Albert Lugardon (1827-1909), Die Jungfrau, vor 1896, Öl auf Leinwand, 160×260 cm, Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur, Bern, 1896

Schweizer Landschaftsmalerei

Die Sammlung des Kunstmuseums Solothurn ermöglicht einen breiten Einblick in die Entwicklung der Schweizer Landschaftsmalerei vom späten 18. bis zum 20. Jahrhundert. Während die Alpen vor dem 18. Jahrhundert als gefährlicher und unwirtlicher Raum galten, veränderte sich diese Wahrnehmung im Zuge der Aufklärung. Das Hochgebirge wurde zunehmend erwandert und erforscht. Die Entwicklung der Schweizer Landschaftsmalerei ist wesentlich verknüpft mit dieser neuen Sicht auf die Alpen als Gegenstand von wissenschaftlichem und ästhetischem Interesse. So verdeutlicht Caspar Wolfs Das Innere der Bärenhöhle bei Welschenrohr (1778) einerseits dessen Vorliebe für das romantische Motiv der Höhle, andererseits strebt die topografisch korrekte Wiedergabe den Anspruch nach wissenschaftlicher Aufklärung an. François Diday und sein Schüler Alexandre Calame gelten als Mitbegründer der Genfer Schule. Der romantischen Auffassung der Landschaft verpflichtet, ist Der Gewittersturm (1858) von Diday stimmungsvoll aufgeladen und wirkt als existenzielle Metapher.

Während Albert Lugardon mit der Jungfrau (vor 1896) noch um die Jahrhundertwende ein traditionell-realistisches Alpenbild malte, in der die Bergwelt als paradiesisch reine und erhabene Landschaft dargestellt wird, experimentiert Ferdinand Hodler schon mit neuartigen malerischen Mitteln. Dies zeigt sich bereits im realistisch anmutenden Buchenwald (1885), in dem sich das Ordnungsprinzip des Parallelismus abzeichnet. Innerhalb der Schweizer Alpenmalerei ist auch ein Vergleich zwischen Hodler und dem Solothurner Otto Frölicher sprechend. Während dessen Schmadrichbach (um 1881) noch ganz dem Pleinairismus des paysage intime verpflichtet ist, zeigt Hodler nur wenige Jahre später gemalte Lawine (1887) bereits eine ganz andere Farbigkeit. Mit seinen späten Genfersee-Bildern verhalf Hodler der Gattung der Landschaft denn auch zu neuem Aufschwung. In ihrer Einfachheit und Dichte reflektieren sie die Auseinandersetzung mit der Moderne.

Zu den reichen Beständen an Gemälden der Schweizer Landschaftsmalerei gehören auch Werke von Giovanni Giacometti, Albert Trachsel, Félix Vallotton und Hans Berger. Besonders reich ist neben der Werkgruppe von Otto Frölicher auch das Schaffen der Solothurner Frank Buchser und Cuno Amiet vertreten, der den Übergang zwischen Jugendstil und Moderne markiert.