Ruedi Fluri

Papierwerke

23.08.2014 – 02.11.2014
Parterre West

Der Solothurner Künstler Ruedi Fluri (* 1948) ist nach einer Ausbildung zum Industriedesigner an der Schule für Gestaltung Zürich und einer Tätigkeit als Designer 1981 an seinen Ausbildungsort zurück gekehrt, wo er bis 2007 unterrichtet hat. Daneben sind künstlerische Arbeiten entstanden, die ihre Herkunft aus dem Objekt-Design nicht verbergen, dieses aber – dank Fluris Anspruch der „Verwand­lung“ – hinter sich lassen.

Fluris Schaffen, das sowohl in den Bereichen der Kunst wie der Architektur ausgezeichnet wurde, öffnet sich unterschiedlichen Feldern. Dies gründet in seiner spezifischen Haltung, aus der er alle Werke als Modelle, als Vorschläge und Projekte betrachtet, die beliebig erweitert, fortgesetzt und um­gesetzt werden können. Der Prozess ist ihm weit wichtiger als das abgeschlossene Kunstwerk. Daraus erklärt sich auch der Eindruck des Fragilen und Leichten – selbst bei monumentalen Ausführungen. Zur temporären Realisierung seiner Modelle in Architekturen ist der Künstler auf die Mithilfe von Helferinnen und Helfern angewiesen (so auch für die beiden turmartigen Bauten, die während der Ausstellungszeit im Museumspark stehen). In diesem Zusammenhang kommt der von Joseph Beuys geschaf­fene Begriff der „sozialen Skulptur“ in den Sinn. In Gemeinschaftswerken wird der herkömm­lichen Kunst- und Künstlerbegriff aufgelöst und die gesellschaftliche Dimension der Kunst betont.

Ruedi Fluris Einzelausstellung im Kunstmuseum Solothurn – der zweiten nach 1991 – zeigt in dop­pelter Hinsicht sein Schaffen: Zum einen werden Objekte unterschiedlichster Dimensionen präsentiert, zum andern nutzt der Künstler während der Öffnungszeiten einen der Säle als Werkstatt, in die er nicht nur angemeldete Gruppen, sondern auch einzelne Museumsbesucherinnen und -besucher zum Mitwirken einlädt. Fluris Vorstellung der „Verwandlung“ bezieht sich darum nicht nur auf das kreative „Wunder“, mit der dank Schnitten und Falten aus einem blossen Stück Papier eine dreidimensionale Figur entsteht, sondern auch auf die mentale Wirkung, die seine Werke als Modelle in unserer Vorstellungskraft aus­lösen und letztlich ein gesellschaftliches Mitgestalten anregen können.

Zum Reiz der Ausstellung gehört nicht nur der Wechsel der Grössen zwischen den erwähnten Bauten im Museumspark, den Skulpturen, den grossen und kleinen Objekten im Museum, sondern auch der spezifische Ort ihrer Platzierung. Werden kleine Papierwerke auf hohen Tischen zu „urbanen“ Ver­bänden zusammengezogen (in die wir wie bei einem Guckkasten eintauchen können), behaupten sich skulpturale Werke aus Karton als raumgreifende Körper oder Wände. Stehende oder liegende Objekte lösen sich ab und zeigen, wie sehr die inhaltlichen Assoziationen von der spezifischen Verortung abhängen. Wie Fluris Werke auch gedreht und gewendet, vergrössert oder verkleinert er­scheinen, regen sie immer neu unsere Imagination an und stellen – was sich die Kunst sonst verbietet – die Frage nach ihrer möglichen Funktion im Alltag. Mit einfachsten Materialien gibt Ruedi Fluri sei­ner Kunst eine Relevanz und Verbindlichkeit, die ihr heute oft abgesprochen wird.