Frans Snyders (1579 getauft-1657), Früchtestillleben mit Affe und Papagei, um 1630, Öl auf Leinwand, 91×125 cm, Legat Oberstleutnant Emil R. Zetter, Solothurn, 1944

Altmeistersammlung

Die Altmeistersammlung umfasst eine kleine Anzahl qualitativ hochstehender Werke, die vom Mittelalter bis zum Rokoko reichen. Es ist besonders in der Altmeistersammlung, in der sich die historische Bedeutung von Solothurn als Ambassadoren-Stadt reflektiert. Von 1530 bis zur Französischen Revolution war Solothurn die Niederlassung der französischen Botschafter. Durch das mit der französischen Krone betriebene Söldnerwesen kamen viele Bürger zu Reichtum und Titel. Die Bilder aus der Altmeister-Sammlung zeugen vom damit verbundenen Wohlstand und den internationalen Verbindungen.

Zu den beiden Höhepunkten in der Altmeistersammlung gehören die Madonna in den Erdbeeren (um 1425) des Meisters des Paradiesgärtleins sowie die Solothurner Madonna (1522) von Hans Holbein d. J. Bei der Madonna in den Erdbeeren handelt es sich um einen mit einem Rosenhag umschlossenen Paradiesgarten, einen „hortus conclusus“, in dem Maria auf einer Rasenbank sitzt und dem Jesuskind aus der Bibel vorliest. Der grosse Reiz des Werks geht von der Verschmelzung von mittelalterlichen und neuzeitlichen Bildvorstellungen aus. So sind die kleine Stifterfigur im rechten Bildvordergrund, der Goldgrund oder die mit Edelsteinen besetzte Krone dem Mittelalter verpflichtet, während die präzise Schilderung von Fauna und Flora den Weltbezug der Neuzeit widerspiegelt.

Fast hundert Jahre später schuf Hans Holbein d. J. die Solothurner Madonna, ein Hauptwerk aus der Basler Zeit des Meisters der Renaissance. Dargestellt ist die Madonna mit Kind, die rechts vom Solothurner Stadtheiligen Ursus, links vom heiligen Martin flankiert werden. Im Tonnengewölbe und seinen Zugstangen im Bildhintergrund wird die Entdeckung der Zentralperspektive gefeiert. Die illusionistische Darstellung sowie die das Bild beherrschende Symmetrie und Ordnung sind typische Merkmale der Renaissance. Nicht nur die meisterhafte Malerei, sondern auch die wechselhafte Geschichte der lang verschollenen Tafel fasziniert. Nicht zuletzt war es die Solothurner Madonna, deren Wiederauffindung im 19. Jahrhundert den Bau eines städtischen Museums motiviert hat.