunsthalle Basel gewidmet; 2007 erhielt er den Prix Meret Oppenheim. Anselm Stalder war in den letzten Jahren verschiedentlich an thematischen Ausstellungen des Kunstmuseums Solothurn beteiligt, nun zeigt er unter dem Titel Glimmende Peripherie eine grosse Übersichtsausstellung. Der Titel ist für den Künstler nicht ein «Reflex auf aktuelle politische Ereignisse», sondern hat «mehr mit der permanenten Latenz des Umschlagens in Unerwartetes zu tun». Als «Museum im Museum» wird u. a. die vielteilige Werkgruppe As if (ab 2002) gezeigt. Die Vergleichsform des As if unterstreicht zum einen die metaphorische Beziehung zwischen Kunst und Welt, zum andern das Zweifelhafte von Behauptungen und Annahmen. Seine eigens für die Ausstellung entwickelten Körper (2012) gehen von den beiden Kopien nach Michelangelos «Sklaven» im Museumsfoyer aus. Mit einer Seitenlänge von zwei Metern sind die Körper der menschlichen Grösse angepasst. Damit knüpft der Künstler an seine früheren Skulpturen an und sucht nach neuen Formen des dreidimensionalen Menschenbildes. Félix Vallotton Zeichnungen 12. Mai bis 12. August Graphisches Kabinett Félix Vallotton (18651925) ist in den vergangenen Jahren mit grossen Ausstellungen bedacht worden. Im Zentrum standen zumeist seine Gemälde und die berühmten Holzschnitte. Seine Zeichnungen dagegen wurden nur selten ausgestellt. Die von den Kunstmuseen Solothurn und Winterthur gemeinsam vorbereitete Ausstellung widmet sich nun ausschliesslich Vallottons Arbeiten auf Papier, zu denen neben Kohle-, Kreide, Tusche- und Bleistiftzeichnungen auch Pastelle und Aquarelle gehören. Die Ausstellung präsentiert rund 130 Blätter und deckt alle Schaffensphasen ab. Die frühesten Zeichnungen stammen aus den 1880er-Jahren. In einem realistischen Zeichenstil widmet sich der Künstler vorerst dem Bildnis seiner Mutter oder einfachen Alltagsmotiven. Berührend sind Vallottons frühe Selbstporträts und die Darstellungen von Freunden und Bekannten. In dieselbe Frühzeit fallen seine gezeichneten Kopien nach Werken von Da Vinci und Holbein. Landschaftliche Motive finden sich über das ganze Schaffen verteilt; die betreffenden Blätter zeichnet Vallotton während Reisen auf Guernsey (1907), in Honfleur (1912), Dax (1917), Saint-Malo und Dinan (1919) oder Cagnes (um 19201922). Im zeichnerischen Schaffen nimmt der Akt einen besonderen Platz ein. Neben fein ausgearbeiteten Bleistiftzeichnungen, die den Einfluss von Ingres zeigen, werden auch expressive Blätter in Kreide und Tusche präsentiert, in denen der Künstler virtuos und schnell Formen und Gebärden erfasst. Treidelpfade Gegenständliche Schweizer Malerei aus der Sammlung (1920 bis 1970) 23. Juni bis 19. August Ganzes Parterre Im Anschluss an die Ausstellung Ferdinand Hodler und Cuno Amiet, in der hauptsächlich Werke bis 1918 gezeigt wurden, präsentieren wir unter dem Titel Treidelpfade gegenständliche Schweizer Malerei von 1920 bis 1970. In diese Zeit fallen nicht nur das mittlere und späte Schaffen von Cuno Amiet (18681961), sondern auch viele Werke seiner Schüler, etwa von Ernst Morgenthaler (18871962). Manche Schweizer Maler der damaligen Jahrzehnte folgten Amiets Kunst fast wie auf Treidelpfaden, begleiteten den «starken Strom». Der Ausstellungstitel bezieht sich auf diese das Flussufer säumenden Wege, auf denen einst die Treidler mit ihren Pferden die Lastkähne flussaufwärts zogen. Nach Amiet stellten Max Gubler (18981973) oder Alberto Giacometti (19011966) ähnlich starke Figuren dar. Sie erzeugten Strömungen, von denen sich die jungen Künstler mitziehen liessen, auch Solothurner Maler wie Hans Jauslin (19091958) oder Rolf Spinnler. Bemerkenswert breit ist die Malerei der Romandie vertreten, u. a. mit Gemälden von Hans Berger (18821977), Maurice Barraud (18891954), Eugène Martin (18801954) oder Alexandre Rochat (18951981). Neben bekannten Namen finden sich in der Ausstellung auch solche, die heute weitgehend vergessen sind. So kann die Ausstellung nicht nur mit Überraschungen und Entdeckungen aufwarten, sondern zugleich als ein kleines Lehrstück über Kunst und Karriere, Kapitäne und Treidler dienen. Aldo Solari Im Feld der Schwimmer 1. September bis 11. November Ganzes Parterre Das Kunstmuseum Solothurn widmet dem Maler Aldo Solari (*1947) eine grosse Ausstellung, die von den neuesten Bildern der «Schwimmer» ausgeht. Sie zeigen Crawler, die sich als Konkurrenten eines Wettrennens, in fast musterartiger Wiederholung und Massierung begegnen. Unter dem Leitmotiv der menschlichen Figur werden jedoch auch Werke früherer Schaffensphasen eingeschlossen, wie das in Rot und Blau strahlende Gemälde Ohne Titel (Der Platz) von 1989 / 90, das als Titelbild für das diesjährige Programm dient. Das Bild zeigt eine Gruppe uniformierter Menschen von oben, die sich auf engstem Raum begegnen, ohne sich zu berühren. Die gleichsam in Formation schreitenden Männer gleichen sich zum Rapportmuster an, lösen sich als Individuen auf. Neben den Uniformierten und «Schwimmern» finden sich in anderen Bildserien auch Gliederpuppen. Die Ausstellung zeigt, wie konsequent und zugleich frei Aldo Solari an seinen Bildgruppen arbeitet. Dahinter steht weniger ein konzeptuelles Denken als vielmehr malerische Lust und Neugier. Wie die Vertreter der Pop Art gelingt es Solari, malerische Sinnlichkeit und plakative Wirkung mit Hintersinn zu verbinden. Mit seinen Wettkämpfern, Uniformierten und Puppen interessiert er sich für inhaltliche Belange wie das tägliche «Rat race» oder das Machtspiel der Gängelei. Dabei hält seine Malerei jedoch eine perfekte Balance zwischen cooler Sinnlichkeit und kritischer Distanz. Aloïse Corbaz und Agnes Barmettler Figürliche Deklinationen 1. September bis 11. November Graphisches Kabinett Aus Anlass des elektronischen Werkverzeichnisses von Aloïse (Aloïse Corbaz, 18861964), das 2012 vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft veröffentlicht wird, möchten wir einen Einblick in unsere eigenen Aloïse-Bestände gewähren. Dank der Schenkungen von Etienne und Jacqueline Porret-Forel besitzt das Kunstmuseum Solothurn eine der schönsten Sammlungen der Art Brut-Künstlerin. Ihre grossformatigen Farbstift- und Ölkreidezeichnungen werden dem zeichnerischen Schaffen von Agnes Barmettler (*1945) gegenübergestellt. Dabei handelt es sich weitgehend um Blätter aus den siebziger und achtziger Jahren. Die Bildwelten der beiden Künstlerinnen weisen trotz ihrer ganz unterschiedlichen Hintergründe manche Ähnlichkeiten auf: Vergleichbar ist die zentrale Thematik der eigenen Weiblichkeit sowie das Erschaffen eines vielteiligen Universums, in dem sich Symbole der menschlichen Existenz, von Natur und Kosmos zu einem Ganzen schliessen. Während sich Aloïse an der illustren Welt der europäischen Aristokratie inspirierte, wurde für Barmettler die Begegnung mit der indigenen Kultur der Hopi zu einer wichtigen Bildquelle. Der Ausstellungstitel Figürliche Deklinationen bezieht sich auf eine gleichnamige Serie, die Agnes Barmettler 1975 geschaffen hat. Der Titel stammt ursprünglich von Martin Disler (19491996), der ab 1970 mit Agnes Barmettler in Solothurn ein Atelier teilte und auch einige Jahre mit ihr verheiratet war. 28. Kantonale Jahresausstellung Kunstverein Solothurn 1. Dezember 2012 bis 3. Februar 2013 Ganzes Parterre Dieses Jahr ist wiederum der Kunstverein Solothurn Veranstalter der Kantonalen Jahresausstellung. Teilnahmeberechtigt sind Kunstschaffende, welche im Kanton Solothurn wohnen oder heimatberechtigt sind, die Mitglieder der Kunstvereine Solothurn und Olten, der Kunstgesellschaft Grenchen sowie der visarte.solothurn. Aus den Eingaben der Kunstschaffenden bestimmt eine mit ausgewiesenen Persönlichkeiten der nationalen Kunstwelt besetzte Jury eine möglichst attraktive Auswahl. Die Ausstellung bietet dem interessierten Publikum eine konzentrierte Sicht auf das aktuelle Kunstschaffen unserer Region und den Künstlerinnen und Künstlern eine schöne Gelegenheit, einem breiteren Publikum Einsicht in ihr gegenwärtiges Schaffen zu gewähren. An der Vernissage wird zum fünften Mal der Auszeichnungspreis des Kunstvereins Solothurn für eine herausragende Arbeit verliehen. Freispiel Kunstverein Solothurn 1. Dezember 2012 bis 3. Februar 2013 Ganzes Parterre Parallel zur Jahresausstellung und quasi als deren Erweiterung offeriert der Kunstverein nach dem erfolgreichen Einstieg vor vier Jahren unter dem Titel Freispiel eine Präsentation interessanter Einzelpositionen. Das Graphische Kabinett wird dabei als experimentelles Labor jüngerer oder innovativer Kunstschaffender mit Solothurner Bezug genutzt. Eingeladen vom Vorstand des Kunstvereins Solothurn werden Künstlerinnen und Künstler, die an früheren Jahresausstellungen besonders aufgefallen waren. Der Kunstverein Solothurn möchte mit diesem Angebot einerseits den künstlerischen Nachwuchs motivieren, andererseits jedoch auch dem Publikum einen zusätzlichen Anreiz bieten. |
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