Jahresprogramm 2010



Max Matter

Bis 14. Februar
Ganzes Parterre



Der Aargauer Künstler Max Matter (*1941) ist in allen Schaffensphasen mit eigenständigen Werken hervorgetreten, und bis heute hat sein Schaffen nichts von seiner Frische und Radikalität verloren. 14 Jahre nach der letzten Überblicksausstellung im Aargauer Kunsthaus Aarau widmet ihm das Kunstmuseum Solothurn eine neue Präsentation mit Arbeiten aus einem Zeitraum von über 40 Jahren. Der retrospektive Anspruch der Ausstellung wird nicht durch eine herkömmliche Chronologie, sondern durch das Aufzeigen von inhaltlichen1 Feldern und Zusammenhängen erfüllt. In einem Spannungsbogen zwischen den beiden Hauptthemen Körper und Licht bietet sich in der Saalfolge der zweiflügligen Anlage ein assoziativer Parcours an. Die Ausstellung führt alle Hauptwerke zusammen: von den Beispielen der Pop Art (1967–72), den legendären Hängebildern (1976/77) und den mit Blut geschriebenen Blättern (1979) über die Körperabwicklungen (1984/85) und die vielteiligen, von Hand oder mit dem Computer erarbeiteten Sternen- und Gitterzeichnungen (1986–92) bis hin zu seinen 1996 einsetzenden Injektionen. Es ist eindrucksvoll, mit welch innerer Konsequenz sich die Werkgruppen auseinander entwickeln, wie scheinbar Abgeschlossenes wie die Licht-Malerei des Frühwerks im heutigen Schaffen wieder auftritt. Auch die aktuellen Injektionen überzeugen durch ihre Sinnlichkeit und Innovationskraft. Die mit Injektionsbesteck in vielfach gefaltete Japanpapiere eingespritzten Farben verbinden sich auf den geöffneten Bogen zu Kompositionen von zufälliger Schönheit.



Farblichtfluss
Aquarelle und Sepien aus der Sammlung
des Kunstmuseums Solothurn

Mit Werken von Cuno Amiet, Albert Anker, Max Brunner, Roman Candio, Paul Demmé, Giovanni Giacometti, Franz Graff, Paul Klee, Laurent Louis Midart, Adrian Schiess, Anselm Stalder, André Thomkins, Albert Trachsel, Uwe Wittwer u.a.

Bis 7. Februar 2010
Graphisches Kabinett


Anlass der Ausstellung ist eine grosse Schenkung aus dem Nachlass des Solothurner Künstlers Max Brunner (1910–2007), der sich vor allem einen Namen als Glasmaler geschaffen hat. Die Verbindung von Licht und Farbe, von denen seine leuchtenden Kirchenfenster leben, findet sich auch in seinen Aquarellen, die bereits in seinem Frühwerk der 1920er und 1930er Jahre auftreten. Auf der Suche nach weiteren Beispielen der Aquarellkunst sind wir in unserer Sammlung auf bedeutende Künstler verschiedenster Epochen gestossen, vom späten 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bei der Sepia, die aufgrund ihres flüssigen Auftrags eng mit dem Aquarell verwandt ist, handelt es sich um ein unfarbiges, doch für die Darstellung von Lichtwirkungen ebenso geeignetes Medium. Die beiden Techniken werden im Verlaufe der Epochen aus ganz unterschiedlichen Gründen gewählt. Bieten sie zum einen eine ideale Form, Motive in der freien Natur oder auf Reisen im kleinen Format zu erfassen, eignen sie sich zum andern aufgrund ihrer Transparenz und Weichheit für das Erfassen von Stimmungen. Während manche Maler das Aquarell einfach zum farbigen Fassen von Zeichnungen nutzen, wird es bei andern Künstlern wie Roman Candio (*1935), Paul Demmé (1866–1953), Paul Klee (1879–1940) oder Uwe Wittwer (*1954) zur hauptsächlichen und virtuos beherrschten Parade-Technik.



Luzia Hürzeler

6. März bis 16. Mai
Parterre Ost


Die in Genf lebende Video-Künstlerin Luzia Hürzeler (*1976) hat in den hiesigen Jahresausstellungen verschiedentlich mit hervorragenden Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht. Das Kunstmuseum ihrer Heimatstadt Solothurn widmet ihr nun die erste Einzelausstellung in einem Museum und ermöglicht damit die Entdeckung einer jungen Künstlerin, die nach Studien in Genf und London bereits über ein sehr eigenständiges und stringentes Schaffen verfügt. Obwohl der Videofilm Luzia Hürzelers Hauptmedium bleibt, befasst sich die ehemalige Schülerin von Carmen Perrin thematisch mit dem Körper als Skulptur und interessiert sich für seine Wirkung zwischen (scheinbarer) Leblosigkeit und Lebendigkeit. Damit ermöglicht sie nicht nur eine kunstimmanente Betrachtung zum Charakter der unterschiedlichen Medien, sondern stellt zugleich existentielle Fragen.
Neben ausgesuchten Frühwerken wird auch erstmals eine dreiteilige Werkgruppe präsentiert, die sie während ihrem zweijährigen Aufenthalt am Istituto Svizzero in Rom geschaffen hat. Dazu gehört u.a. der Videofilm Il nonno (2009), der in eindringlichen Bildern die Begegnung zwischen einem ausgestopften und einem lebendigen Löwen zeigt. Dabei geht es nicht nur um Schein und Sein, sondern um die Vergänglichkeit, wie sie sich am Nebeneinander der (Tier-)Generationen zeigt. Ein eigener Saal fasst Hürzelers ungewöhnliche Selbstbildnisse zusammen. Ihre langsamen Veränderungsprozesse stehen für einen lebendigen Kunstbegriff und sprechen in ebenso ernster wie schlagender Weise vom Lauf der Zeit.



Von der Entdeckung der Langsamkeit
Aspekte der zeitgenössischen Sammlung des Kunstmuseums Solothurn

6. März bis 9. Mai
Parterre West und Graphisches Kabinett


Mit Bezug zur gleichzeitigen Ausstellung von Luzia Hürzeler, deren Videoarbeiten oftmals ausgesprochen langsame Veränderungen zeigen, wird die zeitgenössische Sammlung des Kunstmuseums Solothurn unter dem Fokus der Langsamkeit beleuchtet. Der Ausstellungstitel verdankt sich dem berühmten Buch Die Entdeckung der Langsamkeit (1983) von Sten Nadolny, das lange vor der vielzitierten „Entschleunigung“ einen Gegenwert zur Dominanz des Schnellen postulierte. Auch in der Gegenwartskunst häufen sich Werke, die langsame Prozesse reflektieren und nach einer entsprechend geduldigen Betrachtung rufen. Mit dem Thema der Langsamkeit wird die Zeit und ihr Ablauf befragt, das Veränderliche und Vergängliche, zuweilen aber auch die Dauer, wie sie uns im anhaltenden Wirken eines Werkes begegnen kann. Dass sich für die Darstellung zeitlicher Prozesse der Videofilm besonders eignet, ist naheliegend und zeigt sich in der Solothurner Sammlung an Beispielen von Silvie Defraoui und Shahryar Nashat. Langsamkeit lässt sich aber auch an (scheinbar) statischen Werken entdecken, etwa bei Roman Signers Verdunsten (1979/2003), dessen Veränderungsprozess wir nur aufgrund einer sich über Monate abzeichnenden Sandspur gewahren können. Zuweilen wird die Langsamkeit auch am langwierigen Entstehungsprozess eines Kunstwerkes ablesbar, etwa bei den Zeichnungen von Christian Denzler und Ingo Giezendanner oder den Bildern von Jean Pfaff. Das Erleben der Langsamkeit führt letztlich zu einem Schauen, das der Zeit und ihren Spuren nicht mehr folgt, sondern sie verliert.



Boris Rebetez

5. Juni bis 8. August
Parterre Ost


Boris Rebetez (*1970) beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit mit dem Raum. Meist sind es periphere Situationen, die ihn interessieren: Orte, an denen Stadt und Landschaft, Architektur und Natur aufeinander treffen und sich zu einem komplexen, vielschichtigen Ganzen verdichten. Seine Aufmerksamkeit richtet sich auch auf halböffentliche Räume wie Innenhöfe, Treppenhäuser oder Vortragssäle, die zwischen innen und aussen changieren und verschiedene Funktionen in sich vereinen. Er untersucht ihre architektonische und räumliche Qualität, fragt jedoch immer auch nach unserer subjektiven Wahrnehmung und Erfahrung, nach dem erlebten und verinnerlichten Raum. Mittels Zeichnungen, Collagen und Skulpturen untersucht er unsere Umgebung, legt Schichtungen frei und sucht nach Bildern, die die Komplexität der heutigen Gegenwart reflektieren.
Seine Untersuchungen beziehen seit einiger Zeit auch den Ausstellungsraum mit ein: Für seine Einzelpräsentation im Kunstmuseum Solothurn realisiert er eine neue installative Arbeit, die von der Atmosphäre der Räume ausgeht und subtil in diese eingreift. Aus einfachen Materialien wie Sperrholz oder Karton baut er fragile Strukturen, so dass der Ausstellungsraum auf den ersten Blick vertraut erscheint, sich mit zunehmender Wahrnehmung jedoch verwandelt und als neuer, fiktiver Ort in Erscheinung tritt.
Die Ausstellung vereint Skulpturen, Collagen und Zeichnungen, in denen Boris Rebetez seine künstlerischen Recherchen nicht nur in die Vergangenheit ausweitet, zu kunsthistorischen Grössen wie Fra Angelico oder Andrea Mantegna, sondern als utopische Visionen auch in die Zukunft richtet.



Kunstverein Solothurn
Distant Memory

5. Juni bis 8. August
Parterre West und Graphisches Kabinett

kuratiert von Hélène Joye-Cagnard und Catherine Kohler


Omar Alessandro, Valentin Carron, Pascale Favre, Pawel Ferus, Monica Germann & Daniel Lorenzi, Jorge Pedro Nuñez, Didier Rittener, Ana Roldán, Lex Vögtli und Nancy Wälti

Die Bildende Kunst des 20. Jahrhunderts kann auch unter dem Aspekt der Anlehnung an die Kunstgeschichte, die Kunst fremder Völker, die Volkskunst und an die Medien betrachtet werden. Diese Praxis hat sich im Verlauf der letzten zwanzig Jahre noch verstärkt, und es gibt die unterschiedlichsten Motivationen, die einem solchen «Nehmen» oder «wieder Aufnehmen» zu Grunde liegen. Die zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler nutzen diese Arbeitsweise weniger, um sich auf einzelne Werke zu konzentrieren, sondern eher, um Kunsttheorie und soziale Fragen zu thematisieren. Sie integrieren künstlerische und nicht-künstlerische Elemente und thematisieren Fragen nach dem kulturellen Gedächtnis. Am einen Ende befindet sich das Ursprungswerk, am anderen das Werk, in dem die Anlehnung oder sogar das Zitat zu entdecken ist. Für den Betrachter besteht die Herausforderung darin, die Anspielungen zu dekodieren, sie zu identifizieren und zu rekonstruieren, wie sie der Künstler in seinem Arbeitsprozess, der nicht nur semiotisch, sondern auch emotional abläuft, formuliert. Es gibt unterschiedliche Formen des Bezugs: die Interpretation, die Nachahmung oder auch die Würdigung. Nach Flüchtiger Horizont von Andreas Fiedler und Real Estate von Claudia Spinelli präsentiert der Kunstverein Solothurn mit Distant Memory die dritte fremdkuratierte Ausstellung.



René Zäch: Werke 1980–2010

21. August bis 31. Oktober
Ganzes Parterre und Graphisches Kabinett


Der Bildhauer und Zeichner René Zäch (*1946) ist in Solothurn geboren und aufgewachsen. Mit seinem Schaffen, das mehrmals in Museumsausstellungen gewürdigt wurde, ist er weit über seine Heimatregion hinaus bekannt geworden. Das Kunstmuseum Solothurn hat dem Künstler bereits 1974 und 1983 Einzelausstellungen gewidmet, nun ermöglicht es ihm eine grosse Übersichtsausstellung mit Werken der letzten dreissig Jahre. Hierzu stellt es ihm nicht nur alle Säle des Parterres, sondern auch das Graphische Kabinett zur Verfügung.
In zehn Sälen entfaltet sich dank einer Vielzahl hochkarätiger Leihgaben aus privaten und öffentlichen Sammlungen die ganze Qualität und Konsequenz dieses ebenso gescheiten wie sinnlichen Schaffens, das zwischen Ernst und Ironie, zwischen Maschinenwelt und klassischer Schönheit oszilliert. In Zächs Skulpturen werden Statik und Dynamik oft humorvoll aufeinander bezogen. Damit wird nicht nur die scheinbare Effizienz des vernetzten Arbeitens und Kommunizierens beleuchtet, sondern der Künstler unterläuft damit auch den herkömmlichen Begriff der Skulptur. Zeigt die Einfachheit und Dichte der Werke eine formale Nähe zum Postminimalismus, sind sie inhaltlich weit komplexer. In der bewusst gesuchten Ambivalenz zwischen Kunst- und Gebrauchsgegenstand legt Zäch die Grundbedingungen plastischer Formfindung offen und gelangt damit zugleich zu gesellschaftlichen und philosophischen Fragen, die sich konsequent mit Kommunikation und Transport, mit Statik und Dynamik, mit linearen und zirkulären Ab- oder Leerläufen befassen.



Die Natur des Menschen –
Weltanschauung und Lebensgefühl
Die Sammlung des Kunstmuseums Solothurn im Dialog

25. September 2010 bis 30. Januar 2011
Obergeschoss


Fünf Jahre nach der Ausstellung orten, in der die Sammlung des Kunstmuseums Solothurn nach Themen und Motiven „verortet“ wurde, widmen wir den hervorragenden Beständen vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart eine neue Sonderausstellung. Unter dem Titel Die Natur des Menschen wird das Wechselverhältnis zwischen Weltanschauung und Lebensgefühl thematisiert. Wie Künstlerinnen und Künstler ihre Welt sehen und darstellen, hat nicht nur mit der jeweiligen Epoche, sondern auch mit ihrem individuellen Wesen und den Stationen ihres Lebens zu tun. So kann es über die Epochen hinweg zu Wahlverwandtschaften kommen, die prinzipielle Haltungen – Weltflucht oder Abenteuerlust, Melancholie oder Sinnenfreude, Leid oder Genuss – verdeutlichen. Sichtbar wird nicht nur das unterschiedliche Temperament, sondern auch die Vorliebe für Abbild oder Ausdruck, Aussen- oder Innenschau. Die stilistische Ausrichtung – realistisch, expressiv, kubistisch oder surreal – hängt weniger von einer Zeitmode als von Zeitgeist und Lebensgefühl ab, die das „In-der-Welt-Sein“ des Menschen prägen. „Die Natur des Menschen“ bezieht sich sowohl auf die Natur, wie der Mensch sie sich zum Bild macht, als auch auf die menschliche Natur, die sich in diesem spiegelt. Aufgrund der engen Beziehung zwischen Weltanschauung und Menschenbild werden für die Ausstellung vor allem die Gattungen Landschaft und Bildnis sowie deren Motiv-Verbindungen ausgewählt. Im Zentrum steht die kunsthistorische Sammlung, deren Grösse eine Vielzahl von (Wieder-) Entdeckungen ermöglicht.



Kunstverein Solothurn
26. Kantonale Jahresausstellung

20. November 2010 bis 2. Januar 2011
Ganzes Parterre


Dieses Jahr ist wiederum der Kunstverein Solothurn Veranstalter der Kantonalen Jahresausstellung. Teilnahmeberechtigt sind Kunstschaffende, welche im Kanton Solothurn wohnen oder heimatberechtigt sind, die Mitglieder der Kunstvereine Solothurn und Olten, der Kunstgesellschaft Grenchen sowie der visarte.solothurn. Aus den Eingaben der Kunstschaffenden bestimmt eine mit ausgewiesenen Persönlichkeiten der nationalen Kunstwelt besetzte Jury eine möglichst attraktive Auswahl. Die Ausstellung bietet dem interessierten Publikum eine konzentrierte Sicht auf das aktuelle Kunstschaffen unserer Region und den Künstlerinnen und Künstlern eine schöne Gelegenheit, einem breiteren Publikum Einsicht in ihr gegenwärtiges Schaffen zu gewähren. An der Vernissage wird zum vierten Mal der Auszeichnungspreis des Kunstvereins Solothurn für eine herausragende Arbeit verliehen. Bisherige Preisträger waren René Zäch, Renata Borer und Raffaella Chiara.



Kunstverein Solothurn
Freispiel

20. November 2010 bis 2. Januar 2011
Graphisches Kabinett


Parallel zur Jahresausstellung und quasi als deren Erweiterung offeriert der Kunstverein nach dem erfolgreichen Einstieg vor zwei Jahren unter dem Titel Freispiel eine Präsentation interessanter Einzelpositionen. Das Graphische Kabinett wird dabei als experimentelles Labor jüngerer oder innovativer Kunstschaffender mit Solothurner Bezug genutzt. Eingeladen vom Vorstand des Kunstvereins Solothurn werden Künstlerinnen und Künstler, die an früheren Jahresausstellungen besonders aufgefallen waren. Der Kunstverein Solothurn erhofft sich, mit dieser Neuerung einerseits den künstlerischen Nachwuchs zu motivieren und andererseits dem Publikum einen zusätzlichen Anreiz zu bieten.