Claudio Moser: Gegen Osten

Werke von 1995 bis 2020

02.03.2021 – 24.05.2021
Kunstmuseum Solothurn, Ganzes Parterre

Claudio Moser (*1959 in Aarau) gehört zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern seiner Genera­tion, dessen Schaffen früh entdeckt wurde. Das Kunstmuseum Solothurn, wo Claudio Moser bereits 1998 in der thematischen Ausstellung «Die Schärfe der Unschärfe» vertreten war, ermöglicht nun mit einer breiten Werkauswahl aus 25 Schaffensjahren einen retrospektiven Überblick. Neben einer reichen Zahl von Fotografien, mit denen der Künstler bekannt geworden ist, sind auch Filme sowie Skulpturen und Malereien zu sehen.
Claudio Moser geht nicht nur als Fotograf, sondern auch als ausstellender Künstler bewusst und differenziert mit dem Raum und seinen Stimmungen um. Für die sieben Parterre-Räume des Kunst­museums Solothurn hat er einen atmosphärischen Parcours angelegt, der von den architektoni­schen Gegebenheiten ausgeht. So nutzt er die nach dem Museumsumbau von 1980 verschlossene Abfolge von Fenstern für die Hängung grossformatiger Fotografien, die an den Aussenwänden des Erdgeschosses als Leitmotive auftreten und den Takt angeben. Dieser visuelle Faden der Fotografie, der sich durch die ganze Ausstellung zieht, ermöglicht die Platzierung ganz anderer Werke auf den Gegenwänden. So finden sich bereits im ersten Saal Malereien auf Papier, die sich über zwei weitere Säle fortziehen. Auch hier hat Claudio Moser an einen visuellen Zusammenhalt gedacht, befinden sich die grossformatigen Blätter doch an farbigen Wänden, die er über drei Säle miteinander ver­bindet.

Fritz Baumann, Johanna Fülscher, Otto Morach

Ein künstlerischer Austausch. Arbeiten auf Papier

02.03.2021 – 24.05.2021
Kunstmuseum Solothurn, Graphisches Kabinett

Die bereits für 2020 angekündigte Ausstellung zur Künstlerfreundschaft zwischen dem Solothurner Otto Morach (1887–1973) und dem Basler Fritz Cäsar Baumann (1886–1942) findet mit dem Einbezug von Werken der Zürcher Künstlerin Johanna Fülscher (1893–1978) eine Ergänzung. Zusammen mit ihren Kollegen gehörte sie der 1918 gegründeten Basler Künstlergruppe Das neue Leben (1918–20) an. Aus derselben Zeit stammt ein Wechsel illustrierter Postkarten, die sie mit Otto Morach austauschte. Ausgangspunkt der Ausstellung ist eine wertvolle Schenkung von Baumanns Holzschnitten und Radierungen, die uns Hugo Stüdeli, Morachs Neffe und Nachlassverwalter, 2019 übergeben hat. Be­reits 2017 durften wir vom selben Gönner ein grosses Konvolut von Morach-Zeichnungen entgegen­nehmen. Baumanns Holzschnitte der Jahre 1912–14 und Morachs Kohlezeichnungen von 1915–18, die im Zentrum der Präsentation stehen, gehören zu den eindrucksvollsten Werken der frühen Mo­derne in der Schweiz.Der Hauptteil der Exponate stammt aus den Jahren 1910 bis 1920, als Morach und Baumann ihre Künstlerfreundschaft am intensivsten pflegten. Zeitlich passt auch der erwähnte Postkartenwechsel zwischen Morach und Fülscher dazu, der 1918/19 erfolgte. Ergänzt wird er durch wenige Arbeiten auf Papier, die die Künstlerin in den 1910er Jahren schuf. Sie spiegeln die Kenntnis von Werken des Blauen Reiters, denen sie während eines damaligen Studienaufenthaltes in München begegnete. Dar­über hinaus wird aber auch eine Auswahl von Blättern früherer Schaffensjahre gezeigt, dazu gehö­ren etwa symbolistische Radierun­gen, die Baumann unter dem Eindruck von Ferdinand Hodler (1853–1918) bereits etwas früher geschaf­fen hat. Die geistigen Inhalte der Jahrhundertwende, die auch in Morachs Holzschnitten nachwir­ken, wandeln sich in Baumanns futuristischen Licht-Inszenierungen zu einer dynamischen Feier urbaner Modernität. Neben den Arbeiten auf Papier wird eine konzise Auswahl direkt korres­pondie­render Ölbilder der beiden Künstler gezeigt.

Krieg und (falscher) Frieden

Aus der Sammlung: Schweizer Kunst der Kriegsjahre 1939-1945

02.03.2021 – 15.08.2021
Kunstmuseum Solothurn, Oberlichtsaal 1. Stock

Mitte Mai 2021 fand im Grossen Oberlichtsaal eine musikalische Darbietung des bedeutenden Orion-Ensembles statt. Im Programm erklingt das Streichsextett aus der 1942 uraufgeführten Oper Capriccio von Richard Strauss (1864–1949). Während den Grausamkeiten des Nazi-Regimes hat der deutsche Komponist ein Werk geschaffen, das mit dem Rückgriff auf den Wohlklang des Rokoko diametral zur damaligen Realität steht.

Wie haben Kunstschaffende der Schweiz auf die damalige Kriegsbedrohung reagiert? Spiegeln sich in ihren Gemälden Angst und Sorge – oder haben sie sich eine Gegenwelt ausgemalt? In der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn befinden sich viele Gemälde aus den Kriegsjahren 1939–45. Viele stammen aus den Stiftungen von Josef Müller, Gertrud Dübi-Müller und Walter Schnyder, die ihre Freunde Ernst Morgenthaler (1887–1962), Max Gubler (1898–1973) oder Maurice Barraud (1889–1954) in Notzeiten unterstützten. Ihre Bildwelten könnten nicht unterschiedlicher sein: Barrauds friedliche Szenen begegnen der spürbaren Melancholie von Morgenthaler und Gubler. Sprechend sind einige Gemälde von 1945, die das Ende des Schreckens kommentieren.

Kathrin Sonntag: ICHDUERSIEESWIRIHRSIE

19.06.2021 – 12.09.2021
Kunstmuseum Solothurn, Ganzes Parterre

Das Werk von Kathrin Sonntag (*1981) verlangt einen zweiten, gar dritten Blick: Oft verlangsamt ihre Kunst bewusst unsere Wahrnehmung und stellt diese selbst zur Schau. Mit Mitteln der Entschleunigung oder des visuellen Stolperns führt sie uns den Prozess des alltäglichen Sehens vor Augen. Da erstaunt es nicht, dass die Künstlerin in einer dafür spezialisierten Manufaktur ihre eigenen Augäpfel nachbilden liess. Diese artifiziellen Glasaugen sind Objekte, wollen aber auch ein Antlitz, ein Individuum simulieren. Wenn wir sie auf dem Sockel betrachten, wird die sonst so klare Beziehung zwischen Subjekt und Objekt plötzlich unscharf.

Die in Berlin lebende Künstlerin mit Schweizer Wurzeln präsentiert im Kunstmuseum Solothurn eine umfassende Einzelausstellung mit Fotografien, Objekten und Installationen unter dem Titel ICHDUERSIEESWIRIHRSIE. Auf eine Überforderung des Lesers abzielend, verwehrt er eine schnelle Entzifferung – spiegelt dann aber ein dichtes Beziehungsgeflecht, das sich auch in der Kunst von Kathrin Sonntag zeigt. Für die Präsentation geht die Künstlerin stark auf die Räumlichkeiten des Kunstmuseums Solothurn als Ort ein und bezieht auch Elemente der Architektur in ihre künstlerische Arbeit mit ein.

Réserve du Patron: Arbeiten auf Papier

Aus den Erwerbungen 1998-2021

19.06.2021 – 26.09.2021
Kunstmuseum Solothurn, Graphisches Kabinett

Die Ausstellung im Graphischen Kabinett beleuchtet anhand einer Auswahl von Erwerbungen der Jahre 1998–2021 ein spezifisches Feld der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn: Die Arbeiten auf Papier. Unter dem Titel Réserve du Patron wird ein Fokus auf den Sammlungsschwerpunkt in der Amtszeit des abtretenden Konservators gelegt. Ab 2002 fanden im erweiterten Graphischen Kabinett zahlreiche Einzelausstellungen bedeutender Schweizer Zeichnerinnen und Zeichner statt. Nicht selten konnten anschliessend grosse Werkgruppen dank Ankäufen oder Schenkungen erworben werden, wie im Falle von Giovanni Giacometti, Otto Morach, Alexandre Perrier oder Felix Vallotton. Mit einem 40-teiligen Konvolut von Zeichnungen von Ferdinand Hodler, das dem Museum 2015 aus dem Nachlass von Rudolf Schindler zukam, ist auch die Vaterfigur der Schweizer Moderne prominent vertreten.

Zu den Erwerbungen gehören aber auch Arbeiten auf Papier der Gegenwartskunst, wie Werke von Marie-Theres Amici, Marc Bauer, Christian Denzler, Annatina Graf, Alex Hanimann, Christoph Rütimann, Adrian Schiess, Roman Signer, Albrecht Schnider, Anselm Stalder, Uwe Wittwer oder René Zäch beweisen.

Schwarzes Licht

Positionen des Erhabenen in der zeitgenössischen Kunst

09.10.2021 – 02.01.2022

Das Erhabene überwältigt Sinne wie Gedanken. Es wurde im Zusammenhang mit der Kunst diskutiert und als ästhetische Kategorie sowohl der Schönheit wie dem Schrecken zugeordnet. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde es im Umfeld der amerikanischen Nachkriegsmalerei aufgegriffen, etwa bei Barnett Newman oder Mark Rothko.
Das Erhabene ist in der zeitgenössischen Kunst wieder präsent – auf unterschiedliche Weise: Es gibt ernsthafte Umsetzungen, aber auch ironische oder humorvolle Brechungen. Überwältigende Landschaftsmotive existieren neben Werken, die etwa die unfassbare Dynamik des Kunstmarktes reflektieren. Auch Licht- und Leerstellen spielen eine wichtige Rolle. Der Ausstellungstitel trägt diesem Aspekt, aber auch dem Unvorstellbaren mit einem paradoxen Begriffspaar Rechnung: Schwarzes Licht.

Die Präsentation versammelt wichtige zeitgenössische Kunstschaffende verschiedener Generationen, darunter Julian Charrière (CH, *1987), John Chiara (USA, (*1971), Michel Grillet (CH, *1956), Sara Masüger (CH, *1978), Karin Sander (*1957), Albrecht Schnider (*1958), Francisco Sierra (CH, *1977), Hiroshi Sugimoto (JP, *1948) oder Robert Zandvliet (*1979).

Meret Oppenheim (1913-1985)

Arbeiten auf Papier

23.10.2021 – 27.02.2022
Kunstmuseum Solothurn, Graphisches Kabinett

Was haben die Städte Stockholm und Solothurn gemeinsam? In ihnen fanden weltweit die ersten musealen Einzelausstellungen zu Meret Oppenheim statt. 1974 zeigte das Museum der Stadt Solothurn eine Oppenheim-Retrospektive und macht damit das Schaffen der Schweizer Künstlerin wieder bekannt. Mittlerweile ist sie längst im Kreis der bedeutendsten Künstlerinnen wie Frieda Kahlo, Sophie Taeuber-Arp, Louise Bourgeois oder Cindy Sherman arriviert.

Im Herbst 2021 nun findet im Kunstmuseum Solothurn eine weitere Überblicksschau zu den Arbeiten auf Papier von Meret Oppenheim statt. Diese ergibt sich auch aus unserem reichen Sammlungsbestand von 18 Arbeiten auf Papier, die zwischen 1933 und 1975 entstanden sind. Sie spiegeln Oppenheims lebenslange Beschäftigung mit der Kunst. Zudem führt die genannte Präsentation eine lange Reihe von Projekten zum Medium der Zeichnung bedeutender Schweizer Kunstschaffender fort, z.B. Cuno Amiet, Albert Anker, Sophie Taeuber-Arp oder Félix Vallotton. Die Schau ergänzt als Satellit eine parallel stattfindende Retrospektive im Kunstmuseum Bern, das einen Grossteil des Nachlasses besitzt und als Hauptleihgeber das Solothurner Projekt unterstützt.

Tiefenschärfe

Zwischen Lust, List und Schrecken

29.01.2022 – 24.04.2022
Kunstmuseum Solothurn, Ganzes Parterre

Kuratiert mit Andreas Fiedler

Die Schärfe der Unschärfe hiess 1998 die Eröffnungsausstellung des neuen Konservators. 24 Jahre später endet seine Amtszeit mit der Präsentation Tiefenschärfe. Sie vereint Kunstwerke, bei denen viele Motive gestochen scharf auftreten. Ob sich damit die erhoffte Klarheit einstellt, ist fraglich. Viele Exponate lassen sich auf die Tradition des Trompe-l’oeil beziehen, auf die Kunst des Augentrugs. Ihre Künstlerinnen und Künstler täuschen mit allen Mitteln der Verführung. Das ist lustvoll und listig, wie Meisterwerke von Adolf Dietrich (1877–1957), Niklaus Stoecklin (1896–1982) oder Félix Vallotton (1865–1925) beweisen.
Tiefenschärfe legt den Schwerpunkt auf die Gegenwartskunst. Generationen- und medienübergreifend zeigen Kunstschaffende wie Franz Gertsch (*1930), Bernard Voïta (*1960) oder das Künstlerduo Taiyo Onorato (*1979) & Nico Krebs (*1979) unterschiedliche Formen des Wirklichkeitsbezugs. Mit Sofia Hultén (*1972) oder Friederike Feldmann (*1962), die für die Ausstellung eine raumbezogene Wandmalerei realisiert, sind auch internationale Positionen vertreten. Bei der formalen Schärfe der Exponate kommen zum philosophischen Spiel der Täuschung auch Ernst und Schrecken, die aus der Konfrontation mit unterschiedlichen Zeit- und Weltbildern wachsen können.